Orlando: We keep on marching.

49 Tote. Mindestens ebensoviele Verletzte. Das ist die niederschmetternde und schmwerzvolle Bilanz der Bluttat von Orlando. Es ist schlicht unvorstellbar, wie ein Abend voller Lebensfreude und Spaß als tödlicher Anschlag enden kann.

Es war ein Anschlag, der einer ganz bestimmten Gruppe galt: der LGBT Community. Pulse war ein Club für Schwule und Freund_innen. Der Zeitpunkt bewusst gewählt — der Beginn des Pride Monats, in dem weltweit Paraden gefeiert werden.

Für viele, die die LGBT-Community nicht kennen, ist vielleicht nicht gleich nachvollziehbar, welche Bedeutung Bars/Clubs für unsere Bewegung haben und wie tief uns diese Bluttat daher alle, überall auf der Welt,trifft.

Seit Generationen ein sicherer Hafen

Clubs und Bars sind für die LGBTI-Community nicht einfach ein beliebiger Ort zum Feiern. Sie sind viel mehr. Sie sind ein sicherer Hafen, schon seit Generationen. Vom Stonewall Inn, das 1969 bei den Stonewall Riots ein Ort der Zuflucht war bis zu Bars und Clubs heute: Wenn junge Schwule und Lesben zuhause rausgeworfen wurden, war da eine Bar. Wenn jemand Angst hatte, mit seinem Freund am Wochenende auszugehen, gab es den Club. Wenn wir aus einem Lokal rausgeschmissen wurden, weil sich zwei Frauen küssten (was nach österreichischem Recht noch immer geht), dann gab es queere Bars, trashige Danceclubs und ausgelassene Parties, auf denen wir die alltäglichen Sorgen vergessen konnten.

Und sie waren immer Orte des Widerstands.

Anschläge und Terrorismus funktionieren, weil sie uns glauben machen lassen, wir müssen vor unseren Mitmenschen Angst haben. Lassen wir diesen Mechanismus nicht zu. Wenn es auf den Anschlag vom 12. Juni in Orlando eine Antwort geben kann, dann die:

Wir lassen uns nicht vertreiben. Wir lassen uns nicht wegjagen. Wir gehen nicht zurück ins Geheime und ins Schweigen. We are out. We will not go back into closets. And we keep on marching.

Die LGBT Community ist unglaublich kreativ, solidarisch und stark. Unsere Vorgänger in der Community haben es geschafft, aus “Riots” in den 1960er-Jahren eine weltweite Bewegung voller Hoffnung, Liebe und Akzeptanz zu machen. Aus Diskriminierungserfahrungen haben wir politisches Engagement gemacht und uns organisiert.

Wir haben in einigen Teilen der Welt die Eheöffnung erreicht, manche Staaten schützen uns gesetzlich vor Diskriminierungen und Regenbogenfamilien bekommen Stück für Stück mehr Rechte. Die Welt ist an vielen Orten in den letzten Jahrzehnten besser geworden. Gleichzeitig ist Homosexualität in manchen Ländern nach wie vor kriminalisiert — bis hin zur Todesstrafe. Auch “zu Hause” gibt es noch einiges zu tun: in Wien haben 30% der LGBTs in den letzten 12 Monaten Diskriminierungen im öffentlichen Raum erfahren, nur weil sie lesbisch, schwul, trans oder inter* sind.

Im Angesicht der Bluttat von Orlando können wir die Stärke unserer Community wieder zeigen. Besinnen wir uns auf den Geist von Stonewall. Erinnern wir uns an die Kraft von Pride-Paraden jedes Jahr, die ganzen Generationen von jungen LGBTs Hoffnung gegeben haben und ihnen zeigten: Du bist nicht alleine. Du wirst geliebt und hast die gleichen Rechte wie alle anderen verdient. Du bist einer von uns.

Und an alle, die ein Zeichen gegen die Bluttat von Orlando setzen wollen: Der richtige Ort dafür ist die Regenbogenparade am 18. Juni 2016. Wir als LGBT-Community waren immer angewiesen auf allies, also auf Verbündete. Das ist der Moment. Wir brauchen euch. Kommt mit uns auf die Parade.

Übrigens: Unsere „we keep on marching“-Sticker kannst du auch per Mail bestellen: einfach Name und Adresse an andersrum.wien@gruene.at schicken!

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