Vorbeiberechtigt

Heute ist es so weit. Wir müssen reden, liebe Frau. Über Dich. Heute ist Frauentag und da geht es um Dich. Nur um Dich. Es geht nicht darum, was ich gemacht habe. Oder was andere Männer irgendwo oder irgendwann gemacht haben. Es geht darum, was Du willst und was Du tust. Das passt nämlich nicht zusammen.

Jahrelang hast Du mir erklärt, dass Du Gleichberechtigung willst. Und was tust Du? Wenn das erste Kind kommt, bleibst Du gleich zu Hause und lässt Dich aushalten. Haben wir Dir dafür ein Studium finanziert? Braucht man einen Universitätsabschluss, um ein einzelnes Kind zu betreuen? Wie macht das dann eine Kindergärtnerin, die zehn Kinder auf einmal betreuen kann, ganz ohne akademische Ausbildung?

Ok, Du glaubst, dass Kindererziehung so eine wichtige Aufgabe ist und dass sie viel zu wenig gewürdigt wird. Du willst doch angeblich die traditionellen Geschlechterrollen aufheben. Ich mache Dir einen Vorschlag: Tauschen wir einfach. Du gehst arbeiten, ich bleibe 3 Jahre lang beim Kind. Dann kann ich besser auf meine Work-Life-Balance achten und Du kannst zeigen, dass Frauen Spitzenpositionen erreichen können. Wenn wir uns trennen, bleibt dann das Kind natürlich bei mir und Du zahlst mir Unterhalt.

Das willst Du also auch nicht. Jetzt willst Du die Rollenumkehr plötzlich nicht mehr? Jetzt bist Du das arme Opfer und rufst nach dem Gewaltschutz? Also was jetzt: Sind Frauen genauso stark wie Männer oder sind sie von Natur aus arme Opfer? Ach, jetzt willst Du nicht mehr über die menschliche Natur reden? Das war doch immer das Argument: Frauen sind von Natur aus gleich wie Männer. War das eine Tatsachenfeststellung oder ein Wunsch an das Christkind. Wenn es eine Tatsache ist, wo bleibt dann die Wehrpflicht für Frauen?

Nein, bitte wiederhole diese Stehsätze nicht mehr. Ich kenne sie schon auswendig. “Frauen werden erst dann gleichen Pflichten zustimmen, wenn sie alles erreicht haben, was sie wollen.” Du willst also erst dann den gleichen Beitrag leisten, wenn Du keinen Grund zum meckern mehr findest? Also nie. Wir beide wissen, dass Du immer einen Grund zum meckern finden wirst. Wir können nicht darauf warten, bis Du mit allem zufrieden bist. So wird das nie etwas werden mit der Gleichberechtigung.

Ja, genau. Lassen wir es einfach. Gib es zu: Du hast das alles ohnehin nie ernst gemeint. Du glaubst ja selber nicht, dass Frauen und Männer von Natur aus gleich sind. Du willst gar keine Gleichberechtigung. Du willst nicht gleich sein, Du willst etwas besonderes sein. Weil Du eine Frau bist. Du willst auch keine Gleichstellung, was immer das jetzt wirklich sein soll. Du hast uns Männern jahrelang einen Spiegel vorgehalten. Du hast uns männliche Werte an den Kopf geworfen, damit wir auf Deine Meckerei eingehen. Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, das sind Werte, die Männer ernst nehmen. Deswegen packst Du Deine Meckerei in diese Werte ein. Obwohl sie Dir im Grunde egal sind.

Woher ich das weiß? Ich sehe mir einfach in Ruhe an, was Du tust. Wenn Du die Wahl hast, entscheidest Du Dich nicht für Freiheit, Gleichheit oder Gerechtigkeit. Du entscheidest Dich für Sicherheit, Privilegien und den Obrigkeitsstaat. Wir können das gerne einmal mit den Beispielen der letzten Jahre durchgehen, aber so viel Zeit haben wir heute nicht. Ausserdem weisst Du genau, dass es stimmt. Wann hast Du Dich für Freiheit eingesetzt, wenn die Freiheit einem Mann nützen würde? Oder für Gleichheit, wenn Du auf ein Frauenprivileg verzichten müsstest? Oder für Gerechtigkeit, wenn eine Frau für ihre eigenen Fehler bestraft würde?

Eben. Es ist doch mittlerweile völlig klar, was da läuft. Wenn wir uns immer nach dem richten, was Du gerade willst, wird da nie eine Gleichberechtigung herauskommen. Was Du gerade willst, zielt immer auf Sicherheit und Privilegien für Dich. Das ist das Gegenteil von Gleichberechtigung. Du hast diesen Wert vereinnahmt und dann gleich grundlegend beschädigt. Du hast uns verarscht. Jetzt reicht es aber auch. Das Spiel ist vorbei. Jetzt gibt es eben Frauenquoten und keine Gleichberechtigung. OK. Ich kann damit leben. Aber hör endlich mit den Ausreden auf. Die nimmt Dir keiner mehr ab. Hör auf, mir moralische Grundsätze an den Kopf zu werfen, die Dir im Grunde egal sind. Keine Sorge. Ich mag Dich. Ich gebe Dir gerne, was Du willst. Auch ohne schwachsinnige Ausreden. Aber übertreibe es nicht so masslos. Und wenn Du schon immer mehr Sonderrechte willst, dann gib mir auch etwas dafür.

Was ich will? Ich will einen Partner, der auch etwas zu bieten hat. Der nicht immer nur meckert. Der mich nicht als Konkurrenz sieht. Der meine Leistung anerkennt. Der ehrlich ist. Und verlässlich. Der auch mir Sicherheit und Respekt bieten kann. Du musst nicht immer genau das gleiche leisten, was ich leiste, damit ich Dich respektiere. Aber ich muss das auch nicht. Ich muss nicht wie eine Frau leben, damit ich Respekt, Mitsprache und Sicherheit bekomme. Kannst Du das bieten? Wenn ja, dann haben wir eine gemeinsame Zukunft. Und jetzt hör endlich mit der Meckerei auf. Es nimmt Dir keiner mehr ab.


Originally published at oliver.hoffmann.org.

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