Von Gummersbach nach Neuseeland #14 Südinsel! -Fjordland und Westküste

Samstag, 5:30. Der Wecker klingelt. Ist mir egal, ich liege sowieso schon eine halbe Stunde wach im Bett, da das Schnarchen eines der 7 Mitbewohner des Zimmers ein erneutes Einschlafen unmöglich macht. (Fast) pünktlich um 6 geht die Fahrt los. Warum so früh…?

Milford Sound ist eines der großen Naturspektakel Neuseelands. Einer der vielen Fjorde im Südwesten Neuseelands. Und dabei ein ganz besonderer. Um aber das volle Erlebnis zu haben, braucht man gutes Wetter und das ist gerade zu dieser Jahreszeit selten in dieser Region. Wir mussten viele Hostels im Voraus buchen und konnten daher nicht besonders spontan auf Wetterverhältnisse reagieren. In Te Anau, dem Ort der dem Milford Sound am nächsten ist, hatten wir zwei Nächte geplant, am Samstag und Sonntag. Nun sah der (zugegebenermaßen nicht immer zuverlässige) Wetterbericht so aus, dass nur am Samstag einigermaßen gutes Wetter herrschen sollte. Vorher Regen, nachher Regen. Besonders am Sonntag, wo wir eigentlich den Tag am Milford Sound geplant hatten. Die einfachste Lösung war daher, am Samstagmorgen früh loszufahren, um 6 Stunden später die gebuchte Bootstour am Milford Sound anzutreten. Und das taten wir. Es gibt nur einen Weg, den Milford Sound mit dem Auto zu erreichen und das ist der Highway 94, der durch den Fjordland Nationalpark führt.

Der Fjordland Nationalpark bietet weite Täler und Fjordlandschaften
Bei einem kurzen Zwischenstopp machte sich ein Kea an unserem Wagen zu schaffen und nagte diverse Teile an

Am Ufer des Milford Sound gibt es eigentlich nur ein Cafe, einige Unterkünfte sowie Anlegeplätze und einen kleinen Flughafen. Wir hatten eine Tour mit Mitre Peak Cruises gebucht. Die 2-stündige Tour führt bis ans Meer hinaus und wieder zurück. Im Gegensatz zu anderen Anbietern, nutzen Mitre Peak Cruises eher kleinere Boote, die nicht so überfüllt sind.

Blick vom Ufer. Die hohe Spitze ist der Mitre Peak (1700m)
Die Felswand des Mitre Peak ragt 1700m fast senkrecht in den Himmel. Ein unglaublicher Anblick, den man fotographisch gar nicht einfangen kann…
Auch hier gibt es einige entspannte Robben zu sehen

Nach diesem tollen Ausflug waren wir erstmal froh abends früh ins Bett zu kommen.


Am Sonntagmorgen war die Stimmung eher mäßig. Regnerisch und stürmisch. Eigentlich hätten wir gern eine Wanderung gemacht, was bei diesem Wetter aber wenig Spaß macht. Das kleine Städtchen Te Anau hat außer seiner guten Lage wenig zu bieten, wir fuhren schon um 11 zum Einchecken ins nächste Hostel. Wir verbrachten zwar zwei Nächste in Te Anau, doch wegen der schlechten Verfügbarkeiten jeweils in anderen Hostels. Wie es der Zufall wollte, war unsere Nächste Unterkunft die bisher schönste. Bei Gastgeber Bob war alles wie eine große Familie, von der üblichen kühlen Backpacker-Atmosphäre aus manch anderen Hostels gab es hier keine Spur. Den Tag verbrachten wir dann auch eigentlich nur dort mit Wäschewaschen, netten Gesprächen und ein bisschen Entspannen vom stressigen Urlaubsalltag.

Bob and Maxine’s Hostel — so gemütlich ist es selten. Großes Wohnzimmer, Karmin und schöne Aussicht mit Lamafarm

Als Bob am Abend zuvor vom Wetterbericht sprach, hielten wir das eigentlich für einen Scherz, doch am Morgen offenbarte der Blick aus dem Fenster tatsächlich eine weiße Winterlandschaft, es hatte die Nacht durchgeschneit. Blöd nur, dass es auch äußerst neblig war und unser nächstes Ziel -Queenstown- für seine schönen Landschaften bekannt ist.

Die Straßen nach Queenstown waren teilweise gesperrt, sodass wir einen kleinen Umweg in Kauf nehmen mussten. In Queenstown angekommen konnten wir leider nicht allzu viel sehen, alles war vom Nebel verhangen. Sammy und Tobias machten mit ihrem Camper zufällig auch gerade halt in der Stadt, sodass wir uns mit ihnen im Zentrum der 10.000-Einwohner Stadt trafen. Sie hatten gerade bei Furg Burger gegessen, ich hatte von dem Laden vorher nie gehört, anscheinend soll dieser kleine Laden mit internationaler Berühmtheit aber mit die weltweit besten Burger machen. Sammy und Tobias jedenfalls waren ziemlich begeistert und die Schlange vor dem Laden weckte auch Neugier…

Wir schlenderten dann noch ein wenig durch die Stadt und die zahlreichen Souvenirshops und verabredeten uns für einen Bargang am Abend. Gegen 19.00 Uhr besuchte ich mit Nathalie und Selina dann Hell’s Pizza, eine verbreitete Kette, mit etwas gehobeneren Pizzen als das bekannte Domino’s, aber man muss sich ja mal was gönnen. Die Pizza war tatsächlich äußerst gut, danach ging es dann in den Broiler Room, eine kleine gemütliche Bar, wo wir mit Sammy und Tobias ein paar Stunden verbrachten bevor es zurück ins Hostel ging.

Queenstown

Zweiter Tag in Queenstown, Wetter weiterhin verbesserungsfähig. Statt aber im Hostel Trübsal zu blasen, entscheiden wir uns dazu, uns zu einem höher gelegenen Punkt zu begeben, in der Hoffnung dort mehr zu sehen. Eine Gondelbahn führt zu dieser 460m über der statt gelegenen Bergstation. Um die 30$ zu sparen (und weil es einfach mehr Spaß macht) machen wir jedoch eine Wanderung dorthin. Durch ein Waldstück führt dieser teilweise etwas schwierige, aber eigentlich recht entspannte Track, um uns 460 Höhenmeter später mit einer -trotz des nicht optimalen Wetters- schönen Aussicht zu belohnen.

Queenstown von oben

Nach dem Abstieg gingen wir zu Ferg Burger, der berühmte Burgerladen, der uns am Tag zuvor sehr von Sammy und Tobias empfohlen wurde. Nach vorheriger Recherche habe ich herausgefunden, dass es laut CNN dort den besten Burger gäbe — weltweit. Nach einer halben Stunde Wartezeit bekamen wir dann endlich unsere Burger und liefen schnell zurück ins Hostel, um die kostbare Nahrung nicht erkalten zu lassen. Ich war sehr gespannt auf meinen “Double Ferg” mit zwei Buletten und klassischer Belegung mit Salat, Tomaten, Käse sowie einer hauseigenen Tomaten-Avioli-Soße. Umgerechnet 10€ sind zwar nicht wenig, doch rein von der Größe geht der Preis schon in Ordnung, denn satt wird man davon normalerweise auch. Noch besser als die Quantität war aber die Qualität. Ohne viele Worte: besser kann man einen Burger einfach nicht machen.

Großer Andrang bei Ferg Burger in Queenstown

Am Mittwoch verließen wir das noch immer bedeckte Queenstown in Richtung Wanaka, nur eine Autostunde entfernt. Auf dem Weg machten wir noch kurz halt in Arrowtown, eine ehemalige Goldjäger-Siedlung mit viel Geschichte. Wir schlenderten etwas durch die historische Hauptstraße, wo man sich etwas wie im Wilden Westen fühlte, sehr cool.

Historische Straße in Arrowtown

In Wanaka checkten wir zunächst im Hostel ein und reservierten unsere Betten. Nach einiger Beratung entschieden wir uns dann, das gute Wetter zu nutzen und eine kleine Wanderung zu machen, um einen besseren Blick über die Landschaft zu erhalten.

Nach dem Abstieg fuhren wir dann zurück ins Hostel und bestaunten noch den Sonnenuntergang am Lake Wanaka, der direkt vor unserer Unterkunft liegt.

Sonnenuntergang am Lake Wanaka

Donnerstag wurde wieder gefahren. Fast vier Stunden von Wanaka Richtung Westküste und in das kleine Franz Josef. Eigentlich keine wirkliche Siedlung (300 Einwohner) sondern mehr “Basislager” für Ausflüge auf den bekannten Franz-Josef-Gletscher. Der Weg entlang der Westküste war schön anzusehen, viele grüne, fast schon dschungelartige Wälder und gewundene Straßen durch Berglandschaften. In Franz Josef angekommen haben wir dann auch nicht mehr viel unternommen und nur ein wenig das Dorf angeschaut. Das Wetter wurde gegen Abend bewölkter und auch für den nächsten Tag wurde Regen und Nebel angesagt…


Manchmal, wenn auch selten, stimmen die Wettervorhersagen in Neuseeland. Leider. Wenigstens war es morgens noch trocken und die vereinzelten Sonnenstrahlen machten Hoffnung. Wir beschlossen schon am Abend zuvor, den Tag getrennt zu verbringen. Nathalie und Selina wollten ein paar kleinere Spaziergänge machen, danach ins Wildlife Center, um Kiwis zu sehen und schließlich zum Aufwärmen in die örtliche Therme. Ich hingegen hatte Lust auf eine etwas längere Wanderung und startete um 10.30 den 17km langen Alex Knob Track. Der Track begann relativ einfach, nach kurzer Zeit wurde das Terrain etwas unebener und schwieriger, aber große Probleme hatte ich eigentlich nie. Das Wetter änderte sich noch zum schlechteren, der Regen wurde stärker und die Nebelwand dichter. Im dichten Urwald machte der Regen mir nicht viel aus, gegen Ende des Tracks wurde das Gelände offener, als ich am Gipfel ankam, war ich völlig durchnässt und konnte wegen der Nebelwand maximal 50m weit sehen. Der Abgang dauerte gefühlt länger als der Aufstieg. Insgesamt fällt mein Fazit jedoch positiv aus, ich hatte den Track fast komplett für mich allein und der Weg führte durch schöne Urwälder.

Der Weg beginnt einfach und eben
Auf halber Strecke konnte ich einen Blick auf den Gletscher erhaschen
Umwerfendes Panorama!
Beim Abstieg klarten die Wolken etwas auf, zogen sich aber kurz danach wieder zusammen
Der Regen nimmt auf dem Rückweg zu, das Terrain wird nass und matschig

Weiter ging es am Samstag nach Hokitika entlang der Westküste. Auf dem Weg halfen wir einer hysterischen jungen Dame und ihrem Freund, die ihren Minivan rückwärts halb in einen Graben gefahren haben. Nachdem wir mit ihr zusammen Hilfe geholt hatten, war alles wieder ok. Wir statteten dem Hokitika Gorge einen Besuch ab, einer kleinen Schlucht mit wunderbar blauem Wasser. Hokitika selbst liegt direkt an der Küste und der Strand bietet einen tollen Platz, um den Sonnenuntergang zu bestaunen.

Außerdem befand sich ganz in der Nähe unseres Hostels ein kleiner Buschweg mit Felswänden, an denen viele Glühwürmchen hausen. Nach Anbruch der Dunkelheit besuchten wir diese faszinierenden Tiere, die dort tatsächlich sehr zahlreich vertreten waren, ein schöner Anblick!

Hallo Hokitika!
Blick aus dem Hostel
Türkisfarbenes Wasser in der Hokitika Gorge

Weiter ging es entlang der Westküste. Im Gegensatz zu den vorher bereits erlebten Landschaften bietet die Westküste nochmal etwas ganz anderes. Urwälder erstrecken sich über weite Bergländer, ich kam mir zunächst vor wie im südamerikanischen Dschungel (ohne je dort gewesen zu sein), einige Minuten später erinnerten die dichten Nadelwälder an kanadische Landstriche.

Besonderes Schmankerl auf der Tour waren die Pancake Rocks. Das sind Steinformationen an der Küste, die aussehen, wie aufeinandergestapelte Pfannkuchen (daher der Name). Bis heute ist Geologen nicht vollständig klar, wie dieses Naturwunder genau entstanden sein soll.

Im Anschluss machten wir noch ein paar kleinere Spaziergänge entlang der Küste.

Pancake Rocks

Unsere Unterkunft für Sonntagabend befand sich etwas abgelegen. Nahe des Dorfes Hector befindet sich auf einem Hügel das sogenannte Slaughterhouse Hostel. Normalerweise buchen wir bevorzugt YHA-Hostels, da wir wegen unserer Mitgliedschaft Rabatt bekommen. Doch das Slaughterhouse-Hostel wurde uns persönlich als ein besonders sehenswertes empfohlen, daher buchten wir dort eine Nacht. Und was für eine…

Gegen 18.00 Uhr kamen wir in Hector an und hatten Probleme das Hostel zu finden. Wir fragten in einer örtlichen Kneipe nach dem Weg, 3km außerhalb der Stadt wies ein unscheinbares Schild auf die Einfahrt hin. Wir parkten unser Auto am Fuße des Hügels. Rauf zum Hostel führt nur ein 10-minütiger Fußweg den Berg hinauf, durch ein matschiges Waldstück. Oben angekommen fanden wir uns in einer seltsame Situation wieder. Es brannte kein Licht, es war keine Rezeption zu finden und überhaupt schien kein Mensch in diesem angeblich so tollen Hostel zu sein. Es war mittlerweile dunkel geworden, selbst bei angeschaltetem Licht waren die Räume eher spärlich beleuchtet. Wir schauten uns einige Zimmer an und die Küche. Der Kühlschrank war voll, die Zimmer schienen belegt zu sein. Aber keine Menschenseele weit und breit…

Selbst bei eingeschaltetem Licht wirkt der Aufenthaltsraum recht düster

Nathalie fühlte sich sichtlich unwohl. “Was machen wir jetzt? Ich will hier nicht bleiben!” Selina schaute sich etwas um, die Türen knarzten. Ansonsten Stille. “Der Ofen ist ja an”, bemerkte Nathalie plötzlich mit leicht zitternder Stimme. Ich entgegnete scherzhaft: “Komisch, als ich grad geschaut habe, war er noch aus…” (war er nicht). Zugegeben, die Situation war wie der Beginn eines klassischen Horrorfilms. Die verlassene Hütte auf dem Berg, niemand da. Die Türen quietschen, an der Decke hängen Windspiele und seltsame Bilder. Es trug zur allgemeinen Beunruhigung bei, als wir nach fast 10min zum ersten mal bemerkten, dass in einem der Sessel eine schwarze Katze saß. “War die gerade auch schon da…?”

Ich schlug vor, etwas zu kochen. Wir hatten alle Hunger (Nathalie inzwischen weniger), aber diskutierten ernsthaft über die Möglichkeit, das Hostel zu verlassen und woanders zu schlafen. “Da schlaf ich lieber im Auto, als hier zu bleiben” — Nathalie.

Nach einiger Zeit der Stille plötzlich Geräusche. Nathalie laut flüsternd: “Da kommt jemand!” Sie wich verängstigt zurück.

Die beiden vermeintlichen Killer stellten sich als Mitarbeiter des Hostels heraus. Zwei Berliner, Saskia und Torsten. Sie begrüßten uns und zeigten uns unser Zimmer. Sie waren sehr freundlich. Als wir allein im Zimmer waren und unsere Sachen auspackten, war Nathalie immer noch skeptisch. “Was sind das für Leute? Ist doch komisch, warum kennen die sich hier so aus, wenn denen das Hostel nicht gehört?”

Es dauerte dann noch eine Weile, bis Nathalie den Aufenthalt entspannt genießen konnte. Wir machten Essen und kurz darauf kam David nach Hause, der Besitzer des Hostels. Saskia und Torsten arbeiten dort vorübergehend, helfen David bei diesem und jenem und dürfen dafür umsonst bei ihm schlafen. Die zwei Zimmer, die wir angeschaut hatten, waren zufällig gerade von ihnen benutzt. Der gefüllte Kühlschrank liegt ebenfalls in ihrer Verantwortung. Eine Rezeption gibt es nicht, weil das Hostel unabhängig agiert, alles ganz locker. Letztendlich war Torstens Schnarchen dann die größte Gräueltat, die in dieser denkwürdigen Nacht im Slaughterhouse-Hostel begangen wurde…

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