Learning Journey: inspiring organisations — Teil 4/10

Work = Life = Summer

Summer&Co — ein Erfahrungsbericht

Die Aufregung ist groß, immerhin waren die vorherigen Organisationen schon super-spannend. Außerdem handelt es sich jetzt um eine Beratungsfirma, die auf Selbstorganisation setzt. Innerlich kribbelig fragen wir uns: Was machen die anders, besser, neues? Was können wir von ihnen lernen?

Summer&Co im Überblick
Summer&CO. Eine Unternehmensberatung, die 2014 in Berlin gegründet wurde. Mit dem Fokus auf Strategie brennen sie für drei Kernthemen: Innovation, Marketing & Vertrieb und Organisationsentwicklung. Diese hervorragende Beratung mit Herz und Verstand wird von 14 Teammitgliedern umgesetzt: in angestellter Form, als Partner/-in oder als enge/r Kooperationspartner/-in. Ihr Antreiber ist für sie eine einfache Formel: Work = Life = Summer. Darunter verstehen die Summers einen Zustand der sich wie der Sommer anfühlt — in dem Stärken und Schwächen, Arbeit und Privatleben, Freude an Zusammenarbeit, Individualität und Lösungen gleichzeitig leben dürfen. Umgesetzt werden diese Prinzipien in einer selbstorganisierten Form — auf die Summer-Weise.

Die ersten Geschenke der SUMMERS an uns, die wir zur Kulturanalyse nutzen

Wir werden von drei Frauen und einem Mann sehr freundlich empfangen (mehr Frauen als Männer — in der Beratungsbranche nicht selbstverständlich). Die Räumlichkeiten sind fein eingerichtet — modern, nützlich und gemütlich. Die Summers sind gut und professionell vorbereitet. Eines ist offensichtlich und zum Greifen: Die gegenseitige Neugier und Freude aufeinander. Was kann da in den nächsten 2 Stunden entstehen?

Jeder macht es sich auf einem anderen Sessel, Sitzsack oder Couch gemütlich und dann geht es los. Wir erzählen wie wir uns vorbereitet haben, schlagen ein fragengeleitetes Gespräch mit anschließenden Open Staff vor. In alter Berater/-innenmanier — natürlich in beide Richtungen! Es fühlt sich vielversprechend an.

Im Laufe des Dialoges fangen wir staunend an zu begreifen in welcher Logik die Summers denken und sich organisieren. Aus der Beobachtung heraus, heben wir folgende Eckpfeiler hervor:

  1. Ein Organisationsboard mitten im Raum. Mit Kreide sind die Kreise, Rollen inklusive Rolleninhaber/-innen und aktuellen Projekte visualisiert. Angelehnt an Holacracy organisieren sie sich in Kreisen die purpose-gerichtet sind.
  2. Definierte Prozesse, die laufend weiterentwickelt werden, legen fest wie Entscheidungen getroffen werden, wann eskaliert wird und wie mit Vetos umgegangen wird.
  3. 1x/Woche synchronisieren sie sich über Projekte, Auslastungen und weiteres.
  4. Als Kommunikationstool im Berater/-innenalltag wird Yammer genutzt.

Diese Leitplanken ermöglichen den Summers Raum um Neues zu entwickeln, entstehen zu lassen und um einen wirklichen Unterschied zu machen. Folgende Elemente beindrucken uns besonders:

  1. Start-Ritual: Die Gründer/-innen von SUMMER sind in ihren Anzügen von der Brücke in den Fluss gesprungen. Um sich vom alten zu entledigen und neue Anzüge zu tragen. Eindrucksvoll zeigt sich das in ihrem Video und spiegelt sich immer wieder in ihrer Haltung!
  2. Beitrag zum Ganzen: Beiträge von Einzelnen, die der Gesamtorganisation dienen (und nicht dem Kundenprojekt), werden finanziell nicht abgegolten. „Brauchen wir nicht!“, ist die Devise: „Wir vertrauen uns doch!“
  3. Glücksgehalt: Gehälter sollen transparent werden. Ein eingeschlagener Weg ist, dass jeder sein Glücksgehalt transparent macht.
  4. Partneranteile: Einmal im Jahr legen alle Partner/-innen 25% ihrer Anteile auf den Tisch, bewerten sich gegenseitig und verschieben so ihre Anteile. Fokus der Anteile liegt auf unternehmerischer Mitgestaltung und Zugänglichkeit für weitere Partner.
  5. Integration von Netzwerkpartner/-innen: Netzwerkpartner/-innen haben bei den Summers einen besonderen Wert. Wer mehr von den Summers will, kann das auch. Im üblichen Entscheidungsprozess werden Motivation, gegenseitiges Committment wie auch evtl. Einwände artikuliert.
  6. SUMMERS mit Kindern: In den Ferien organisieren die Summers eine Woche mit Kindern. Das heißt die Partner/-innen der Summers haben eine Woche frei! Diese Woche dient der Arbeit und den Kindern. Heuer sogar mit dem Flieger in den Süden.
  7. Bilingualität der SUMMERS: Die Kompetenz der Summers, die Sprache der neuen und alten Welt zu sprechen. Bemerkenswert ist ihre Leichtigkeit, wie sie mit traditionellen Vorstellungen von Kunden/-innen und ihrer eigenen Logik umgehen. Wenn es nach Außen Titel braucht, dann ist das halt so. Wenn klassisches Projektmanagement als sinnvoll erscheint, werden agile Methoden hintenangestellt.
  8. Vertrauen im fluiden Umgang mit Selbstorganisation: Es muss nicht alles definiert sein. Die Summers vertrauen darauf, dass sie die richtigen Leute haben, die Interesse an Gestaltung haben. Der Rest kommt von selbst. Was wir noch lernen können? Umgang mit Konflikten und wie wir unseren Tribe Space weiterentwickeln können!

Die Professionalität der Summers wird für uns noch greifbarer als sie uns befragen. Immerhin sind wir ja auch Expert/-innen zum Thema Selbstorganisation. Als Essenz wurde noch einmal deutlich wie wichtig eine gemeinsame Basis und Grundregeln für Selbstorganisation sind und wie herausfordernd es sein kann, wenn diese nicht vorhanden sind. Kernzutaten, die Selbstorganisation aufblühen lassen, sind die richtigen Leute, die sich gegenseitig vertrauen, gemeinsames gestalten und lernen. Alles andere entsteht dann im Gehen und ist flexibel.

Die 2,5 Stunden vergehen wie im Flug. Als wir hinausgehen, erahnen wir welche Schätze wir gerade gehoben haben. Wieder einmal sind wir verblüfft was man in so kurzer Zeit alles Lernen kann! Und schon beschäftigt uns die Frage: „Was kannst DU daraus lernen?“

Autorin

Mag. Barbara Buzanich-Pöltl
Principal der Beratergruppe Neuwaldegg

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