Bann auf Zeit

Uwe Kalbe über die AfD als neue Kraft in den Parlamenten

Mit der Alternative für Deutschland redet am liebsten niemand, über sie reden alle. Der politische Bannstrahl hat die Partei getroffen, in seltsamer Bündelung findet sich darin die Abneigung der Union gegenüber einer vetterlichen Konkurrenz wie die Abneigung der Linken gegenüber einem weltanschaulichen Gegner. Dass das zusammengeht, kann niemand über einen längeren Zeitraum hinweg erwarten. Es fängt schon damit an: Die Kanzlerin beruhigt sich und ihre Partei mit dem Hinweis darauf, dass die AfD nicht allein das Problem der CDU sei. Die LINKE beruhigt sich damit, dass die AfD das Problem der Konservativen sei, nicht ihres. Wer hat Recht?

In der CDU zeigen die ersten bereits Nerven und widersprechen ihrer Vorsitzenden. Programm und Profil zu schärfen, dies Verlangen ist nichts als das in den letzten Jahren immer wieder vom konservativen Flügel geforderte Bekenntnis zu den Wählerschichten, die man mit der Merkelschen Sozialdemokratisierung eher verprellt hat. Ob sich die AfD auf diese Weise verdrängen ließe oder nicht – das Ergebnis wäre ein Ruck nach rechts.

Die LINKE besteht darauf, das einzelne ähnlich lautende Forderungen der AfD keine Verwechselungen rechtfertigen – positive Bezüge zur DDR etwa. Besonders unangenehm, wenn die öffentliche Schelte dafür nebenbei die LINKE treffen könnte. Der ungewollte Offenbarungszwang wird Unterschiede schnell bloßlegen. Dann dürften zugleich Parallelen der AfD mit der CDU klarer werden. Und der Bann beendet sein.

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