Kühe im Hinterland von New South Wales
pascal.brokmeier
Oct 16, 2016 · 8 min read

Im folgenden Berichte ich über mein Auslandsaufenthalt an der University of Technology Sydney (UTS) im Sommersemester 2016.

Vorbereitung

Meine Vorbereitung verlief weitestgehend Komplikationslos. Durch das akademische Auslandsamt an der UzK wurde ich durch Frau Sperber initial beraten und anschließend von Frau Uhlig betreut. Ich gab meine Bewerbung im Sommer 2015 ab und erhielt ende September eine Zusage mit der Möglichkeit zwischen einem Semester an der Monash University in Melbourne oder zwei Semestern an der UTS zu wählen. Da mein damaliger Plan darin bestand ein Jahr in das Ausland zu gehen wählte ich also die UTS, auch wegen ihrer stark technischen Orientierung, und began meine Bewerbung für ein Jahresstipendium beim DAAD. Da ich dieses Stipendium jedoch nicht gewann, wand ich mich erneut an das AAA um mich für ein PROMOS Stipendium zu bewerben.

Die gleichzeitige Vorbereitung für das Ausland bestand in der Bestätigung des Angebots ggü. der UTS, der Antrag auf ein Visum sowie die Beantragung einer Krankenversicherung in Australien, welche verpflichtend für ein Visum sowie die Bewerbung an der Partneruniversität ist. Nach Abschluss dieser Overseas Health Insurance (OVHC) reichte ich sämtliche Dokumente ein und erhielt mein Confirmation of Enrolment (CoE) von der UTS. Der anschließende Prozess der Kursbelegung erwies sich jedoch als undurchsichtig und Fehlerbehaftet, denn die tatsächliche Belegung stand erst 1 Woche nach Studienbeginn fest. Ebenfalls wurden diverse Kurse aus Gründen von Formalitäten abgelehnt. So durfte ich nicht an einem Advanced Data Sciences Kurs teilnehmen, da ich den vorherigen Fundamentals of Data Analytics Kurs nicht belegt hatte. Dieser wurde mir jedoch von der Universität zu Köln nicht angerechnet, denn der Präfix Fundamentals of führt beim Anrechnungszentrum der UzK dazu, dass Kurse nicht angerechnet werden. Dies muss ich im weiteren Verlauf der nächsten Monate noch anfechten, denn der hier ansässige Dozent für Data Science hat den dortigen Kurs abgesegnet und als Äquivalent eingestuft. Dennoch weigert sich das Anrechnungsamt den Kurs anzurechnen.

Generell kann ich empfehlen, den Prozess der Kursbelegung an der UTS stärker zu unterstützen, denn aus der theoretisch Möglichen Liste von Fächern wurden mir viele verwehrt, da ich required topics vorher nicht absolviert hatte. Bereits erbrachte, ggf. äquivalente Leistungen an der Universität zu Köln wurden hier nicht berücksichtigt. Somit ist die Kursauswahl die gleiche, wie die eines Studenten im ersten Semester.

Unterkunft

Die Wohnraumsituation in Sydney ist vergleichbar mit der in Köln, jedoch ist der Markt weitaus volatiler. In Sydney wird generell wöchentlich oder per fortnight (2-wöchentlich) gezahlt, sodass es auch typisch ist, sich für eine Wohnung zu bewerben und innerhalb weniger Tage dort einzuziehen. Eine Bewerbung für 1–2 Monate in der Zukunft ist vergleichsweise unmöglich und nur bei durch die Universität organisierten Wohnräumen vorstellbar. Diese sind jedoch stark kontrolliert, was evtl. zu erwartenden Besuch fast unmöglich gestaltet. Dies war für mich jedoch eine Notwendigkeit, denn ich erwartete meine Freundin für 4 Wochen zu Besuch. Also musste ich den privaten Wohnungsmarkt aufsuchen, welcher nicht nur durch sehr hohe Preise auffiel, sondern auch durch seine Unberechenbarkeit.

Die erste Unterkunft war eine AirBnB Buchung für die ersten 4 Nächte. Ich nutzte dies als Basis um am ersten Wochenende eine Unterkunft zu suchen. Nach 5 Besichtigungen fand ich eine vergleichsweise akzeptable Unterkunft für einen Preis von $AU 350 / Woche (ca. €1000 p Monat). Dies war ein Einzelzimmer mit Doppelbett in einem Haus einer mid-40er Architektin.

Erstes Zimmer für $350 / Woche

Da dies jedoch aus persönlichen Gründen nicht eine optimale Wahl war, suchte ich weiter nach anderen Unterkünften und zog nach 3 Wochen von Newtown nach Strathfield, einem Stadtteil im Inner West Bereich von Sydney, etwa 12 Minuten mit dem Expresszug von der UTS entfernt. Meine dortige Miete Betrug $AU 185 / Woche (€522 p Monat), bot jedoch nur ein kleines Zimmer mit Einzelbett ohne Schreibtisch.

Zimmer no 2 für $ 185 / Woche

Da die UTS selbst jedoch stark technologisch ausgerüstet war und enorm viel Platz für Studenten bereitstellte, hatte ich keinen Grund zu Hause zu studieren, statt die Fakultäten der Universität zu nutzen.

Studium und Kursverlauf

Das Studium selbst war vergleichsweise Enttäuschend, was primär an den Auswahlmöglichkeiten im ersten Semester lag. Die UTS hatte für das erste Semester die meisten meiner Anfragen abgelehnt und stattdessen Einführungskurse vorgeschlagen. Diese waren jedoch weitestgehend gleichwertig mit bereits absolvierten Kursen an der UzK. So war es für mich kaum sinnvoll diese Kurse zu wählen und ich versuchte Kurse zu erhalten, welche neues Wissen vermittelten. Da ich gleichzeitig einen Nebenjob hatte, war meine Motivation stark anspruchsvolle Kurse zu besuchen jedoch gemindert, denn die Tätigkeit bei meinem Arbeitgeber war ebenfalls Anspruchsvoll und fachnah. Ich entschied mich also für folgende Kurse:

  • iOS Application Development (iOS)
  • Fundamentals of Data Analytics (DA)
  • UNIX Systems Programming (Unix)
  • Italian Language and Culture 1

Die ersten drei Kurse waren natürlich Fachnah und deckten meine notwendigen CP Bedingungen, welche zwischen 18 und 24 liegen mussten, ab. Der letzte Kurs war aus persönlichem Interesse gewählt und es war nicht vorgesehen diesen von der UzK anrechnen zu lassen.

Der iOS Kurs war interessant und lehrreich, wenn auch eher praxisorientiert und weniger akademisch. der DA Kurs war spannend, anspruchsvoll und akademisch wertvoll. Er vermittelte viel Wissen über ein aktuell Hochaktuelles Thema mit allen der UTS zur Verfügung stehenden Mittel. Hier sei kurz zu erwähnen, dass die Universität vor kurzem über 1 Milliarde $AU in ihren Campus investiert hat und somit ein technologisch hochmodernen Campus besitzt. Dies ist gerade im Informatik bzw. Information Systems Umfeld sehr attraktiv.

UTS Architektur & Social Activities

Der Unix Kurs war leider eher weniger anspruchsvoll, was mich dazu brachte insgesamt nur etwa drei Veranstaltungen zu besuchen. Dies mag ignorant klingen, da ich den Kurs aber dennoch mit einem High Distinction abgeschlossen habe mag ich behaupten, es war eine rationale Entscheidung. Es wurden grundsätzliche Themen zu der Interaktion mit Dateisystemen und Kommandozeilen vermittelt, welche ich bereits aus einem mehrjährigen Berufskontext im IT Umfeld kenne.

Letztlich war der italienisch Kurs aus persönlicher Motivation, denn ich habe vor einem Jahr eine Beziehung mit einer Italienerin begonnen, weswegen auch das Auslandsjahr von 1 Jahr auf ein halbes gekürzt wurde. Da ich jedoch bereits alle Anforderungen für meinen Austausch mit den ersten drei Kursen abgedeckt hatte, sah ich keinen Grund dieses kostenlose Angebot nicht in Anspruch zu nehmen. Ich habe diesen Kurs jedoch nicht bestanden, da ich bereits vor der Abschlussprüfung für diesen Kurs zurück nach Europa (genauer Italien) geflogen bin.

Alltag, Freizeit und Lebenshaltungskosten

Sydney ist eine teure Stadt in einem teuren Land. Hätte ich nicht bereits am ersten Tag den glücklichen Fund eines Nebenjobs gemacht, wäre das Semester sehr teuer für mich geworden. Während das PROMOS Stipendium eine willkommene Unterstützung war, konnte es natürlich nur genau dies tun: Unterstützen. Allein die Lebensmittelkosten pro Monat lagen über dem, was vom Stipendium gefördert wurde. Meine wöchentlichen Kosten sahen in etwa wie folgt aus:

  • $AU 185 Miete
  • $AU 200 Lebensmittel & Restaurants
  • $AU 10 Prepaid Vertrag
  • $AU 40 öffentliche Verkehrsmittel
  • $AU 40 Freizeitaktivitäten & Reisen

Dies führte zu Kosten von etwa € 1375 pro Monat. Die Ausgehkultur für Mittag & Abendessen war bedeutend stärker ausgeprägt als in Deutschland, was jedes Mal mit etwa $AU 9–15 zu Buche schlug. Da es an der Universität auch keine subventionierte Mensa gibt, wird auch hier auf Angebote vom freien Markt zurückgegriffen.

An Wochenenden bin ich regelmäßig mit dem Outdoor Activities Club (OAC) der UTS auf Tagestrips gegangen. Diese boten die Möglichkeit für geringe Mengen an Geld viele atemberaubende Seiten von New South Wales und der Sydney Bay Region zu sehen.

UTS OAC & NSW Roundtrip

Zuerst als Nebenverdienst vorgesehen, habe ich zügig viel Zeit bei meinem Arbeitgeber, Propeller Aero ltd. verbracht. Dies ist ein Startup, welcher in Sydney vor 2 Jahren gegründet wurde und mittlerweile die zweite Venture Capital runde erfolgreich abgeschlossen hat. Ich habe dort als Software Engineer die Verantwortung für die mobile Applikationsentwicklung übernommen und habe durch die vergleichsweise kleine Struktur viele Entscheidungsfreiheiten genossen. Als Master Student und mit einer bereits 5 jährigen Berufserfahrung als IT Werksstudent in Deutschland konnte ich direkt am ersten Tag durch ein spontanes und informelles Gespräch überzeugen und war somit nach 4 Tagen in Sydney bereits als eigenständiger Contractor gemeldet und habe für Propeller Aero Softwareentwicklung betrieben.

Der Australia Technology Park (ATP Sydney) beherbergt dabei dutzende Startups und junge Technologieunternehmen in Sydney, welche gemeinsam eine enorm positive und Innovative Kultur auf kleinen Raum bündeln. Ich habe viele wertvolle Kontakte und Erfahrungen gewonnen.

Australia Technology Park & Propeller Aero

Tipps für zukünftige Studierende

Die UTS hat ein enormes Potenzial, gute Dozenten und eine großartige Ausstattung. Leider sind die Restriktionen für Austauschstudenten zu strikt um eine freie, adäquate Wahl der Kurse zu ermöglichen. Hier sehe ich zwei Möglichkeiten. Entweder eine Unterstützung seitens der Universität zu Köln ersucht werden muss um auch anspruchsvollere Kurse besuchen zu dürfen, ggf. durch forcierte Einforderung seitens der UzK Administration bzw. des AAA. Alternativ sollten Studenten wirklich zwei Semester in Sydney studieren, das erste Semester für den Wahlbereich studies abroad Anrechnen lassen und die Kurse im zweiten Semester direkt verrechnen lassen mit auch an der Uni Köln angebotenen Kursen. Leider verhindert dieses Vorgehen, dass Studenten von diversen angebotenen Fächern gebrauch machen können, denn es muss immer ein gleichwertiges Fach an der Uni Köln geben. Letztlich kann man auch einfach akzeptieren, dass der Master ein Semester länger dauert, man dafür jedoch eine ganze Menge an Lebenserfahrung dazu gewinnt.

Für Studenten der Wirtschaftsinformatik bzw. Information Systems im speziellen kann ich nur raten, in Sydney ansässige Technologieunternehmen aufzusuchen und sich dort für eine Stelle als Softwareentwickler, Data Scientist, Growth Hacker, Systems Engineer oder eine andere Stelle zu bewerben. Die Bezahlung liegt in Sydney weit über dem, was deutsche Unternehmen zahlen und es ermöglicht ein sorgenfreieres Leben mit zusätzlichen sehr wertvollen Praxiserfahrungen.

pascal.brokmeier

Written by

Software Developer, Tech enthusiast, student, board sports and food lover

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