Digital Natives, erhebt euch!

Ein Appell an meine Generation

Hey, meine Name ist Philipp und diesen Beitrag widme ich allen aus der 1. und 2. Generation der Digital Natives. Also denen, die zwischen 1980 bis 1999 (1. Gen) und danach (2. Gen) auf die Welt kamen und dadurch mit dem Internet inkl. aller technischen Möglichkeiten aufgewachsen sind.

Wir sind eine Generation, die sich glücklich schätzen sollte, denn im Gegensatz zu unserer Großeltern leben wir — zumindest in Deutschland — in einer relativ sorglosen Zeit. Wir haben alle Möglichkeiten, doch die meisten von uns nutzen sie nicht. Schlimmer, viele von uns sind unglücklich.

Manch einer sagt, es liege daran, dass wir verhätschelt wurden und dadurch gar nicht wissen, was es bedeutet, ein Leben zu leben. Uns wird eingetrichtert, dass wir “besonders” sind und alles werden können, sofern wir nur daran glauben. Die Realität sieht anders aus, niemand wartet auf uns. Im Gegenteil — manch einer von uns wird belächelt, weil er statt etwas Richtigen wie einer Bankkauflehre sein Geld mit dem Design von Wordpress Themes verdienen will. (Anmerkung: Falls ihr einen Guten kennt, lasst es mich wissen!).

Wir alle sind alle irgendwo auf der Suche nach dem Glück, manövrieren oftmals aber hilflos durchs Unbekannte, manchmal panisch, wie mit 1% Rest-Akku.

Ja, wir sind etwas Besonderes…

Ich sage — unsere Generation ist etwas Besonderes. Egal ob Privatleben, Liebe oder Beruf: Wir befinden uns auf einem langen Flur voller Türen und können jede Einzelne davon öffnen. Dank dem technischen Fortschritt können wir online das Leben mehrerer Personen leben. Wir haben Süßigkeiten gegen Likes eingetauscht und die Mutter unseres besten Freundes trägt den Namen eines großen Technikkonzerns. Unser Smartphone ist für viele von uns oft das Erste und das Letzte, was wir an einem Tag sehen. Es ist eine zweifelhafte Freundschaft, die unseren Alltag komplett verändert hat.

Dennoch bietet es alle Möglichkeiten. Die Zeiten waren für uns nie besser, unser Leben nach unseren Vorstellungen zu leben. Sei es als Fotograf, veganer Fitnesscoach oder als Mitglied eines erfolgreichen League of Legends Profi-Teams. Dennoch wirken viele von uns wie gehemmt. Ich führe das auf zwei Dinge zurück:

  1. Das Bildungssystem: Uns wird heutzutage kategorisch der Mut aberzogen und die Möglichkeiten deutlich eingegrenzt. Wer nicht ins System passt, fliegt. In der Theorie kannst du auch mit einem Hauptschulabschluss alles erreichen, in der Praxis wird es jedoch um einiges leichter, wenn in der Bewerbung irgendwo das Wort “Abitur” auftaucht. Bis heute haben es die Schulen nicht geschafft, sich auf den digitalen Wandel einzustellen. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir eine Programmiersprache statt Latein wählen können? (Ich glaube noch sehr lange, immerhin gibt es bald eine Universität fürs Coden.)
  2. Unser fehlender Wille — Ich habe mittlerweile zahlreiche schlaue Köpfe getroffen, die alle ein besonderes Talent hatten. Dennoch machen sie nichts daraus, weil ihnen der Wille fehlt. Der Wille, Dreck zu fressen. Niemand erwartet, dass ihr alles könnt. Aber wenn du irgendwie dein Leben selbstständig leben willst, dann wirst du dich irgendwann mit Facebook und einer eigenen Website auseinandersetzen müssen. Wenn du es selbst nicht kannst, dann finde jemanden, der es kann. Wenn du kein Geld hast, dann tausche deine Dienstleistung (Fotos, Designs) gegen die des Dev’s. Du musst es nur wollen.

Aber: Auf uns wartet keiner

Um es nochmal klar zu machen: Nur weil wir die erste Generation der Digital Natives und damit durchaus etwas Besonderes sind, wird niemand auf uns zukommen und uns etwas schenken. So funktioniert das Spiel namens Leben nicht und wenn du nach wie vor davon ausgehst, dann bist du eher Digital Naiv statt Native. Wir müssen uns die Dinge genau so erkämpfen wie die Generationen zuvor, nur dass wir einen Vorteil haben — der Zugang zu Wissen ist nur eine Google Suche entfernt.

Was ich an meiner Generation liebe?

Dass wir die Welt mit nur einem Tweet ein Stück besser machen können. Aktuell tobt in Somalia eine der schlimmsten Hungerkrisen seit dem zweiten Weltkrieg. Jerome Jarre wollte das ändern und gemeinsam mit anderen reichweitenstarken Freunden überzeugte er nicht nur Turkish Airlines (die einzige Airline die nach Somalia fliegt), ihre Flugzeuge für den Transport von Nahrung und Wasser zur Verfügung zu stellen. Nein, innerhalb von zwei Tagen sammelte er über 1,7 Millionen US-Dollar an spenden ein, um 60 Tonnen Hilfsgüter nach Somalia zu fliegen.

Was ich an meiner Generation hasse?

Dass so viele von uns ihr Talent verschwenden, um irgendwie ins System zu passen und bloß nicht aufzufallen. Mein Dank gilt all jenen positiv Verrückten, die unsere heutige Welt inklusive aller technischen Errungenschaften ermöglicht haben. Auch das Feuer ist nicht von sich aus in die Höhle gekommen. Es bedurfte eines Verrückten, der bei Blitz und Donner draußen durch die Gegend rannte, wohlwissend, dass sein nächster Schritt der letzte sein könnte.

Es gibt Unmengen solcher Geschichten und in jeder spielt der Mut, den „normalen“ Weg zu verlassen und stattdessen einfach mal querbeet zu rennen, eine essentielle Rolle.

Wir sind zu allem fähig

Das Beispiel von Jerome Jarré ist natürlich ein ganz spezieller Fall. Aber er zeigt, wie mächtig unsere Generation sein kann. Im Großen. Im Kleinen. Wir können alles erreichen, wenn wir uns einfach nur unserer Stärken besinnen und bereit sind, uns die Hände schmutzig zu machen.

Unabhängig davon — nie war es einfacher, ein eigenes 1-Personen-Medienunternehmen zu sein. Es sind schon lange keine fetten Kameras mehr nötig. iPhone raus, filmen, am Laptop oder direkt auf dem Smartphone schneiden, hochladen, fertig. Das ist eine unfassbare Chance, die bis heute die wenigsten nutzen.

Ich für meinen Teil habe seit dem Ende meines Studiums viel erlebt, für Konzerne wie Google gearbeitet, große Unternehmen wie McDonalds beraten, auf zahlreichen Bühnen weltweit Vorträge gehalten und letztendlich auch ein eigenes Unternehmen gestartet. Was ich nach 26 Lebensjahren bisher gelernt habe?

  1. Das Leben ist lang und bietet super viele Optionen, deshalb sei freundlich und offen zu anderen Menschen.
  2. Die einzigen, die sich für dein Gejammer interessieren, sind selbst Heulsusen.
  3. Der beste Arbeitgeber der Welt ist kein Garant für Glückseligkeit. Ebenso wenig wie viele Likes oder YouTube Abonnenten.
  4. Harte Arbeit wird sich mit genügend Geduld auszahlen. Abkürzungen gibt es nur selten.
  5. Sei dankbar für das Zeitalter, in dem wir leben.

Aus diesem Grund bitte ich euch — habt den Mut den normalen Weg zu verlassen. Das heißt nicht, dass ihr sofort euren Job oder euer Studium schmeißen solltet. Wenn ihr mit dem, was ihr gerade macht, super zufrieden seid, Jackpot. Lasst alles so, wie es ist. Wenn ihr zu den unglücklichen Menschen gehört, dann verbringt euren Abend statt mit drei nur mit zwei Stunden Netflix und nutzt die neu gewonnene Zeit dafür, eurer Passion nachzugehen.

Startet eure eigene Website, einen Blog, einen YouTube Channel. Helft eurem Kumpel 30.000 Burger nur durch Facebook Ads zu verkaufen (Grüße an Jan). Rettet die Welt indem ihr Bäume pflanzen lasst (Grüße an Ecosia). Bringt Leuten fotografieren bei, gebt Häkelworkshops, schreibt ein Buch über eure Leidenschaft. Öffnet einen Supermarkt in Berlin ohne Einwegverpackungen (Grüße an Milena). Programmiert Alexa so um, dass ihr sie nach dem Burger der Woche fragen könnt (Grüße an Moritz). Sammelt Kohle ein und startet euer eigenes Unternehmen.

Ohne Witz, über Twitter, LinkedIn & Co. könnt ihr Investoren, Buchverlage, Agenturen oder Veranstalter mit einer simplen Nachricht erreichen. Fragen kostet nichts und wenn ihr wirklich für eine Sache brennt, ihr eure Story gut verpackt und ansprechend präsentiert, dann stehen euch die Türen offen. Wenn ihr nicht an euch glaubt — wer dann?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nur so eine glücklichere Generation werden können, wenn wir alle unser Potenzial ausspielen.

Also, liebe Digital Natives — erhebt euch und nutzt eure Möglichkeiten!


Danke für’s Lesen. Wenn dir der Beitrag gefällt, freu ich mich, wenn du ihn mit anderen teilst :)!