Ich werd’s nie verstehen — helft mir!

Es gibt eine bestimmte Spezies Mensch, die hat sich mir noch nicht erschlossen. Ich hab das Thema jahrelang auf links gedreht, mir zig mögliche Erklärungen erdacht, aber eine echte Rechtfertigung für das Verhalten fehlt mir noch immer. Die direkte Konfrontation ist den Tätern höchst unangenehm, deswegen gibt es leider wenig sinnvolle Erklärungen aus der Täterschaft. Vielleicht lässt sich das hier ändern? Aber es wird sich wieder niemand outen, wie immer. Wie wenn der Comedian das Publikum fragt: wer nimmt hier Viagra? Wer ist aktiv auf ElitePartner? Keine Sau meldet sich, obwohl laut Nutzerzahlen statistisch mindestens ein Dutzend Leute dabei sein müssen. Öffentlich zugeben will’s dann aber lieber doch keiner.

Wovon aber spreche ich? Von den Kabinen-Stehpissern. Von den “hier sind zwar sechs Urinale, aber ich geh lieber in die Kabine und spiele Hurrikan Katrina nach”-Stehpissern.

Männer haben den praktikablen Vorteil, dass ihr Geschlechtsteil rüsselförmig vorsteht. Das ermöglicht das relativ gefahrlose Wasserlassen am Urinal und für Profis sogar an der Stadion-Pissrinne.

Man hat als Mann also zwei Möglichkeiten, wenn die Blase drückt:

  1. Urinal, stehen, Händewaschen, fertig.
  2. Kabine, hinsetzen, Händewaschen, fertig.

Und für die absolute Krone der Schöpfung gibt es die dritte Option:

3. Kabine, stehen, Händewaschen, fertig.

Wer in der Kabine im Stehen pinkelt, der handelt asozial oder zumindest grob fahrlässig. Kein Mann trifft immer, dafür sind zuviele Unsicherheitsfaktoren im Spiel (Länge, Vorhaut, Müdigkeit, Schüsselbeschaffenheit, Gleichgewichtssinn, Tiefspüler oder Flachspüler, “Letzter Tropfen”-Problematik). Der Spritzstreuungsfaktor ist überraschend hoch, selbst bei erfahrenen und überzeugten Stehpinklern. Stichwort: kleine Pfütze vor dem Urinal.

Wer im Stehen pinkelt, dem ist Gemütlichkeit offensichtlich kein Anliegen. Es soll schnell gehen und unkompliziert sein. Oder es soll “männlich” sein — denn echte Männer pinkeln natürlich im Stehen (…). Meinetwegen gerne , jeder nach seiner Façon — aber wie wäre es in diesem Fall mit dem geradezu ideal geformten Pissbecken, dass der WC-Betreiber genau zu diesem Zweck an die Wand genagelt hat?

In die Kabine zu gehen zum Stehpinkeln könnte eventuell auch an mangelndem Selbstbewusstsein liegen. Man will männlich sein, das schon. Aber vielleicht nicht so männlich, dass andere Männer einen Blick auf den eigenen Penis erhaschen könnten? Reine Spekulation.

Bitte helft mir — was bewegt Männer dazu? Achtlosigkeit, Tradition, “passt schon” und “machen ja alle”-Mentalität. Alles schön und gut. Aber ich will das nicht mehr und hoffe, dass andere Urinalsteher und Kabinensitzer das auch so sehen.

Ich persönlich bin übrigens eher der gemütliche Typ — wenn alle Kabinen besetzt sind, dann setze ich mich eben auf’s Urinal.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.