In der Analyse, insbesondere was die Medien betrifft, stimme ich dir weitgehend zu, bei der…
Daniel Ullrich
11

Ich denke, die aktuelle Situation erfordert einen mehrschichtigen Lösungsansatz und ich bin ganz dabei, wenn Du sagst, dass eine “klare Ansage” kurzfristig gedacht ist. Und sicher lassen sich über eine verstärkte Verbrechensbekämpfung nicht alle Kriminiellen davon überzeugen, das das nicht in Ordnung ist, was sie tun. Aber gerade die Mittäterschaft im Schutze der Gruppe könnte erschwert werden. Aktuell ist so die Wahrscheinlichkeit einer Strafe verschwindend gering.

Nichts desto trotz: Integration durch Bildung ist definitiv ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Baustein, wenn wir dieses Phänomen in den Griff bekommen wollen. (In Bezug auf den Umgang mit Frauen gibt es interessante Ansätze in Norwegen: http://www.nytimes.com/2015/12/20/world/europe/norway-offers-migrants-a-lesson-in-how-to-treat-women.html?_r=1)

Das wir aber schon vor der großen Flüchtlingswelle mit der deutschen Bildungspolitik geschlafen haben, scheint für mich offensichtlich und manifestiert sich in den bestehenden Rand- und Parallelgesellschaften, die wir schon jetzt in Deutschland haben. Dafür bekommen wir nun die Quittung.

Und auch im folgenden Punkt stimme ich Dir ganz zu: Die Herkunft der Personen in den Vordergrund zu heben, hilft uns bei der Bennenung des Problems nicht weiter. Herkunft lässt höchstens Rückschlusse auf die kulturelle Prägung zu, die wir bei diesem Thema natürlich nicht außer acht lassen sollten und konstruktive Programme zu entwickeln. Das dann auch nichts mehr mit Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern ist ein wichtiger Teil des Sozialisationsprozesses.

Eine Lösung muss nach meinem Verständnis aber holistisch arbeiten. Es reicht nicht, wenn wir unsere Werte und Regeln mit Bildung vermitteln, es in der Realität aber dissonante Zeichen gibt. Was ich meine ist, wir predigen Respekt vor der Staatsgewalt, die Polizei aber stahlt kaum etwas respekteinflößendes aus. Wir Deutschen bezeichen unsere Polizeiautos ja sogar aus Spaß als “grün-weißer Partybus”.

Wenn ich da an die Polizei in USA oder den Grenzschutz der Schweiz denke, dann ist es das, was ich mit “respekteinflößender” Staatsgewalt verbinde und selber kennengelernt habe.

Das ist ähnlich wie bei einer Marke. Wird das Markenerlebnis an den verschiedenen Touchpoints nicht einheitlich gemäß der Markenpersönlichkeit wahrgenommen, führt das nicht zu einem entsprechenden Image. Verhält sich der Support-Mitarbeiter des Telefonanbieters unkooperativ oder unfreundlich, bekommt ein Slogan wie “Erleben was verbindet” einen schlechten Beigeschmack und lässt das Unternehmen lächerlich darstehen. Da kann man sich noch so guten Kundenservice auf die Fahne schreiben.

Will sagen, Bildung und Aufklärung ist wichtig, aber nicht alles. Natürlich kann man keine Regeln befolgen, die man nicht kennt, und natürlich hilft es, nicht am Rande der Gesellschaft zu stehen, aber so oder so müssen wir auf ganzer Linie signalisieren, welches Verhalten wir hier in Deutschland trotz aller Freiheit nicht dulden.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.