Der Kampf gegen Klischees beim Autofahren

Ich sitze heute zum ersten Mal in einem Auto. Also eigentlich sitze ich in einem kleinen Raum mit schummrigem Licht in der hintersten Ecke meiner Fahrschule an einem Simulator. Aber das ist ja fast das gleiche. Meine ersten Versuche mit dem “Wagen” lassen wider Erwarten doch noch zu wünschen übrig. Trotz meines enorm ausgeprägten Interesses an Autos (hust) kann ich den virtuellen Fahrlehrer noch nicht so ganz von meinen Fähigkeiten überzeugen. Sagen wir mal einfach ich will sexistische Klischees bekämpfen und zeigen, dass auch Männer schlecht im Autofahren sein können. Als Erika, die liebenswürdige Sekretärin der Fahrschule, vermutlich aufgrund meiner immer lauter werdenden und irgendwann nicht mehr zu überhörenden Seufzer zu mir stößt, erhalte ich nicht nur von dem Computer sondern auch von einer tatsächlich existierenden Person völlig einleuchtende Anweisungen, bei denen bloß die Umsetzung noch hinkt. Das ist dann auch der Moment, in dem meine Motivation den Führerschein innerhalb eines Monats zu bekommen - um ihn noch vor meinem Umzug zu haben- doch merklich nach unten geht.

Aber weil es ja doch nichts nützt kehre ich, nachdem ich die Lektion am Simulator mehr oder weniger erfolgreich beendet habe, nach einer halbstündigen Pause wieder in meine Fahrschule zurück um mich einer dreistündigen theoretischen Sitzung zu widmen. Trotz erfrischender 33°C weiß ich das ruhige Dasitzen ohne tatsächlich etwas leisten zu müssen durchaus zu schätzen. Sich von einem Mann in Crocs und Schalke-Trikot etwas über Vorfahrtsregeln und Lichtzeichenanlagen erzählen zu lassen hat eben auch irgendwie etwas beruhigendes. Erschreckend finde ich bloß immer wieder wie wenig meine Mitstreiter, die seit Jahren den Autoführerschein besitzen und sich jetzt ins Abenteuer “Zweirad” stürzen wollen, über Verkehrsregeln wissen. Aber gut, es kann natürlich nicht jeder so einer guter Autofahrer sein wie ich - zumindest in der Theorie.


Nils Schniederjann