Pendler haben wenig Verständnis für Doppelstreik
Waldshut Die SüdbadenBus GmbH wurde erneut bestreikt, diesmal zeitgleich mit dem gestern ebenfalls noch laufenden Ausstand der Lokomotivführer. Trotz rechtzeitiger Ankündigung durch die Eisenbahner und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wurde somit der kreisweite Pendlerverkehr größtenteils lahmgelegt. Die EVG spricht von Zufall — die Betroffenen sind verärgert. Der Notfahrplan der Bahn bedient etwa 30% der Zugverbindungen, die privaten Busunternehmen laut SBG etwa 50% der Busfahrten.
Laut Landratsamt waren etwa 7000 Schüler von den beiden Ausständen betroffen. Viele Klassen waren stark dezimiert — an der Hans-Thoma-Schule in Tiengen bis zu 80% derer, die mit dem Bus kommen, in anderen fehlten nur wenige oder keine Schüler. Viele Eltern hätten Vorkehrungen getroffen und Fahrgemeinschaften gebildet, sagt Stefan Ruppaner, Rektor an der Alemannenschule Wutöschingen, wo etwa 10% fehlen. „Man arrangiert sich, aber es stört den Schulbetrieb schon sehr“, so Ruppaner, dem drei Viertel der Schüler streikbedingt fehlten. Auch die Pendler, die am frühen Morgen zur Arbeit aufgebrochen waren, mussten teilweise stundenlange Anfahrten in Kauf nehmen. Viele wurden trotz rechtzeitiger Ankündigung überrascht. Die meisten äußern großen Unmut und kaum Verständnis für die erneuten Streiks und besonders ihre gleichzeitige Durchführung — viele unterstellen hier Absicht. Laut Markus Boll, dem Organisator des Waldshuter Streiks und Mitglied der Tarifkommission, ist die Überschneidung der beiden Streiks ein unglücklicher Zufall. „Der heutige Termin war bei uns bereits am 5. Mai festgelegt worden“, so Boll. Artur Müller, Betriebsratsvorsitzender des Standorts Waldshut, erklärt: „Die Fronten sind verhärtet. Das Angebot des Arbeitgebers ist inakzeptabel.“ Alle betroffenen Fahrer hätten sich in einer Umfrage für die Fortsetzung des Arbeitskampfs ausgesprochen, der bis heute Morgen um 3 Uhr andauerte. Die Busfahrer kämpfen für einen neuen Tarifvertrag, wie er in anderenorts bereits gelte, so Streikorganisator Markus Boll. Die Situation vor Ort sei besonders prekär, da viele unzufriedenen Fahrer in die Schweiz abwanderten und neue teuer ausgebildet werden müssten.