#EmptyHamburgerKunsthalle — Neue Wege der digitalen Kommunikation

SPOT ON — Während die Hamburger Kunsthalle umgebaut wird, sind ausgewählte Werke der Sammlung weiterhin zu sehen

Eine Kulturdefinition kann nie eindimensional sein, denn Kultur umfasst immer mehrere Ebenen, Konzepte und Medien. Die Frage der Bloggerin Tanja Praske, die sie nach einer Definition von Kultur mit ihrer Blogparade #KultDef stellt, lässt sich für mich daher am besten mit einem Verweis auf eine gelungene Verknüpfung mehrerer Ebenen, Konzepte und Medien im kulturellen Umfeld beantworten.

Der Hamburger Kunsthalle ist eine solche Verknüpfung gelungen. Am Abend des 20. Juni 2015 hatte das Museum lange geöffnet — exklusiv für 40 Instagrammer. Zum Event ‪#‎EmptyHamburgerKunsthalle‬ waren 30 gut ausgewählte Instagram-User aus ganz Deutschland geladen, zusätzlich wurden 10 User über den neuen Instagram-Account der Hamburger Kunsthalle ausgelost. Auch ich durfte für meinen Blog MusErMeKu bei dem Event mit dabei sein.

Das Event bot die Möglichkeit, die menschenleeren Räume des Museums zu erkunden

Laut Pressemitteilung der Veranstalter war es das bisher größte Instagram-Event eines Kunstmuseums in Deutschland. Die potentielle Reichweite des Events war erheblich, denn die 40 Teilnehmer verfügten insgesamt über rund 2 Millionen Follower bei Instagram — über verwendete Hashtags kann die Reichweite auch höher ausfallen.

Wohl überlegt war es, dass die Hamburger Kunsthalle nicht nur gezielt Kontakt zu Influencern aufnahm, also namhafte und erfolgreiche deutsche Instagram-User einlud, wie etwa @palomaparrot mit 299k Abonnenten oder @berlinstagram mit 413k Abonnenten. Auch durch die Verlosung von 10 freien Plätzen sorgte das Museum vorab für Aufmerksamkeit, denn die Aktion machte nicht nur den erst vor wenigen Wochen gestarteten Istagram-Account der Institution bekannter, auch 150 Instagram-User meldeten sich, um einen der begehrten Plätze für das Event zu ergattern.

Organisiert wurde #EmptyHamburgerKunsthalle in Kooperation mit zwei bekannten Instagram-Usern aus Hamburg, welche die Szene kennen und auch an der Auswahl der Influencer beteiligt waren: die Kunsthistorikerin und freie Journalistin Anika Meier (aka @gert_pauly) und der Berater für digitale Kommunikation André Krüger (aka @bosch).

Anika Meier betont zur Auswahl der Teilnehmer: “Uns war wichtig, dass die Instagrammer dabei sind, die gern in Museen und Kultureinrichtungen fotografieren. Das waren dann — wie man so schön sagt — Influencer wie @palomaparrot und @berlinstagram, aber auch nicht ganz so große Accounts wie @juancamiloberlin und @ofeneck.”

Die Aktion fand übrigens parallel zur Triennale der Photographie statt, die vom 18. bis zum 28. Juni 2015 in Hamburg läuft. Die Hamburger Kunsthalle beteiligt sich an der Phototriennale mit der Ausstellung “WHEN THERE IS HOPE”, die auch beim Empty-Event besucht werden konnte.

Einmal durch die Ausstellung schlendern, ohne vor den Bildern mit anderen Besuchern um den besten Betrachtungspunkt konkurrieren zu müssen

Ziel des Events war es, neue Zielgruppen für die Hamburger Kunsthalle zu erreichen — und neugierig auf einen Besuch im Museum zu machen. Dass sich der Normalbesucher jedoch nicht frei fotografierend in der Kunsthalle bewegen können wird, sollte jedem bewusst sein, der jetzt demnächst im Museum eine ähnliche Foto-Safari plant.

Selbst die Instagrammer mussten sich während des Events am 20. Juni 2015 bestimmten Regeln des Urheberrechts unterwerfen — das Organisationsteam hatte hierfür extra Handouts erstellt und zusätzlich Räume und bestimmte Kunstwerke mit gelben Kreuzen markiert.

40 Instagrammer waren am Abend des 20. Juni 2015 in der Hamburger Kunstalle auf der Suche nach dem besten Motiv

Der Hintergrund des Events ist, dass die Kunsthalle Hamburg zur Zeit nicht nur in ihren Räumlichkeiten umgebaut wird, auch was die Konzeption der Digitalstrategie des Museums angeht, findet momentan ein “Umbauprozess” statt. Die Institution vollzieht einen Webrelaunch, konzipiert neue digitale Vermittlungsformate und will ihren Social Media Auftritt auf verschiedenen Plattformen neu ausrichten und erweitern. Auch Influencer Relations werden wohl etabliert und ab jetzt verstärkt betrieben werden.

Stefan Brandt, Geschäftsführer der Hamburger Kunsthalle, betont mit Verweis auf das Empty-Event in diesem Zusammenhang: “Unser Instagram-Event am 20. Juni, das die Kunsthalle mit bis zu 2 Millionen Nutzern digital verbindet, setzt hier ein erstes Ausrufezeichen — ganz im Sinne unseres Mottos ‚weiter offen‘.“
Bei einigen Kunstwerken mussten die Instagrammer auch beim Empty-Event Urheberrechte beachten — ganz ohne rechtliche Beschränkungen ließ sich die Architektur fotografieren

Übrigens: Die Idee des “Empty Museum” geht auf ein Konzept des Metropolitan Museum of Art, New York zurück. Und auch die Schweizer Fondation Beyeler hat vor kurzem ein solches Empty-Event durchgeführt. Unter dem Hashtag ‪#‎EmptyBeyeler‬ ging es am 17. Juni 2015 dort in aller Frühe, morgens 8 Uhr, auf Entdeckungstour.

Die Instagrammer inszenierten sich u.a. in der aktuellen Ausstellung “The Image as Burden” von Marlene Dumas, die noch bis zum 6. September 2015 in der Fondation Beyeler zu sehen ist, oder vor Tobias Rehbergers Wandgestaltung mit dem Titel “1661–1910 from Nagasaki, Meiji, Setti”, das noch bis zum 20. September 2015 im schweizer Museum gezeigt wird.

Mehr von mir gibt es auf meinem Blog:
MusErMeKu — Museum / Erinnerung / Medien / Kultur

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