Learning Journey: inspiring organisations — Teil 6/10

„The Power of Connecting“

Ein Treffen mit dem Inhaber von Beyond Leadership, Patrick D. Cowden

Verabredet sind wir mit Patrick Cowden im Rainmaking Loft/Berlin. Patrick ist Amerikaner der mit 19 Jahren nach Deutschland ausgewandert ist und seitdem mit seiner Arbeit die ganze Welt bereist. Er war selbst fast 30 Jahre sehr erfolgreich in Führungspositionen in unterschiedlichen Unternehmen tätig. 2008 gründete er Beyond Leadership, ein Beratungsunternehmen (www.beyond-leadership.de) mit dem Ziel, Unternehmen eine nachhaltige Entwicklung zu einer „Highly Activated Organisation“ zu ermöglichen. Dafür braucht es aus Patricks Sicht einen fundamentalen Wandel, denn weder Technologien, Strukturen, Prozesse noch der einzelne Mitarbeiter, sondern die menschlichen Interaktionen sind aus seiner Sicht die eigentliche Quelle der Exzellenz jeder Organisation. Er sieht Respekt, Vertrauen und Wertschätzung als Schlüssel dafür.

Worum geht es Patrick?
Patrick ist zutiefst davon überzeugt, dass der Schlüssel zum Erfolg von Organisationen vorrangig in der Verbindungsqualität der Menschen liegt. Er nennt das „The Power of Connecting“ und fokussiert daher vor allem auf diesen Aspekt, wenn er Organisationen berät. Für ihn bedeutet das ganz klar: „Connection first!“ (connect). Erst dann kann eine Ausrichtung auf die gemeinsamen Ziele und Aufgaben (align) sowie die individuelle Leistungsbereitschaft (commit) stattfinden. Darauf aufbauend kann gehandelt (act) und anschließend reflektiert (reflect) werden.
Patrick bezieht sich auf den Golden Circle von Simon Sinek der ja postuliert: „It all starts with the WHY!“ und meint „For me it does not start with the WHY, it starts with the WHO.“

Die 6 Minuten Methode

Wie die Wirkung von Verbindung in kürzester Zeit erfahrbar gemacht werden kann, dürfen wir am eigenen Leib erleben. Wir setzen uns in zwei 3er Gruppen und bekommen folgenden Auftrag von Patrick:

“Ich werde euch gleich eine Frage stellen. Eine Person in der Gruppe hat dann 1 Minute Zeit diese Frage zu beantworten. Die beiden Zuhörer/-innen schenken dieser Person ihre ganze Aufmerksamkeit. Im Anschluss daran hat jede/-r Zuhörer/-in 30 Sekunden Zeit, um dem Redner wertschätzendes Feedback zu geben. Sobald das Feedback abschlossen ist, gibt es einen Wechsel und der/die nächste beantwortet die Frage, die anderen hören zu, etc.“

Wir haben den Auftrag verstanden und sind bereit für die Frage:

  • „Wer bin ich? Warum bin ich hier?“

Die Zeit wird mitgestoppt und ist gefühlt natürlich viel zu knapp, um ausführlich zu antworten. Aber sie reicht vollkommen aus, um in kürzester Zeit auf eine ganz andere Ebene des Miteinanders zu gelangen.

In einer zweiten Runde geht es mit folgenden Fragen weiter:

  • „Wer sind wir? Warum sind wir hier?“
  • „Wie toll könnten wir als Team sein?“
  • „Was wäre ein erster wichtiger Schritt dafür?“

Was wir aus der Begegnung mit Patrick mitnehmen

In der anschließenden Reflexion ist spürbar, dass das Erlebte die Qualität unseres Miteinanders als Team verändert hat. Wir waren bereits 1,5 Tage gemeinsam auf dieser Learning Journey unterwegs bevor wir auf Patrick trafen, aber durch seine Arbeit sind wir auf einmal anders miteinander und zueinander als vorher. Wir haben uns einander in den Übungen gezeigt. Sehr offen und persönlich. Das verändert etwas.

Am Weg ins Hotel sprechen und lachen wir über berufliche Kindheitsträume. Ein Thema, das wir so noch nie untereinander geteilt hatten.

In der Nachbesprechung sind wir uns einig, dass uns die Bedeutung von Verbindung in unserer Arbeit mit Gruppen nicht neu und sehr bewusst ist. Am Beginn von Gruppenprozessen achten wir immer auf Soziales vor Inhaltlichem und nehmen uns Zeit für persönliches in Kontakt kommen. So machen wir z.B. auch bei jedem unserer eigenen Meetings einen Check-in, in dem jeder kurz erzählen kann was ihn/sie persönlich gerade beschäftigt, was er/sie gerade loslassen möchte, um ganz im Meeting anwesend sein zu können.

Was für uns dennoch neu ist, ist die Bedeutung die Patrick diesem Thema gibt, mit seiner Aussage: „Nur wenn die Verbindungsqualität sehr gut ist, kann Kommunikation überhaupt ankommen.“ Es kommt also nicht nur auf die Verbindung, sondern vor allem auf die Qualität derer an, die sich durch die volle Zugewandtheit, Offenheit, Ehrlichkeit und die Verletzlichkeit die man im Miteinander teilen kann ausdrückt.

Denkanstoß

Fragen die uns nach dem Treffen mit Patrick beschäftigen und mit denen wir auch Sie gerne zur Reflexion anregen wollen:

  • Wie würden Sie die Qualität Ihrer Verbindungen zu Ihren Teammitgliedern beschreiben? Wie zugewandt, offen, ehrlich und verletzlich können Sie sich zeigen?
  • Wie viel Bedeutung und Raum geben Sie dem Stärken von Verbindungen in Ihrem Team?
  • Welche Rituale können Sie untereinander etablieren, um die Qualität der Verbindungen zu verbessern bzw. zu stärken?

Autor

Mag. Anna Jantscher, MHR
Principal der Beratergruppe Neuwaldegg

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