Das Wrack im Süden Berlins

Sarah Liebigt zählt Spatzen. Und Flugzeuge und Euro in Millionen

Vergessen Sie die läppischen Millionen, die monatlich in das Baudenkmal hinter Schönefeld sickern. Vergessen Sie die nicht-mehr-lustigen, übers Flugfeld galoppierenden Hasen. Vergessen Sie die falsche Raumnummerierung, die falsch gepflanzten Bäume, die von einem Fachidioten (meint: Architekten) zu eng geplanten Passagiersauger, die auf der falschen Seite vom Flugzeug andocken sollten, und vergessen Sie die BER-Akten, die »fachgerecht« in einem auf der Straße rumstehenden Container entsorgt wurden. Es geht an die dicken Fische. Vergessen Sie Imtech, falls dieser Firmenname Ihnen schon im Gedächtnis geblieben ist. (Das ist diese Firma, die trotz Korruptionsverdacht und Insolvenz Aufträge bekam und immer noch weiter »arbeiten« darf am BER.) Jetzt stehen Siemens, Bosch und T-Systems am Pranger.

Der BER ist nicht einmal mehr eine Lachnummer. Er ist nur noch trauriges oder jämmerliches Zeugnis kompletten Totalversagens auf allen Ebenen. Das Wrack da im Süden Berlins ist kein Flughafen, das ist eine Neudefinierung der »schlechten Nachricht«. Duden, übernehmen Sie bitte.

Wenn man im Pankower Bürgerpark sitzt, dröhnen in einer halben Stunde so viele Flieger über die Bäume hinweg wie Spatzen angehüpft kommen, sobald man sich mit dem Bratwurstbrötchen auf die Bank setzt. Der Park ist trotzdem immer proppevoll, die Leute sind das Innehalten im Reden gewohnt. Die Flieger entschleunigen jedes Gespräch: ständig muss man Pausen machen, weil man sein eigenes Wort nicht hört. Dass irgendwann Ruhe ist, glaubt hier niemand mehr.

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