Gefragt ist jetzt Veranwortung

Roland Etzel zur Lage in Aleppo

Militärisch ist der Kampf um Aleppo, die zweitgrößte Stadt Syriens, entschieden. Die regierungsfeindlichen Milizen, die sich bis zuletzt weigerten, den praktisch sinnlos gewordenen Widerstand aufzugeben, haben wohl auf eine Intervention von außen gewartet — von der Türkei, den USA, von wem auch immer. Sie kam nicht, weil die Erwartung unrealistisch war. Was kam, war ein auch in die letzten Refugien der Stadt hineinkriechender Krieg, der Hunderte das Leben kostete und Hunderttausende in Angst und Elend stürzte. Besonders bitter, weil die meisten der Opfer in diesem Krieg nicht mitgeschossen haben.

Sie starben durch Bomben vom Himmel und Granaten aus dem Hinterhalt. Man kann die russisch-syrischen Luftangriffe auf eine Stadt abscheulich finden. Man kann ebenso die Rebellen verantwortungslos nennen, weil sie eine Bevölkerung, von der niemand sagen kann, ob sie die Ziele der Revolte teilt, als lebendes Schutzschild missbraucht. Das Urteil hängt, so scheint es, weitgehend vom politischen Standpunkt des Betrachters ab. Und, auch dieser fatale Eindruck verstärkt sich, je weiter jemand vom Ort des Geschehens entfernt ist, desto entschiedener sein Schuldspruch. Und die Berliner Politik fällt hier keineswegs mit Bedachtsamkeit auf.

Was jetzt nottut, sind bei Anerkennung des Status quo wirksame Schritte zur militärischen Entflechtung, verbunden mit schneller Hilfe für die Menschen ohne Uniform. So sähe jetzt verantwortliches Handeln aus.

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