Wenn Rituale zu Routinen werden
Frank Hamm
31

Hm, aus meinem Studium schleppe ich noch eine eher anthropologische Definition bzw. Sichtweise von Ritual herum.
Alles,w as du beschreibst, würde ch als Routine7Gewohnheit klassifizieren, und dei sind ziemlich wichtig. auch wennman manceh Routinen jahreszietlich z.B. anpassen muss (wann wird welcher Raum geheizt, offen gelassen, wann muss ich beim Lüften an das Ab- und Anstellen der Heizung denken etc.)

Also zu Ritualen. Rituale, habe ich gelernt, sind, sagen wir “Reaktionsformen” auf AUSSERordentliche ereignisse im leben: Geburt, Tod, Heirat, Verlobung etc. Sie helfen das zu strukturieren, was man nicht “erlernen” oder in Gewohnheiten verfestigen kann. Joyce hat einmal kommentierend zum Ulysses gesagt (und damit verteidigt, dass er Alltag literaristiert hat), dass man über einen menschen mehr lernen kann, wenn man beobachtet, wie er die Schuhe bindet als wenn man ihn beobachtet, wie er in der Krieg zieht. In der Religion ist es ähnlich: an sich kann man beten, wie man gerade lustig ist. das “formalisierte Gebet” ist aber etwas, das uns auch dann noch möglich ist, wenn wir komplett aus der Bahn geworfen ist. (Unsere Religionlehrerein, eien Nonne, erklärte uns das eben einmal anhand einer Frau, die wohl Alkoholikerin war oder sind kognitiv massiv eingeschränkt, die aber eben noch Gebetsbruchstücke wusste und sie (die Nonne) bat, mit ihr zu beten, woran sie sich erinnerte.)

Man könnte also sagen: Rituale sind “gesellschaftlich gewordene” Gewohnheiten, die außerordentliche Lebensereignisse strukturieren und uns Halt geben.
Routinen natürlich sollte man immer mal ‘duchdenken’, bevor sie zu Automatismen werden.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.