Inside vs. Outside View: Was wir von McKinsey und Co. lernen können

Ein Bekannter erzählt dir voller Stolz, dass er sein Maschinenbaustudium hingeschmissen hat, um voll mit seinem Startup durchzustarten.

Das erste was dir rausrutscht ist:

“Das nenne ich mal risikofreudig! Immerhin überleben nicht einmal 10% der Neugründungen die ersten 2 Jahre.”

Mit einem kritischen Blick erwidert er:

“Bist du nicht selbst gerade dabei ein Startup zu gründen
und hast letzte Woche noch deinem Onkel versichert, dass seine 12.000€ Ersparnisse bei dir sicher angelegt sind?

Was ist der Unterschied zwischen deinem Projekt und dem deines Bekannten?

Eigentlich nur, dass das eine nicht dein eigenes ist.

Das heißt obwohl du die Risiken genau kennst und bei anderen perfekt abschätzen kannst (Outside View), ignorierst du diese Informationen bei deinem eigenen Projekt vollkommen (Inside View).

Jetzt einmal von unserem Gedankenspielchen zurück zur Realität.

Falls du noch nicht überzeugt bist:
Hier der Link zur McKinsey Homepage zu einem Ausschnitt aus dem Buch “Thinking Fast and Slow” des Nobelpreisträgers Daniel Kahneman,
in welchem er ein Fallbeispiel aus seiner eigenen Karriere schildert, indem er auf das Problem Inside vs. Outside View stieß.

Ich bin eigentlich ein Fan von handfesten Tools und Taktiken, um nicht in die typischen Entscheidungsfallen zu tappen, aber hier müssen wir etwas esoterischer werden, um effektiv zu sein.

Das erste was jeder von uns machen kann ist, dass wir uns vor jedem neuen Projekt vorstellen, wir wären BCG Consultants und hätten den Auftrag,
die allgemeinen Risiken und Erfolgswahrscheinlichkeiten in einer Risiken- und Machbarkeitsanalyse zu durchleuchten.

So zwingen wir uns dazu den nüchternen und rationalen Outside View zu nutzen.

Und jetzt zu dem wirklich esoterischem Part der Geschichte:

Staatsfeind Nummer 1 in der Entscheidungsfindung ist unser eigenes Ego.

Wir denken oft, dass wir mehr Talent, Wissen, Expertise, etc. haben als andere, die an ähnlichen Unternehmungen arbeiten.
Als Resultat schätzen wir unsere Risiken und Fehlerquoten wesentlich geringer ein als ihre und verfallen dem realitätsverzerrenden Inside View.

Die Einsicht, dass wir weder intelligenter, noch in sonstiger Hinsicht besser als Andere sind, ist eine bittere Pille, die unser Ego nicht schlucken möchte.

Wenn wir das aber akzeptieren , notfalls auch nur zeitweise, werden wir unsere Situation wesentlich nüchterner betrachten können und weniger Fehler begehen.

Der beste Einstieg in das Thema ist wahrscheinlich das Buch Ego is the Enemy von Ryan Holiday.


“If we define risk as ‘the likelihood of an irreversible negative outcome’ inaction is the greatest risk of all” — Tim Ferriss

Was meine persönliche Meinung anbelangt:
Es geht nicht darum, dass man nie etwas wagt nur weil es risikoreich ist. 
Es geht darum, dass man sich im vorhinein bewusst macht welches Risiko man auf sich nimmt.


Quellen:

Daniel Kahneman — Thinking Fast and Slow