Kolumbiens Paramilitärs untergraben den Friedensprozess

Martin Ling über das historische Friedensabkommen zwischen FARC-Guerilla und kolumbianischer Regierung

»Wir haben die schönste aller Schlachten gewonnen, den Frieden in Kolumbien.« Die Aussage des FARC-Guerilla-Sprechers Iván Márquez wird dem historischen Abschluss des Friedensabkommens zwischen FARC und kolumbianischer Regierung gerecht, der Realität noch längst nicht. Der Vertragsunterzeichnung und einem Ja beim Referendum stehen nicht mehr viel entgegen, dem Frieden schon.

Das Abkommen ist der Anfang eines langen beschwerlichen Prozesses, an dessen Ende Frieden stehen kann — aber wer Kolumbien kennt, weiß leider auch: beileibe nicht muss. Die Kräfte um den rechtsextremen Ex-Präsidenten Álvaro Uribe haben ihren Widerstand schon verkündet. Und dieser Widerstand kommt auch aus Gewehrläufen.

Uribe ist der geistige Vater der Paramiliärs, die seit 30 Jahren in Kolumbien ihr Unwesen treiben. Offiziell wurden sie zwar 2006 für aufgelöst erklärt, doch sie sind aktiv wie eh und je, betreiben Landraub im Auftrag von Großgrundbesitzern, ermorden Gewerkschafter und politisch Andersdenkende. Ihre jetzige Kennzeichnung durch die Regierung als »bacrim«, als kriminelle Banden, ist eine fahrlässige Beschwichtigung, die einem Friedensprozess im Wege steht.

Keine Frage: Die Entwaffnung der Guerillas ist wichtig. Die Umgestaltung des Energiesektors sowie eine Agrar- und Gesundheitsreform sind angesichts der krassen Ungleichheit längst überfällig. Aber alles ist nichts, wenn die Paramilitärs nicht in die Bedeutungslosigkeit verwiesen werden.

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