Atom-Steckbrief

Kurt Stenger glaubt nicht an das Märchen vom sicheren »Endlager«

Gesucht wird: eine Lagerstätte in Deutschland für Atommüll, mindestens 300 Meter unter der Erde, abgeschirmt von der Biosphäre durch ein Gebirge aus Salz, Ton oder Granit. Diesen Steckbrief hat eine Kommission des Bundestags jetzt veröffentlicht, ohne jedoch eine Belohnung auszusetzen. Die Vorstellung: Geologen und Physiker schwärmen nun aus, um auf der weißen Landkarte geeignete Standorte zu markieren. Die Bevölkerung, Verbände und Atomkonzerne dürfen sich dazu äußern, bevor die Politik zum Wohle aller entscheidet. Gegen 2050 kann das Problem zu den Akten gelegt werden.

Leider ist dieser Plan eine Luftnummer. Schon die Vorstellung, dass es den Top-Standort gibt, wo die Bevölkerung die Castoren mit offenen Armen empfängt, ist reichlich naiv. Und die sichere »End«lagerung über einen Zeitraum von mehreren Hunderttausend Jahren ist ein Märchen, an das niemand ernsthaft glaubt. Es geht maximal um Zwischenlösungen.

Natürlich sind auch diese wichtig — am schlimmsten wäre es, den Kopf ins Salz zu stecken. Es ist schon ein Erfolg, dass sich die Politik mal Gedanken über die Legislaturperiode hinaus macht. Doch man muss im Auge behalten, dass es nur begrenzte Sicherheit geben kann. Tests weltweit, mit welcher Gesteinsart oder Lagerungstechnik auch immer, sind wenig ermutigend. Das Beste wäre es deshalb, bei den verbliebenen AKW sofort den Stecker zu ziehen, um nicht noch mehr Müll zu produzieren, mit dem man nicht weiß wohin. Ein Steckbrief ist eben kein Endlagerentwurf.

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