Das Integrationsjahr ist beschlossen: Erfolgsprojekt Alberschwende

Am 16. Mai 2017 wurde das verpflichtende Integrationsjahr im Nationalrat beschlossen. Damit geht Österreich einen neuen Weg in der Integrationspolitik.

Denn erstmals kommt es zu einem mindestens 12 Monate dauernden flächendeckenden, durchgängigen und strukturierten Integrationsprogramm.

Besonders wichtig war, dass auch AsylwerberInnen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit am Programm teilnehmen werden. Wie entscheidend unser Leitsatz “Integrations von Anfang an” in der Integrationsarbeit ist, zeigt der Ort Alberschwende in Vorarlberg. Hier ist das, was im Integrationsjahr nun für ganz Österreich umgesetzt wird, bereits Realität.

Alberschwende: Ein Ort als Vorbild

Alberschwende ist ein Vorarlberger Ort im Bezirk Bregenz mit rund 3.200 Einwohnern. Mitte 2016 lebten in Alberschwende 36 AsylwerberInnen und 15 Konventionsflüchtlinge: 29 Personen aus Syrien, 13 aus dem Irak, 5 aus Afghanistan und 4 Staatenlose.

Der Gemeinde war es von Anfang an wichtig, dass die Flüchtlinge in das Ortsleben integriert werden. Es ist auch das vorrangige Ziel der Asylwerber: schnellstmöglich wieder auf eigenen Beinen zu stehen und sich eine Existenz aufbauen zu können.

Dafür lernen sie Deutsch nicht nur über die Kurse der Caritas, sondern auch in Kursen von Freiwilligen, im Selbststudium über Handy und Youtube bzw. Online-Kurse und im Kontakt mit der Bevölkerung.

“Wir sind aktiv”: Ein Projekt zeigt die Erfolge des Integrationsjahrs

Wie wichtig der aktive Kontakt mit der Bevölkerung und die Zusammenarbeit im Rahmen des Integrationsjahres ist, zeigt das Projekt “Wir sind aktiv”.

In Zusammenarbeit mit der Caritas und mit Unterstützung einer kleinen Gruppe Ehrenamtlicher haben sich die Alberschwende Flüchtlinge inzwischen sogar selber organisiert und eine eigene Plattform gegründet. Das Büro der Plattform wird von den Flüchtlingen selbst geführt und koordiniert die Einsätze im Rahmen der Nachbarschaftshilfe.

Aufträge für Hilfsdienste werden von ihnen entgegen genommen und Einsätze koordiniert, unterstützt werden sie von Ehrenamtlichen, die die noch vorhandenen Sprachbarrieren überbrücken und bei Problemen jederzeit unterstützend helfen können.

Laith Al-Fandi: Vom Flüchtling aus Syrien zum Projektleiter in Vorarlberg

Welchen wichtigen Einfluss das Integrationsjahr auf Menschen hat, zeigt die Geschichte von Laith Al-Fandi. Der 26-jährige Syrer ist 2015 vor dem Krieg in seinem Heimatland geflohen, nach Alberschwende gekommen und war einer der ersten Teilnehmer des damals noch freiwilligen, sozialen Integrationsjahrs.

Inzwischen leitet er das Projekt “Wir sind aktiv” in Alberschwende und unterstützt seine Kollegen in Helfereinsätzen. Er konnte auf diese Weise schon über 1.500 Helferstunden in privaten Haushalten und im Bauhof organisieren. Durch den ständigen Kontakt zur Bevölkerung spricht Laith inzwischen gutes, fließendes Deutsch und hat auch eine Anstellung im Bereich Sozial- und Projektmanagement angeboten bekommen.

Laith, der in Damaskus den ersten Abschnitt seines JUS-Studium abgeschlossen hat, sieht sich bereits als Alberschwender. In seiner Freizeit trainiert und spielt er in der 1b-Mannschaft des FC Sohm Alberschwende.

Integration von Anfang an

Die Geschichte von Laith Al-Fandi zeigt wie wichtig das Motto “Integration von Anfang an” in der Integrationsarbeit ist. Und hier setzten wir mit dem verpflichtenden Integrationsjahr an. Denn es ist wichtig und entscheidend, dass Menschen so schnell wie möglich die Sprache erlernen und sich für den Arbeitsmarkt qualifizieren können. So kommt es zu einem positiven Effekt sowohl für die Betroffenen, als auch die Gesellschaft als Ganzes.

Das Integrationsjahr ist abgestimmt auf individuelle Fähigkeiten und Kenntnisse, modular aufgebaut und besteht aus bis zu sieben Modulen, welche vom AMS verantwortet werden. Die Dauer und Abfolge der jeweiligen Module sowie die Dauer des gesamten Integrationsjahres werden in individuellen Coachings mit den TeilnehmerInnen festgelegt. Die Gesamtdauer beträgt mindestens 12 Monate und kann nur bei erfolgreichem Erhalt eines regulären Arbeitsplatzes abgebrochen werden.

Die 7 Module des Integrationsjahrs anzeigen

Neben dem Integrationsjahr kam auch die Öffnung des Dienstleistungsschecks für AsylwerberInnen (ab einem Aufenthalt von 3 Monaten in Österreich). Damit können AsylwerberInnen erstmals legal in privaten Haushalten angestellt werden.

Mit dem Integrationsjahr wird ein bisher bestehender Systemfehler, unterschiedliche Zuständigkeiten und Systembrüche (etwa ein Deutschkurs wurde absolviert und dann kommt es zu langer Wartezeit auf den nächsten Kurs), behoben und es kommt zu einer rascheren Selbsterhaltung.

Mit dem Beschluss des Integrationsjahrs haben wir somit einen wichtigen Schritt gesetzt, damit sich vor Krieg und Verfolgung geflüchtete Menschen eine neue Existenz in Österreich aufbauen können. Und so kommt es zu einem positiven Effekt: sowohl für die Betroffen als auch die Gesellschaft als Ganzes.

Show your support

Clapping shows how much you appreciated Muna Duzdar’s story.