Deutschland drückt sich vor Reparationen

Martin Ling über die Forderungen der Herero und Nama

Der Unmut bei den Herero und Nama wächst: Die deutsche Bundesregierung weigert sich nach wie vor, direkt mit den Nachkommen des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts zu verhandeln. Ruprecht Polenz, der offizielle Vertreter der Bundesregierung im Dialog mit Namibia über den Völkermord an den Herero und Nama, erdreistete sich 2016 sogar, die Herero und Nama zu ermahnen, nicht ständig den Holocaust im Zusammenhang mit dem Genozid im damaligen Deutsch-Südwest zu nennen. Als ob Genozid eine Frage der Quantität sei und nicht der qualitativen Absicht: Völkermord ist dann gegeben, wenn ein Volk ausgelöscht werden soll, die Größe des Volkes ist dabei vollkommen unerheblich.

Die Bundesregierung gesteht zwar seit 2015 inzwischen offiziell ein, dass es sich bei dem Geschehen 1904 bis 1908 in der damaligen deutschen Kolonie um Völkermord handelte. Doch mehr als ein Dialog mit der Regierung ohne Beteiligung der Nachkommen der Opfer gesteht Berlin nicht zu und dass die deutsche Entwicklungshilfe in Namibia Herero und Nama zugute käme, wird von jenen in Abrede gestellt. Die Zustände in ihren Siedlungsgebieten im südlichen Namibia entkräften ihre Position nicht. Die Forderung der Herero und Nama nach Reparationen ist und bleibt legitim, auch wenn sie hierzulande keine Regierung gerne hören will. Die Zeit heilt nicht alle Wunden und der Genozid in Deutsch-Südwest ist nicht nur dort unvergessen.

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