Achtung!
Her mit der Aufwertung

Kitastreik: Beschäftigte machen Druck bei Funktionsträgern

Berlin. Wütend sind sie, die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Darum streiken sie, und die Zahl der bestreikten Betriebe dürfte noch steigen. Aufwertung heißt das Wort und heißt die Forderung für die insgesamt rund 240 000 Beschäftigten unter anderem in kommunalen Kitas, Einrichtungen der Familien- und Behindertenhilfe sowie Jugendeinrichtungen. Mehr zu tun, höherwertige Ausbildung, aber nicht mehr Geld — so geht das seit Jahren, kritisieren die Gewerkschaften GEW, ver.di und der Deutsche Beamtenbund dbb.

Durchschnittlich zehn Prozent mehr für alle würde die geforderte höhere Eingruppierung aller Berufsgruppen bedeuten. Aber die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände sagt: »Das geht nicht!« So viel Geld habe man nicht, Schuldenbremse sei Dank. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di will nun während der Streikzeit die kommunalen Funktionsträger und Wahlbeamten an die Kandare nehmen und stattet auch mal Hausbesuche am Dienstsitz ab. So geschehen in Bochum. Dort besuchten 160 sichtlich wütende Streikende das Amtshaus der Bürgermeisterin. Die ließ sich durch ihre ebenfalls sozialdemokratische Personaldezernentin vertreten, die den Erzieherinnen und Erziehern, Sozialarbeiterinnen und Betreuern erklärte, es sei ja alles richtig, was sie fordern, aber eben leider nicht bezahlbar.

Ein Ende des Streiks ist nicht in Sicht, er hat schließlich erst angefangen. Die Meldungen vom Dienstag ließen wundern: »Ver.di stellt Streik-Ende in Aussicht«, hieß es, nachdem ein ver.di-Sprecher sinngemäß gesagt hatte, wenn es ein neues Angebot von den Unternehmen gebe, verhandeln wir, ist doch klar. Doch das unterscheidet sich in keiner Form von dem, was Gewerkschaften immer sagen, wenn sie streiken müssen. Fazit der hektischen Meldungsproduktion: Der Kampf geht weiter. jme

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