Mr. Robot — Staffel 2 — Kritik

Bildnachweis: USA Network

Inhalt

Einen Monat nach dem Angriff von fsociety auf den Finanzmarkt und auf E Corp befindet sich die Welt noch immer im Chaos. Die verantwortlichen Hacker haben sich allesamt zurückgezogen und halten sich im Verborgenen. Auch Elliot (Rami Malek) versucht wieder Normalität in sein Leben zu bringen und sein Alter Ego, Mr. Robot (Christian Slater), unter Kontrolle zu halten. Doch was ist in jener Nacht des Angriffs eigentlich genau vorgefallen? Elliot erlitt einen Blackout, so dass ein entscheidender Part nicht mehr präsent ist. Die staatlichen Geheimdienste haben es sich derweil zur Aufgabe gemacht, den Ereignissen auf die Spur zu gehen.

Kritik

“Mr. Robot” mag zwar nicht die allerhöchsten Quoten einfahren, steht aber bei Kritikern und Preisverleihungen äußerst hoch im Kurs. Der US-Sender USA Network setzt auf volles Vertrauen in sein Projekt, was nicht nur der Grund dafür war, dass die zweite Staffel auf zwölf Folgen erweitert wurde, sondern auch schon längst grünes Licht für eine dritte Staffel (2017) gegeben wurde.

Die zweite Staffel, welche Ende September 2016 ihr Finale fand, setzt rund vier Wochen nach den verheerenden Ereignissen der ersten Staffel, die als Five/Nine bezeichnet werden und die Welt veränderten, an. Doch Regisseur Sam Esmail stürzt sich nicht in den Thrill mit welchem wir zuletzt verabschiedet wurden, sondern lässt die zweite Staffel in einem sehr gemächlichen Tempo beginnen, angereichert mit einer kleinen Prise Humor, und widmet sich in aller Ruhe erst einmal seinen Charakteren. Elliot hat sich von allen Hacking-Aktivitäten und früheren Mitmenschen zurückgezogen und versucht mittels eines geschaffenen Algorithmus’ Ordnung in sein Leben zu bringen, vor allem aber seine Persönlichkeitsstörung in den Griff zu bekommen. Dabei wird nicht nur der von ihm geschaffene, imaginäre Mr. Robot völlig ignoriert, auch verzichtet Elliot auf die serientypischen Monologe, die im Grunde immer an uns, den Zuschauer, gerichtet waren, also einem weiteren imaginären Freund. Denn in “Mr. Robot” sind wir quasi Teil der Handlung, doch Elliot fühlt sich von uns verraten und grenzt uns daher zunächst aus. Nur eine von vielen coolen Ideen.

Damit zeigt sich auch, in welche Richtung sich die zweite Staffel vor allem fokussiert. Während zuvor der Cyber-Kampf gegen E Corp im Vordergrund stand, geht es diesmal viel mehr um die Psyche des Hauptcharackters. Und dabei leistet die zweite Staffel hervorragende Arbeit, diese auf originelle und auch spannende Weise zu beleuchten. Zudem wartet die zweite Staffel mit einer Vielzahl von Überraschungen auf, denn Elliots Psyche ist nicht so durchschaubar, wie es den Anschein macht.

Natürlich verfolgt man auch die restlichen Handlungsstränge sinnvoll weiter, von der Sabotage Angelas (Portia Doubleday) innerhalb E Corps, neuen Plänen fsocietys, den Ermittlungen diverser Geheimdienste sowie mysteriösen Gruppierungen wie die gefährliche Hackergruppe Dark Army, die man in der ersten Staffel bereits eingeführt hat und die nun immer mehr in Erscheinung tritt. Damit glückt der zweiten Staffel der Balanceakt zwischen Thrill und Psychodrama bestens, die Erzählung ist diesmal noch ausgereifter als in der ersten Staffel zuvor. Schade ist nur, dass man dem ganzen Drumherum etwas wenig Beachtung schenkt. Dass die Finanzwelt zerschlagen ist und unser aller Alltag sich dadurch geändert hat wird zwar immer nebenbei erwähnt oder auch in wenigen Bildern gezeigt, doch wirklich viel zu sehen oder spüren bekommt man davon während der Serie nicht, man muss es einfach als gegeben nehmen.

Stilistisch bleibt man sich völlig treu und setzt dabei nochmal ordentlich eins drauf. “Mr. Robot” wird erneut äußerst kreativ aus ungewöhnlichen Kameraeinstellungen gefilmt und bedient sich dabei diverser Spielereien in der Bildkomposition und auch zahlreicher musikalischer Mittel, die die Serie stilistisch sehr bereichern. An einer Folge jedoch dürften sich die Geister scheiden, Esmail treibt es dort womöglich ein wenig zu sehr auf die Spitze. Rund ein Drittel einer Folge ist hierbei in Form einer Sitcom gedreht, mitsamt lachendem Publikum und vieler derber Jokes. Dieser Stilbruch ist durchaus sympathisch und amüsant gestaltet, überrascht durch einen besonderen Gast und bettet sich sogar halbwegs nachvollziehbar in die eigentliche Handlung ein, ist mit über zwanzig Minuten Laufzeit aber auch hart an der Toleranzgrenze. Letztendlich wird jeder diesen Abschnitt nach eigenem Geschmack eh anders empfinden, ob nun positiv oder negativ, entscheidet selbst.

Auf Seiten der Darsteller ist “Mr. Robot” weiterhin mehr als lobenswert, vor allem Hauptdarsteller Rami Malek, der für seine Rolle auch gerade mit dem Emmy ausgezeichnet wurde, darf mit all seinen Psychosen am Rande des Nervenzusammenbruchs begeistern. Christian Slater, der zuletzt den Golden Globe für seine Rolle gewann, rückt in der zweiten Staffel nun auch immer mehr in den Vordergrund und erfreut die Zuschauer mit zusätzlicher interessanter Screentime. Portia Doubleday dagegen kommt etwas schlechter weg als zuvor, mit stets offenem Mund und leerem Blick wandert sie beinahe wie ein Zombie durch die Staffel und wirkt dabei fast schon etwas dümmlich, so interessant ihre Storyline auch sein mag, ihr Agieren ist ein wenig nervig.

Über seine zwölf Folgen hinweg kann die zweite Staffel insgesamt auf hohem Niveau unterhalten und verabschiedet uns letztendlich mit einem erneuten Cliffhanger, der neugierig auf die dritte Staffel macht. Ein paar wenige Antworten gibt es auf brennende Fragen zum Ende zwar, insgesamt aber doch relativ wenige, es werden sogar noch weitere Fragen aufgeworfen. Das kann man, wenn man gewillt ist, durchaus positiv sehen, immerhin spielt die Serie gern mit ihren Geheimnissen, könnte für manch einen, der nach zwei Staffeln nun endlich auf weitere Informationen hoffte, ebenso enttäuschend ausfallen. Denn nun heißt es wieder ein Jahr abwarten, um mehr zu erfahren. Eine weitere Staffel, die den Zuschauer ordentlich einheizt, ihn dann aber ahnungslos sitzen lässt. In dem Sinne ist das Finale für sich genommen zwar eine schöne Folge, jedoch als Finale etwas enttäuschend, da man erneut auf Zukünftiges vertröstet wird.

Fazit

“Mr. Robot” entwickelt sich in seiner zweiten Staffel sowohl handwerklich als auch narrativ positiv weiter. Von den Psychosen des Hauptcharakters bis hin zum Cyberkampf gegen einflussreiche Mächte hat die Serie noch eine geballte Ladung an Erzählstoff, der nicht nur die zweite Staffel bestens ausfüllt, sondern auch auf vielversprechende Weise in die kommende dritte führt. Jedoch kann die Hinhaltetaktik, mit der die Serie erneut mit Informationen umgeht, auch frustrierend sein.