Demolition — Lieben und Leben (2015) — Kritik

Der Tod eines geliebten Menschen ist wohl eines der härtesten Dinge, die ein Mensch in seinem Leben ertragen muss. Regisseur Jean-Marc Vallée (Dallas Buyers Club) nähert sich diesem Thema auf sehr spezielle Art. Als der Investmentbanker Davis (herrlich vielseitig: Jake Gyllenhaal) seine Frau bei einem Autounfall verliert, ist er mit der Situation zunächst völlig überfordert. Es ist das Fehlen einer emotionalen Reaktion, was ihm schwer zu schaffen macht. Sein Blick auf die Welt ändert sich, plötzlich nimmt er ungesehene Kleinigkeiten war und wird von dem unaufhörlichen Drang heimgesucht, Gegenstände auseinanderbauen und zerstören zu wollen. Er sehnt sich danach die Funktionsweise der Dinge zu verstehen und durch das komplette Auseinandernehmen dieser Objekte auch selbst neu anzufangen.

Wer in der Prämisse schon eine gewisse Komik wahrnimmt, der liegt goldrichtig. Demolition will keinesfalls ein reines Drama über den Verlust eines geliebten Menschen sein, sondern ist weitaus vielseitiger gestaltet. Vor allem zu Beginn gelingt die oftmals schwierige Gradwanderung zwischen Komik und Dramatik ausgezeichnet, denn Vallée versteht sich darauf diese nicht zu trennen, sondern die abstrus amüsanten Momente gekonnt mit den dramatischen zu vermengen. Dadurch entstehen oftmals Situationen, in denen der Zuschauer gar nicht genau weiß ob er lachen oder weinen soll — und das sind die Besten des gesamten Films. Zweifelsohne hat Demolition vor allem in der ersten Hälfte reichlich Vorzüge und kann neben den bereits genannten Stärken vor allem mit einem grandios agierenden Gyllenhaal und einer erfrischend anderen Herangehensweise an ein dramaturgisch bereits reichlich ausgeschöpftes Thema punkten.

Demolition hätte durchaus ein wirklicher guter Film sein können. Doch leider verliert sich Regisseur Vallée in der zweiten Hälfte zusehends in Nichtigkeiten, das Drehbuch tritt auf der Stelle und gerade die Stärken der ersten Hälfte greifen nicht mehr vollends. Gerade die gelungene Vermengung aus Komik und Drama beginnt dann zusehends zu bröckeln, einzelne Dialoge und zum Teil auch komplette Szenen fühlen sich seltsam befremdlich und fehl am Platz an. Was zuvor gelungene Einheit war, driftet zusehends auseinander und immer stärker versteift sich Demolition auf die einzelnen Extreme. Natürlich liefert Gyllenhaal auch dann noch mehr als souverän ab, und dennoch merkt man auch ihm die Orientierungslosigkeit des Films an. Schade.

Dadurch verschenkt Demolition unnötigerweise sein Potential, welches er sich zuvor noch mühselig erarbeitet hat. Vor allem gegen Ende verlässt sich der Regisseur immer wieder auf prätentiöse Bildmontagen, die er bewusst wage hält. Optisch durchaus nett anzusehen, verpasst er es jedoch seinen zentralen Konflikt in verdientem Maße aufzulösen. Obwohl zunächst ordentlich eingeführt, schafft es der Film deshalb auch nicht dem Zuschauer die Figuren und ihre Probleme wirklich näher zu bringen, respektive deren Gefühle stimmig auf den Betrachter zu übertragen. Doppelt ärgerlich, verfügt Demolition doch über wirklich gute Ansätze und ausreichend Talent vor wie hinter der Kamera. Nichtsdestotrotz aufgrund der ersten Hälfte dennoch empfehlenswert.

Fazit

Fans von Jake Gyllenhaal kommen in „Demolition“ voll auf ihre Kosten. Leider kann der Film nicht ganz mit seinem Hauptdarsteller mithalten, verschenkt in der zweiten Hälfte reichlich Potential und verliert dabei sein eigentliches Ziel aus den Augen. Gute Ansätze sind vorhanden, nur leider macht Regisseur Vallée letztlich viel zu wenig daraus.

Diese Kritik ist zuerst auf Moviebreak.de erschienen. Folgt uns dort:

Autor: Dominic Hochholzer


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