Frag @noemata: Bist Du Charlie?

Absolut. Satire darf alles, sie muss sogar alles, sonst ist sie keine Satire, sondern harmlose Comedy, über die jeder mal kurz lachen kann, die aber sonst keinerlei Effekt hat. Jeder, der sagt: “Es gibt aber auch Grenzen bei Satire!!”, der sagt eigentlich “Ich bin für Kunstfreiheit, ABER…”.

Kunst und Satire muss man gerade und vor allem an den Stellen verteidigen, an denen sie an die eigenen Grenzen gehen, an denen sie Themen berühren, die einen selbst betreffen.

Ich kann leicht vorheucheln, dass ich ein großer Verfechter der Freiheit von Kunst und Satire bin, dass sich Muslime doch mal bitteschön nicht so aufregen sollten über Mohammed-Karikaturen, nichts ist einfacher als das, denn es betrifft mich überhaupt nicht, Religion bzw. der Islam sind kein wichtiger Teil meiner Person.

Wirklich beweisen, dass ich für Kunstfreiheit einstehe, kann ich erst, wenn sich die Karikaturen über Themen und Werte lustig machen, die mir am Herzen liegen, wenn ich mit ihrer Aussage nicht konform gehen kann, wenn sie mich vielleicht sogar empören und ich sie trotzdem verteidige.

Man kann nicht manchmal Charlie sein, man muss es immer sein oder gar nicht.*

* Wenn Du Dich dafür entscheidest, dass Du es nicht bist, dann Glückwunsch: Du wirst sehr viel Lebenszeit damit verschwenden, Dich über Dinge zu empören, sie zu verbieten, zensieren, blocken und löschen zu wollen. Das hört auch nicht mehr auf. Wenn man einmal damit anfängt, dann findet man nach und nach immer mehr, das ganz schlimm ist, das weg muss und man regt sich jeden Tag darüber auf. Und so ist Twitter entstanden (lol).