Das Gewinnspiel, das niemals stattfand

Dem österreichische Youtuber KSFreak droht ein Strafverfahren wegen irreführender Geschäftspraktiken.

Man kann es als Trend auf Youtube bezeichnen: Das Veranstalten von Gewinnspielen. Seit das Videoportal im Vorjahr seine Richtlinien verändert hat, ist das Durchführen von Preisausschreiben für Webvideoproduzenten lukrativ geworden. Denn bis dahin verbot Youtube es, Preisverlosungen mit Seitenfunktionen zu verbinden — das Abonnieren eines Kanals oder Liken eines bestimmten Videos durfte also nicht Voraussetzung für die Teilnahme an einem Gewinnspiel sein. Das ist nun nicht mehr der Fall. Warum man den Passus gestrichen hat, weigert sich Youtube seit Monaten zu kommentieren (vielleicht weiß man es schlicht selbst nicht).

Für Youtuber ist es verlockend, genau so etwas zur Teilnahmebedingung zu machen: Durch Gewinnversprechungen können sie innerhalb kurzer Zeit bei Likes sowie Abonnenten zuzulegen. Videos mit vielen Likes werden positiv von Youtubes Algorithmus bewertet und tauchen eher auf der Startseite sowie als Empfehlungen auf. Und hat man erst einmal mehr Abonnenten als vorher, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch die Zugriffszahlen auf einzelne Videos steigen, da sie mehr Personen direkt in ihrem Abo-Feed angezeigt werden. Und Zugriffe sind alles: Ausschließlich auf Klicks und Views basiert die Höhe der Werbeeinnahmen.

Besonders praktisch für den Youtuber ist es natürlich, wenn das Video selbst, in dem die Gewinnspielankündigung erfolgt, viele Likes und Kommentare erhält. Macht man die Teilnahme am Gewinnspiel genau davon davon abhängig, ist das fast garantiert. Und dann steigen die Chancen, vom Algorithmus an verschiedensten Stellen auf Youtube angezeigt zu werden, massiv. Personen, die sonst niemals auf die Videos dieses Youtubers stoßen würden, sehen nun also das Gewinnspiel-Ankündigungsvideo und klicken darauf. Wenn sie nun auch teilnehmen und liken sowie kommentieren, steigt die mögliche Reichweite erneut.

Doch die Veranstaltung eines Preisausschreibens kann ganz schön aufwendig sein. Und so stellte der bekannte österreichische Youtuber KSFreak Anfang des Jahres in einem Video fest: “Die Gewinnspielauflösung kommt noch, nur ich hab jetzt grad keine Lust.” Eine Aussage, die ihm nun zum Problem werden könnte. Denn Monate später gibt es noch immer keine öffentliche Auflösung seines Gewinnspieles, die versprochenen Preise wurden offenbar nie ausgespielt und verschickt, wie der WDR recherchierte. Und der noch eine Reihe weiterer Verstöße gegen deutsche Vorschriften aufzeigte.

In Österreich Gesetze verletzt?

Doch Marcel Dähne, wie KSFreak eigentlich heißt, lebt und produziert seine Videos in Österreich. Hier sind die Vorschriften anders —mitunter aber nicht weniger erfreulich für den 24jährigen. Auf Anfrage des WDR stellte die KommAustria fest: “Das Anbieten von Wettbewerben und Preisausschreiben, ohne dass die beschriebenen Preise oder ein angemessenes Äquivalent vergeben werden, gilt nach dem Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb unter allen Umständen als irreführende Geschäftspraktik.”

Und das ist noch nicht alles. Dähne hat nämlich keinerlei Teilnahmebedingungen zu seinem Gewinnspiel öffentlich zugänglich gemacht. Dazu sagt das E-Commerce-Gesetz: “ Ein Diensteanbieter hat dafür zu sorgen, dass eine kommerzielle Kommunikation (..) klar und eindeutig (..) Preisausschreiben und Gewinnspiele als solche erkennen lässt und einen einfachen Zugang zu den Teilnahmebedingungen enthält.” Da der Youtuber durch Werbeeinahmen selbstständig Geld verdient, kann man davon ausgehen, dass es sich um kommerzielle Kommunikation handelt — oder aber auch den Passus auf das den Kanal vermarktende Unternehmen, das Netzwerk Studio71 beziehen.

Das Netzwerk gab gegenüber dem WDR das Statement ab, den Vorfall derzeit intensiv zu prüfen. Unter Vertrag stehende Schaffende würden zwar in hauseigenen Schulungen “sensibilisiert”, seien aber für die redaktionellen Inhalte selbst und alleine verantwortlich. Dähne müsste also bei einem etwaigen zivilrechtlichen oder strafrechtlichen Verfahren selbst geradestehen.


Um einen Einzelfall handelt es sich wohl kaum. Bereits vor Jahren wurde gemunkelt, der Youtuber Simon Desue (3,3 Mio Abonnenten) hätte versprochene Preise vor laufender Kamera an Gewinner übergeben, diese hätten sie jedoch nach beendetem Dreh wieder zurückgeben müssen.

Like what you read? Give Nikolaus Trimmel a round of applause.

From a quick cheer to a standing ovation, clap to show how much you enjoyed this story.