Ego zahlt keine Miete und macht einsam

Abstand nehmen ist eine Art natürliches Gegenmittel für Ego.
— Ryan Holiday, Ego is the Enemy
Mit Ego ist hier nicht das psychologische Selbst gemeint. Es geht vielmehr um das umgangssprachliche Ego: Jeder kennt den Ausdruck “ein zu großes Ego haben” — mit anderen Worten geht es um “unseren ungesunden Glauben an die eigene Wichtigkeit (in der Welt)”.
Ego ist wie ein zickiger Mitbewohner in unserem Kopf. Ständig hat er etwas zu sagen, ständig ist er beleidigt und nie ist er zufrieden. Dabei wollen wir ihn gar nicht bei uns wohnen haben — erzahlt ja nicht mal Miete.
Ego hat viele Formen
Wut, Zorn und all diese Emotionen kommen allzu leicht in uns hoch, weil uns in irgendeiner Form verletzt fühlen. Woher kommt dieses Gefühl? Haben wir uns das eigentlich schon einmal gefragt? Ich meine wirklich gefragt, und zwar so, dass wir uns auf die Suche nach einer Antwort begeben haben?!
Ich denke, das Gefühl kommt davon, dass wir von uns selbst eine sehr hohe Meinung regelrecht gezüchtet haben. Eine Meinung, die andere von uns gefälligst auch haben müssen. Meinen wir…
Kann uns mal jemand das Wasser reichen?!
Mit Ambitionen, der Suche nach Anerkennung und all dieser von außen abhängigen Umständen, füttern wir unser Ego explosiven Treibstoff zu. So kann jede Auseinandersetzung, jeder Streit, ach, das kleinste Missverständnis kann zur Detonation unseres aufgeblasenen Selbstbildes führen.
Es gibt nur einen Ausweg: Wir müssen lernen zu erkennen, wenn unser Ego die Oberhand gewinnt. Dann ist es unser Job innehalte, und Abstand zu nehmen bevor wir etwas sagen oder tun, das wir später bereuen könnten. Mal ehrlich: Wie oft hat Wut dazu geführt, dass die Situation besser wurde? Wie oft hat es geholfen, dass wir Feuer mit Feuer bekämpft haben? Unser Leben ist kein Waldbrand, den wir auf diese Art stoppen könnten.
Klein ist das neue Groß
Was wir stattdessen tun sollten, ist uns auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Zu erkennen, dass wir nicht wichtiger sind als der nächste Mensch. Dass uns nicht mehr und nicht weniger zusteht als dem anderen. Demut und Realität sind die natürlichen Abwehrkräfte, die wir uns injizieren müssen, um uns davor zu bewahren ein Ego aufzubauen, das wir nicht beherrschen können. Ein Ego, das allzeit bereit ist über die Klippen zu springen, weil es so verletzlich ist.
Wir müssen also einerseits begreifen, dass wir Fehler machen, dass andere Fehler machen und dass es nicht in unserer Macht steht darüber zu entscheiden, wie andere denken und handeln — nur dass wir unsere Wahrnehmung über die äußere Welt justieren können. Wir müssen unseren Worten Taten folgen lassen. Nein, am besten reden wir erst gar nicht und bringen einfach die Leistung, die es benötigt, um ans Ziel zu kommen.
Die Heuristik
In allen von uns liegt die Formel, um alle persönlichen und zwischenmenschlichen Probleme aus der Welt zu lösen. Diese Formel ist so einfach wie das 1x1: Wir selbst können nur das, was wir tun und denken (fühlen, sagen, wahrnehmen, entscheiden, usw.) beeinflussen. Alles darüberhinaus liegt nicht in unserer (alleinigen) Macht und kann daher unseren Verstand nicht beunruhigen, da es nicht seiner natürlichen Institution entspricht, von außen berührt werden zu können.
Wir gewinnen so viel dadurch: Harmonische Beziehungen und Kommunikation, ein bodenständiges Selbstwertgefühl, ein undurchdringliches Mindset und einfach pure Zufriedenheit
