Politikverdruss

Uwe Kalbe über die Entscheidung der Koalition für Steinmeier

Gerade noch rechtzeitig, bevor die Bürger in die vollständige Politikverdrossenheit sinken konnten, einigte sich die Große Koalition nun auf einen gemeinsamen Kandidaten für das Präsidentenamt: Frank-Walter Steinmeier. Eben hatte die LINKE noch vor der vollständigen Politikverdrossenheit der Bürger gewarnt …

Doch harmoniert der Gleichmut, mit dem die Koalition der Bevölkerung eine mehrmonatige Wartefrist zumutete, durchaus mit dem Erregungsgrad, den das Thema für diese haben dürfte. Auch wenn es noch nie so knapp wurde wie dieses Mal — drei Monate bis zur Wahl –, werden sich die Mitglieder der Bundesversammlung bis zum Februar berappelt haben, und die Bürger sowieso. Ihnen sind taktische Erwägungen, wie sie die Kandidatenkür beinahe jedes Mal begleiten, letztendlich egal.

Da verhält es sich mit den Parteien anders. Und das allein ist auch diesmal der Grund aller Aufregung. Die Union zeigte sich pragmatisch großzügig, dem Kandidaten zuzustimmen, den sie selbst nicht vorschlug; die SPD feiert Gabriels Coup und wird es ihm vergelten, wenn es um die Kanzlerkandidatur geht. Der Wechsel an der Spitze des Außenministeriums war fällig — ein deutscher Außenminister, der den Präsidenten der USA irgendwann als Hassprediger bezeichnete, macht sich nicht gut. Ein Anwärter steht mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz dringend bereit, dessen Nachfolger schon vor der Tür steht. Die LINKE nur trifft es hart. Die real existierende SPD und ihr wenig linkskooperativer Chef sind Grund zum Verdruss.

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