Das große Staunen

Kurt Stenger über den Betrugsverdacht gegen Opel

Das neue Oh! — aktueller Werbeslogan von Opel — hat eine andere Bedeutung bekommen. Für Erstaunen sorgt nunmehr ein TV-Bericht, wonach der Autobauer überhöhte CO2-Emissionen eines seiner Modelle geheim gehalten und damit die Kunden betrogen habe. Das passt schlecht zu dem mit vielen Werbemillionen und allerlei Prominenz kreierten Image des unterschätzten, etwas rebellischen Underdogs unter den deutschen Autoherstellern. Es soll helfen, die General-Motors-Tochter nach Jahren mit hohen Verlusten und nach der skandalösen Schließung des Werks Bochum mit tausenden Angestellten wieder nach vorn zu bringen. Betrügereien, die strafrechtliche und finanzielle Konsequenzen unabsehbaren Ausmaßes nach sich ziehen könnten, passen da so gar nicht ins Kunstbild — und werden natürlich erst mal dementiert.

Was dran ist an den Vorwürfen, lässt sich auch wegen der komplexen technischen Prüfverfahren nur schwer beurteilen. Doch der Vorgang ist ein weiterer Beleg für den Verdacht, dass VW mit seinen Betrügereien bei Emissionswerten nicht allein ist. Jenseits dieser strafrechtlichen Frage ist ohnehin seit Langem bekannt, dass die Prüftests nichts mit der Realität zu tun haben. Die gängige Automotorentechnik ist eben mit den Anforderungen des Gesundheits- und Klimaschutzes kaum noch vereinbar. Sollte die EU irgendwann Prüfungen auf der Straße verbindlich vorschreiben, wird es für alle großen Hersteller richtig eng. Nicht nur bei Opel wird es dann großes Staunen geben.

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