Learning Journey: inspiring organisations — Teil 5/10

Spezialgroßhandel für Bio-Tiefkühlkost

Ökofrost — ein Erfahrungsbericht

Das Willkommen ist ein besonders herzliches — und wir freuen uns, dass sich mit dem Geschäftsführer Florian Gerull und den beiden Unternehmensentwicklern Katharina Gerull und Harald Warschke so spannende Gesprächspartner an diesen Nachmittag für uns Zeit genommen haben.

Bei der Führung durch die Räumlichkeiten fallen uns die ersten kleinen Äußerlichkeiten auf: die liebevolle Blumendekoration in jedem Raum, die individuelle Farbgestaltung in jedem Büro, der für alle nutzbare Ruheraum, der Tisch zur gemeinsamen Produkt-Verkostung, die hochwertigen Bio-Möbel, …

Die Hard Facts — und worum es “eigentlich” geht …
Ökofrost ist ein Spezial-Großhandelsunternehmen für Bio-Tiefkühlkost und beliefert Bio-Groß-und Einzelhandel, vorrangig in Deutschland. 25 Mitarbeiter/-innen sind in Assistenz, Unternehmensentwicklung, IT, QS, Finanzen, Einkauf, Vertrieb, Marketing und in der Produktentwicklung von eigenen Marken tätig; Verpackung- und Logistik- Dienstleistungen werden zugekauft. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet, ist zu 51% im Eigentum des Geschäftsführers (49% hält die SinnBIOse Netzwerk GmbH) und machte 2015 einen Umsatz von EUR 12,4 Mio, bei einem Gewinn von EUR 200.000,.

… und das Besondere — das den Erfolg dieser Organisation möglich macht

Der Purpose: Gesunde Entwicklung …
2012 wurden mit allen Mitarbeiter/-innen gemeinsam das Ökofrost-Leitbild und die Ökofrost-Unternehmenswerte entwickelt, die seither Orientierung für das tägliche Handeln und alle Entscheidungen geben. “Gesunde Entwicklung durch echte LEBENS-MITTEL” ist der Purpose der diesem Unternehmen zugrunde liegt.

… und die Messung der Fortschritte: Die Gemeinwohlökonomie-Bilanz:
Bei der Suche nach einem Messinstrument — um ein Gefühl zu bekommen, wo Ökofrost in Bezug auf das entwickelte Leitbild und die Unternehmenswerte steht — wurde entdeckt, dass sich ein Großteil der Werte von Ökofrost mit den Werten der Gemeinwohlökonomie deckt (Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, demokratische Mitbestimmung und Transparenz). Ökofrost hat sich bereits 2 x nach der Gemeinwohlökonomie bilanzieren und auditieren lassen: 2012/13 und 2015/16. Die Gemeinwohl-Bilanz ist offen zugänglich und von der Website herunterladbar.

Das “operational system”:
Ökofrost hat für sich entschieden Holacracy als Steuerungs-Modus zu verwenden, ohne sich dazu langfristig zu verpflichten oder zu binden. Die Organisation ist in Kreisen und Rollen strukturiert:

Auch das Gehaltssystem wurde von allen gemeinsam entwickelt und wird jedes Jahr überprüft. Es setzt sich aus den Komponenten Basis-Gehalt, Betriebszugehörigkeit, Ausbildung, Erfahrung und Verantwortung zusammen.

Erst vor Kurzem hat Florian die Vision der “SinnBIOse” umgesetzt — die Erweiterung der Organisation um eine darüberliegende Struktur, die das Zusammenspiel und das holakratische Zusammenarbeiten von verschiedenen Organisationen und Organisationsteilen ermöglichen soll.

Die Weiterentwicklung der Rollen und Mitarbeiter:
Für die Unterstützung der 25 Mitarbeiter/-innen in ihren Rollen gibt es 2(!) “hauptberufliche” Unternehmensentwickler, die bei der Energetisierung der Rollen, bei der Schärfung der Wahrnehmung von möglichen Spannungen und bei der Entwicklung und Erarbeitung von Lösungsvorschlägen als Coaches hilfreich zur Seite stehen.

Da der Purpose nicht für alle Mitarbeiter/-innen in gleicher Weise mit Zugkraft und Klarheit “aufgeladen ist”, sorgen Florian und die Unternehmensentwickler dafür, dass die “Gesunde Entwicklung” und die Unternehmenswerte kongruent in Abteilungs-Ziele und Handlungsanweisungen “übersetzt” werden, um alle mitzunehmen.

Nicht alle sind auf dem Weg in die integrale Organisation gleich weit. Kein Problem für Florian, Katharina und Harald: “Die Blume ist nicht mehr wert als die Knospe.” sagen sie, und freuen sich, über jede beobachtbare Entwicklung.

Florian und Katharina, die sich viele Gedanken zu Spiral Dynamics machen, Artikel schreiben und als Sprecher/-innen an Podiumsdiskussionen teilnehmen, bieten allen Interessierten (Mitarbeiter/-innen und Externen) auch interne Kurse und Weiterentwicklungsmöglichkeiten an.

Unsere Erkenntnisse — Was uns beeindruckt hat

  • Der Fokus auf die Ressourcen und die Weiterentwicklung anstatt auf “Was uns noch alles fehlt, bis wir so sind, wie wir sein sollten” und die liebevolle Haltung der Personen. “Die Blume ist nicht mehr wert als die Knospe.”
  • Der Fokus auf die Unterstützung im Leben der Rollen und in der Prozessierung von Spannungen und Proposals. 2 Personen für eine Organisation mit 25 Personen scheint ein hohes und gleichzeitig sehr lohnendes Investment.
  • Der Mut, die Klarheit und die Gelassenheit — die im Gespräch die ganze Zeit erlebbar war.

Autoren

Mag. Monika Dickinger-Steiner
Partner der Beratergruppe Neuwaldegg

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