Solche Tage

Heute ist der erste Tag, an dem ich mich nicht darauf freue etwas schreiben zu müssen. Bisher war es immer schön abends mit dem Laptop auf dem Schoß im Bett zu sitzen, im Hintergrund Musik laufen zu lassen und einfach drauf los schreiben zu können. Heute ist anders, heute habe ich keine Lust. Ich bin seit sieben Uhr auf den Beinen, seit acht Uhr aus dem Haus. Es ist zweiundzwanzig Uhr und ich drehe endlich den Schlüssel im Schloss meines Zuhauses um. Dazwischen lagen etwa zwölf anstrengende und zwei schöne Stunden. Sieben Stunden auf der Arbeit, fünf in der Fahrschule, zwei für Engagement in der Kirche. Eigentlich reicht es mir dann auch für heute. Es war mein erster Arbeitstag in dem Job, den ich bis zu meinem Umzug haben werde. Und es war…hektisch. Stressig. Schön. Eigentlich mag ich solche Tage. Ich habe tausend mal lieber einen aufgeregten, überfordernden Tag, als einen an dem ich nichts tue. Wenigstens weiß ich nach einem solchen Tag, dass ich etwas geschafft habe; meine letzte Theoriestunde für den Führerschein zum Beispiel. Nichts geht über das Gefühl nach solchen Stunden einfach nur in sein Bett zu fallen. Und im Gegensatz zu dem Gefühl dass man nach einem Schultag hatte, dieses immerzu müde Gefühl, das nicht weggeht, egal wie viel man schläft, ist die Müdigkeit, die einen dann überkommt, eine angenehme. Aber sich dann nochmal den Laptop auf den Schoß hieven zu müssen, die immer gleiche Musik hören zu müssen und dann noch einen solchen Text schreiben zu müssen, steht zwischen uns. Zwischen mir und dieser Müdigkeit, der ich mich einfach nur ergeben möchte. Wenn auch nur für ein paar Stunden.


Nils Schniederjann;