Penny Dreadful — Staffel 3 — Kritik

Bildnachweis: Showtime / Universal Pictures

Inhalt

Nach den dramatischen Ereignissen der zweiten Staffel ist die von ihren Freunden alleingelassene Vanessa Ives (Eva Green) psychisch noch labiler. Hilfesuchend wendet sie sich an die Psychiaterin Dr. Seward (Patti LuPone), die als eine der besten auf ihrem Gebiet gilt und möglicherweise die Lösung für Vanessas Albträume sein könnte.

Ethan Chandler (Josh Hartnett) befindet sich währenddessen auf dem Weg nach Amerika, wo er seinem Vater ausgeliefert werden soll. Verzweifelt versucht er als Gefangener zu entfliehen, doch die Lage sieht für ihn alles andere als gut aus.

Sir Malcolm (Timothy Dalton) ist unterdessen in Sansibar und trifft dort auf den amerikanischen Ureinwohner Kaetenay (Wes Studi), der eine gemeinsame Vergangenheit mit Ethan teilt und möglicherweise der Schlüssel für dessen Befreiung ist.

Kritik

Man kann es nicht oft genug betonen: Es ist eine Schande, dass eine fantastische Serie wie “Penny Dreadful” nicht eine größere Zuschauerschaft finden konnte und auch medial nie die Aufmerksamkeit bekam, die die Serie eigentlich verdiente, auch wenn ihr ihre Qualität nie abgestritten wurde. Die Konsequenz einer teuren Serie, die nicht genügend Quoten bringt: Sie wird abgesetzt. Eigentlich hätte das schon nach der zweiten Staffel passieren sollen, jedoch verlängerte Showtime “Penny Dreadful” noch um eine finale dritte Staffel, in der die Macher sich die Freiheit nehmen konnten, das Format auch vorbereitet und würdig enden zu lassen.

Während sich die zweite Staffel noch über 10 Folgen erstreckte sind es in der dritten nur noch 9. “Penny Dreadful” macht genau da weiter, wo man zuletzt aufhörte und erzählt die Geschichte nun auf eine Weise, die durchaus mutig ist: Der Hauptcast ist nämlich völlig getrennt voneinander, so dass jeder Charakter einzeln behandelt wird. Würde solch ein Umstand andere Serien durchaus in die Knie zwingen können, sind die Autoren von “Penny Dreadful” aber clever genug jeden einzelnen Charakter geschickt zu behandeln, so dass der Erzählfluss in keinster Weise gestört wird. Im Gegenteil, jeder Charakter ist derart interessant und wichtig für die Erzählung, dass man jede Storyline mit Freude verfolgt. Die Autoren geben dabei nochmal alles und strukturieren ihre Erzählung sehr durchdacht und begeistern durch zahlreiche schöne Dialoge und besondere Momente. Mit Ethan Chandler und Sir Melcom gibt es dabei wunderschön gefilmte Ausflüge in den Wilden Westen, Vanessa Ives hält im viktorianischen London die Stellung.

Erwartungsgemäß weiß dabei Vanessa Ives am meisten zu faszinieren, was einerseits an ihrer mysteriösen, vielschichtigen Rolle liegt, aber auch an der grandiosen Performance von Eva Green, die zum niederknien gut spielt und in ihrer Rolle vollkommen aufgeht. Bereits in der zweiten Staffel gehörte ihr die bis dato wohl beste Folge der gesamten Serie (S2E3: “The Nightcomers”), in der finalen Staffel verpassen ihr die Macher erneut einen einstündigen Soloauftritt mit welchem sich Eva Green noch einmal ein kleines Denkmal setzt (S3E4: “A Blade of Grass”). Sensationell gut!

Während es in der ersten Staffel vorrangig um Vampire im Allgemeinen ging und in der zweiten Staffel um Hexen, bekommt es Vanessa Ives in der dritten Staffel mit dem Fürsten der Dunkelheit persönlich zu tun, Graf Dracula. Die Charakterwahl fällt dabei sehr schön aus und die Spannungen, die zwischen den Figuren aufgebaut werden, wissen sehr zu gefallen.

Auch einige weitere interessante Charaktere finden ihren Weg in die Serie, darunter die Psychiaterin Dr. Seward (Patti LuPone), die als knallharte Therapeutin mehr als positiv auffällt, sowie Dr. Henry Jekyll (Shazad Latif) höchstpersönlich oder auch die kampferprobte Catriona Hartdegen (Perdita Weeks).

So gesehen macht “Penny Dreadful” in der letzten Staffel alles richtig, zumindest bis zur einschließlich siebten Folge. Immer mehr schraubt man die Spannung an, alles läuft auf ein großes Finale zu, nichts anderes wünscht man sich für eine solch hervorragende Serie. Doch jetzt kommts: die letzten zwei Finalfolgen fallen qualitativ völlig überraschend vom Rest der Staffel, bzw. sogar vom Rest der ganzen Serie, ab. Es wirkt als seien den Machern ganz plötzlich die Ideen ausgegangen, oder aber die Lust, ihre Serie vernünftig enden zu lassen. Diverse vielversprechende Subplots münden in lose oder unbefriedigende Enden, darunter beispielsweise die Geschichte um Lily und Dorian Gray mitsamt ihrer Armee mordender Prostituierter, ebenso die Geschichte um Lily und Ethan Chandler, bei denen man seit Staffel 1 darauf wartet, dass sie sich noch einmal wiedersehen und Frankenstein und Chandler wegen früherer Geschehnisse aneinander geraten. Auch vielversprechende neue Figuren wie Dr. Jekyll sind letztendlich völlig für die Katz, da sie auf die Entwicklung der Geschichte kaum eine Auswirkung haben. Man muss sich ernsthaft fragen, wozu man sich zuvor über mehrere Folgen bzw. Staffeln hinweg die Mühe gab (und das durchaus gelungen!), diverse Charaktere zu etablieren oder Subplots aufzubauen, wenn sie nun im Finale einfach mit Füßen getreten werden. Und auch der Hauptplot rund um Vanessa Ives, ihrem Schicksal und der möglichen Wiedervereinigung mit ihren Freunden fällt sehr enttäuschend und überstürzt aus. Der Überraschung wegen wollen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, doch seid gewarnt, statt eines denkwürdigen Abschieds mit liebgewonnenen Figuren und von einer tragischen, starken Erzählung gibt es hier lediglich einen lieblos ausgeführten und völlig belanglosen Ausgang ohne Substanz, der einfach nur verärgert. Verärgert, weil den Machern so kurz vorm Ziel völlig unverständlich die Zügel aus der Hand gefallen sind und sie sich dabei nicht mehr Mühe gaben.

Fazit

“Penny Dreadful” ist insgesamt eine fantastische Serie, die sowohl auf Seiten der Produktion, der Darsteller und der Geschichte zu begeistern weiß. Das galt für die vorigen Staffeln ebenso wie für die nun dritte, finale Staffel. Warum die Macher aber ausgerechnet in den beiden letzten Finalfolgen die Kontrolle verlieren und die Serie derart lustlos und unbefriedigend beenden wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben und Fans noch über längere Zeit schwer im Magen liegen. Verdient hat “Penny Dreadful” einen solch laschen Abgang jedenfalls nicht.