Flucht und Vorfreude
Jetzt nach der Reise und mit einigem Abstand fällt es mir schwer, mich an die Kette der Ereignisse zu erinnern, die mich letztendlich nach Skandinavien brachte. Es war aber auf jeden Fall eine Flucht, eine Flucht vor einem Projektkurs, der mich mit seinen wechselnden Ansprüchen Stück für Stück in den Wahnsinn trieb. Mein Leben lief mir davon, warum ich meine Projekte verfolgte, war mir nicht wirklich mehr klar. Ich war entrückt und im dichten Nebel verloren.
Etwa ein halbes Jahr zuvor erzählte mir Falk zum ersten Mal von seinen radikalen Reiseplänen. Mitten im Semester wollte er sich von seinem Bulli einmal um die Ostsee tragen lassen. Später sollte es „nur“ noch bis zum Nordkap gehen.

Zentrum seiner Pläne war aber immer eine Reise ins Ich, Ruhe zu finden und aus den Zwängen der Gesellschaft zu entfliehen.
Ich war begeistert, lehnte aber sein Angebot ab, mitfahren zu dürfen. Das hätte den Verlust eines Semesters bedeutet, zumal Falks Planung bis zu dem Zeitpunkt sehr wage war und ich mir gar nicht sicher sein konnte, tatsächlich mitfahren zu können. Ich wählte also meine Kurse am Anfang des Semesters und stürzte mich mit Begeisterung in ein Projekt, einen Kurs, der meine Begeisterung schluckte wie ein gähnendes Loch, und das mehrmals.
Kurz vor seiner Abfahrt sagte ich Falk darum spontan zu. Ich würde ihn begleiten, zumindest einen Monat lang und dann zurücktrampen, um in der Prüfungsphase wieder in Münster zu sein. Ich wollte einfach raus, Freiheit schmecken und natürlich vor Arbeit flüchten, deren Sinn ich längst aus den Augen verloren hatte. Die Dozenten gaben grünes Licht, mein Konto war einigermaßen voll und weg war ich, welch ein wunderbares und unwirkliches Gefühl…

Dass ich diesen Text überhaupt schreibe und Teil des Nørdlichtprojektes bin, war eine weitere spontane Entscheidung und eine Gute. So ist aus der Auszeit oder dem Urlaub eine Reise geworden. Ich habe mich in Zeit und Raum bewegt und bin verändert zurückgekommen. Es war eine Reise zum Ich, mit dem Erfolg, das Ich gefunden und mit nach Hause zurückgetragen zu haben. Ich sehe die Welt nun anders als vor der Abfahrt.
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