von Peter Linnert — Betrugsfälle in Unternehmen

Betrugsvorfälle sind in der Unternehmenspraxis zahlreicher anzutreffen als in der Kriminalstatistik erfasst werden.

Die häufigsten Betrugsfälle werden im Verkaufsbereich beobachtet, obwohl die Mehrzahl dieser Delikte von den Tätern nicht als Betrug empfunden wird.

Zu denken ist in diesem Zusammenhänge an die Reisespesen und Kilometergeldabrechnungen zahlreicher Außendienstmitarbeiter. Ohne Unrechtsbewusstsein werden beispielsweise statt 120 Kilometer 148 zurückgelegte Kilometer in die Reiseabrechnung aufgenommen oder 12 statt 9 erbrachter Arbeitsstunden verrechnet.

Obwohl auf Jahresbasis die großzügigen Reiskostenabrechnungen pro Außendienstmitarbeiter für ein Unternehmen Schäden in Höhe zwischen € 5.000,- und € 10.000,- verursachen können, werden diese vielfach bagatellisiert, ignoriert bzw. stillschweigend akzeptiert, um die positive Stimmung im Verkauf nicht zu gefährden.

Offenkundiger, wenngleich nicht so häufig zu beobachten wie Abrechnungs- und Spesenbetrug, sind Entnahmen aus der „Portokasse“.

Es fällt kaum auf, wenn die eine oder andere Taxiquittung in die Abrechnung der Ausgaben aufgenommen wird, wenngleich diese Fahrt privat verursacht worden ist.

Auch die Mitnahme von Büromaterial für häusliche Zwecke wird von den Mitarbeitern nicht als kriminelle Handlung interpretiert, obwohl der auf diese Weise verursachte Schaden, selbst in einem mittelständischen Unternehmen, fünfstellige Schadenshöhen im Jahr verursachen kann. Wesentlich höher sind die Schäden, die an Baustellen entstehen, wenn Werkzeuge oder Baumaterial von Mitarbeitern für private “Projekte“ mitgenommen werden.

Beliebt ist auch, den privaten PKW auf Firmenkosten volltanken zu lassen, zumal Beträge unter € 50,- oft nicht auf dem Radarschirm der Kostenkontrolle sichtbar werden.

Gern wird auch der Blumenstrauß für die Ehefrau oder Freizeitpartnerin als Geburtstags- oder Jubiläumsgruß für einen Kunden deklariert.

Im Einkaufs- bzw. Beschaffungsbereich sind ebenfalls kleinere und größere Betrugsfälle anzutreffen. Da sind z.B. die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die Lieferanten dem Sachbearbeiter im Einkauf zukommen lassen oder die größeren Sach- und Geldzuwendungen, die von Lieferanten Entscheidungsträgern im Kundenunternehmen gewährt werden.

Auch in der Werbeabteilung sind mitunter Kickback-Zahlungen zu beobachten, die von Medienunternehmen oder Herstellern von Werbemitteln an Sachbearbeiter in Kundenunternehmen entrichtet werdenl

Die Liste der Betrugsfälle ließe sich noch um ein mehrfaches verlängern.

Weitere Beispiele hierfür werden beschrieben in dem neu erschienenen Buch „Wirtschaftskriminalität“ von Peter Linnert, Wien 2019.“

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Prof. DDr. Dr. h.c. mult. Peter Linnert ist Direktor am SHW Wien, Hohe Warte — Ausbildungseinrichtung für Wirtschaft und Ethik.

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