Vom strategischen Schattenspiel zur wertvollen Kooperation

Über das notwendige Offenlegen von Motiven jenseits der Masken öffentlicher Inszenierung.

Da ist wieder eine. Und eigentlich muss ich gestehen, dass ich mich inzwischen sogar schon ein wenig auf sie freue: Diffuse Kooperationsanfragen.

Denn: Die Grenzen der Absurditäten verschieben sich immer wieder. Der euphorischen Einleitung folgt meist der Versuch, persönliche Nähe aufzubauen, gefolgt von einem Standardtext, der das Projekt beschreibt. Nach vielen aufgeblasenen Zeilen kommt dann — manchmal — die Bitte um Unterstützung, die natürlich als Win-win-Situation aufs Podest gehoben wird, ohne den Nutzen tatsächlich konkret formulieren zu können. Oft bleibe ich ratlos zurück und frage mich, wann wir verlernt haben, um Unterstützung zu bitten und dabei auszudrücken, was man dafür bereit ist, als Gegenleistung zu bieten. Das kann auch nichts sein, dann ist es auch klar.

Vielleicht ist es die Angst vor Schwäche in einer Zeit, in der uns die sozialen Medien mit ihren „Likes“ dazu konditioniert haben, immer zu gewinnen. Ich nenne es gern die „Marijke-Amado“-Epoche, benannt nach der charmanten Moderatorin der Mini-Playback-Show, die am Ende mit allen jungen Stars im Konfetti-Regen auf der Bühne stand und ein Lied sang, dessen Refrain „Alle waren Sieger, auch wenn einer nur gewinnen kann“ die weinenden Kinder (oder deren Eltern) zu beruhigen versuchte, während in der Mitte ein Kind mit einem riesigen Pokal abfeierte. Pädagogisch wertvoll.

Doch abgesehen vom Unterhaltungswert der spammigen Kooperationsanfragen lohnt es, über das Thema nachzudenken. Gerade in einer Zeit des Wandels, wo neue Allianzen und Partnerschaften der Schlüssel für Zukunftsfähigkeit sind. Auch wenn „Cross Innovation“ nach einem neuen Bullshit-Wort für Podiumsdiskussionen klingt, ist die branchen- bzw. kompetenzübergreifende Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Realisierung von neuen Produkten eine logische Konsequenz der immer stärkeren (digitalen) Vernetzung. Aber auch in der Zivilgesellschaft, bei kulturellen und sozialen Projekten sind Partnerschaften im Kontext von sinkenden Sponsoring-Budgets unverzichtbar. Immer mehr.

Auf der Suche nach erfolgreichen Kooperationen kommt man auf viele Faktoren, über die man viele Seiten schreiben könnte: Vertrauen, Respekt, Ehrlichkeit, Messbarkeit und viele mehr. Für mich beginnt es aber noch früher: beim Offenlegen der Motive. Das scheint kulturell nicht akzeptiert, deswegen eiern viele mit Pseudoargumenten herum, die kaschieren sollen, dass man persönlich etwas von der Kooperation hätte: Zugang zu Investoren, mediale Reichweite für gesteigerte Umsätze, technologischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, Kostenersparnis in der Entwicklung, schnelleren Markteintritt, Aufwertung der gesellschaftlichen Relevanz …

Natürlich, durch das Offenlegen der Motive wird man auch angreifbar. Man wird aber auch besser verstanden und öffnet den Weg für fruchtbare Kooperationen. Denn: Es wird konkret, was man wirklich will, und das Gegenüber kann entscheiden, ob man diese Motive unterstützen kann oder will — und was man dafür haben möchte.

Es mag sein, dass das für manche nicht möglich sein wird, die Masken der öffentlichen Inszenierung abzulegen. Aus strategischen oder persönlichen Gründen. Doch wer aus diesem Schattenspiel aussteigen kann, wird die Tür zu fruchtbaren Kooperationen öffnen — und damit den Weg in die Zukunft.

Stopp. Das ist jetzt doch zu pathetisch für den Schluss. Sagen wir es anders: Wer sich auf Augenhöhe begegnet, respektvoll kommuniziert und verhandelt, steigert das Potential für wertvolle Partnerschaften — und das stärkt die eigene Resilienz.

Das geht was.

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