Das Girokonto-Battle

11.12.2018 — da heute Apple-Pay in Deutschland startet habe ich mich entschieden meinen Artikel noch in der Version 0.3 zu veröffentlichen. Es fehlen Bilder und es fehlen meine “alten” Banken. Aber das soll uns heute mal nicht stören. Die Inhalte zu den Apple-Pay-Kanidaten stehen. >> N26 vs. bunq (vs. DKB vs. VR-Bank)

VR: Home is where your Jugend-Spar-Konto is.

✅ Jugendkonto
✅ bundesweites Netzwerk
✅ lokale Verbundenheit
✅ Berater vor Ort
✅ Statistiken im Finanzmanager
❌ Keine Visa/Mastercard incl. 
❌ Kein Google oder Apple-Pay
❌ Verliert einige Benefits sobald man die Heimat verlässt
❌ keine Kontrolle über Karten, Limits u.ä. in der App


DKB: Der Dino unter den deutschen Direktbanken

Die DKB kennt man! Handball-Sponsor und irgendwie gefühlt schon immer da. Also sowas wie die Mutter der Direktbanken. Leicht verliert man die DKB aus den Augen wenn man nach “jungen” und “modernen” Banken Ausschau hält. Dabei gibt man sich echt Mühe.

Bevor es weitergeht: Die DKB und ich?
Seit einigen Jahren habe ich dort ein Gemeinschaftskonto mit meiner Partnerin. Damalige Entscheidungsgrundlage: Visa-Credit-Card und weltweit kostenfrei Bargeld abheben. Hat uns zu diesem Zweck gute Dienste geleistet egal ob in den USA, in Marokko oder um die Miete zu zahlen.

Das kann Bank heute

✅ echte Kreditkarte
✅ mit Visa weltweit kostenlos Geld abheben
✅ Cash im Shop (barzahlen.de) 
✅ keine Kontoführungsgebühr
✅ hier gibt es noch (minimale) Zinsen
✅ Google-/Apple-Pay-Unterstützung ist angekündigt
❌ App nicht Touch-Bedienungs-Freundlich


N26: Das “Ab durch die Decke”-Start-Up

N26 ist in Deutschland sehr präsent. Werbung an Bahnhöfen und natürlich auf Social-Media. Demnach war N26 auch mein erster Kandidat nachdem ich mir die Frage “Was soll ich noch bei einer Filialbank” stellte. Das Start-Up hat mit Tencent und AllianzX ordentliche Investoren an Board.. Es steckt also Power dahinter — hier soll was aufgebaut werden. Und das gelingt auf den ersten Blick recht gut. Bereits über 1,5 Mio Nutzer gibt es — europaweit! Und die USA soll folgen.

Bevor es weitergeht: N26 und ich? 
Keine Langzeiterfahrung. Erst im Rahmen meiner Suche eines neuen Kontos habe ich N26 getestet und damit etwa 4 Monate lang alltägliche Zahlungen vorgenommen.

#nobullshit

N26 möchte die Bank sein die geliebt wird. Einfach und vollständig aber ohne Bullshit. Und dafür bietet N26 drei Kontenmodelle. Ein kostenfreies Basis-Konto mit ein paar kleineren Einschränkungen in der Nutzung (aber nichts gravierendes), das Black-Konto für 9,99 € pro Monat das für Auslandsreisen gut geeignet ist und das Metal-Konto für 16,90 € das, nun ja, ein paar Gimmicks hat aber nichts was mich besonders locken würde. Die beiden kostenpflichtigen Modelle haben jeweils eine Mindeslaufzeit von einem Jahr.

(Ich schreibe im Weiteren in erster Linie vom kostenfreien Basis-Konto. )

the mobile bank

Die Kontoeröffnung erfolgt in wenigen Minuten über die App. Auch sonst ist die Kontoführung komplett über die App abgebildet. Zusätzlich steht ein Web-Interface zur Verfügung.

Insgesamt ist die App sehr schön und intuitiv gemacht. Es gibt eine Ereignisliste aller Geldein- und -abgänge. Wenn man hier durchscrollt kann man sogar den jeweiligen Kontostand zum angesteuerten Zeitpunkt nachverfolgen. Schöne Spielerei. Mehr als das ist die Kategorisierung der Geldflüsse. In einer Statistikansicht wird aufgeschlüsselt und visualisiert wieviele Ausgaben man z.B. für Shopping. Lebensmittel, Entertainment uvm. aufgebracht hat.

Nach der Kontoeröffnung kann man je eine Mastercard und eine Maestro-Card, jeweils als Debit-Version, kostenfrei bestellen.

Konto, Karten, Knete

Die Karten lassen sich komplett über die App steuern. Pin ändern, Karte sperren — direkt in der App. Auslands- oder Onlinezahlungen aktivieren — direkt in der App. Kartenlimits steuern, Bargeldabhebung erlauben — richtig, in der App. Soweit so gut.

Wie stehts um Bargeld? Drei mal pro Monat kann man kostenfrei Geld am Automaten holen (5x wenn das Konto als Hauptkonto verwendet wird). Doch mit Cash26 (eine Kooperation mit barzahlen.de) lässt sich beliebig oft Geld in teilnehmenden Geschäften holen. Das hat N26 schön in die App integriert — wirkt deutlich runder als bei der DKB. Auf diesem Weg lässt sich dann auch Geld einzahlen.

Mit MoneyBeam hat N26 einen schönen Workaround geschaffen um Kontakten Geld zu senden (oder anzufordern) ohne deren Kontoverbindungen zu kennen.

Die Basics funktionieren hier wirklich gut und flüssig. Sehr feine App, schicke Karten und alle notwendigen Steuerungs-Optionen sind verfügbar. Und dann ist N26 noch ready für Google-Pay- und Apple-Pay.

Spaces: Raum für Fantasie

Im Sommer 2018 hat N26 die Funktion “Spaces” gelaunched. Spaces sind kleine Sparschweinchen in denen mal Geld parken kann. Dieses Geld steht dann nicht zur Verfügung, kann aber jederzeit per Drag and Drop wieder ins Konto verschoben werden.

Aussagen von N26 lassen darauf hoffen, dass hier künftig noch Funktionen folgen die Spaces in Unterkonten verwandeln. Auch die letzte Überarbeitung der App lässt darauf schließen, dass die Spaces künftig weiter in den Mittelpunkt gerückt werden und mehr Funktionen bekommen. Man wird sehen. Bis dahin ist Spaces zwar schön aber nutzlos. So richtig viel kann ich mit Spaces jedenfalls noch nicht anfangen.

N26 ❤️ FinTechs

N26 hat Angebote anderer FinTechs in die App integriert. Ich habe diese Angebote nicht in Anspruch genommen und kann daher nicht viel dazu sagen. Mit N26-Invest kann man Geld anlegen. Mit einem Depot hat das ganze allerdings nichts zu tun und was man so im Netz liest erntet das Invest-Programm auch keine besonders gute Bewertung, gerade für Klein-Anleger.

Und sogar Versicherungen kann man in der App pflegen. Dazu wurde der Dienst von Clark integriert.

Ganz ehrlich: ich war mir an dieser Stelle nicht mehr so ganz sicher ob das noch “no bullshit” ist.

Lass uns reden — Support und Community

Das war dann auch der Moment zu dem ich den Support per App kontaktierte. Hat grundsätzlich ganz gut funtioniert. Nach wenigen Minuten hatte ich einen Support-Mitarbeiter im Chat. Doch die Antwort auf meine Frage erscheint mir noch heute falsch. “Ob ich bei der Verwaltung meiner Versicherungen Clark mit einem Makler-Auftrag ausstatten muss?” — “nein, Sie können ihre Versicherungen einfach einpflegen.” Nun, ich hab das nicht gemacht, und alle meine Recherchen sagen das komplette Gegenteil: Clark erhält einen Makler-Auftrag.

✅ sehr schöne App
✅ Web-Zugang
✅ Bargeld-Einzahlung (Cash26)
✅ Push-Notifications
✅ Kostenfreies Basis-Konto
✅ Dispo verfügbar
✅ Verknüpft weitere FinTechs wie Clark, und Invest
✅ Google- & Apple-Pay
❌ Mäßiger Support
❌ eigene Innovations-Entwicklung stockt
❌ keine Girocard


bunq: you can call me “bank of the free”

bunq legt Wert darauf immer klein geschrieben zu werden. So kann man den Namen dank der Symmetrie auch kopfüber lesen. Ein Glück. Denn wer auf die Website von bunq geht und eine der üblichen Banken-Websites erwartet wird ganz schön auf den Kopf gestellt! Kein seriöses, vertrauenserweckendes Standardblau mit den Standard-Stockfotos von lachenden Familien. Stattdessen dominiert der Regenbogen und PopArt-Illustrationen. Und das zieht sich bei bunq irgendwie durch.

Bevor es weitergeht: bunq und ich? 
Keine Langzeiterfahrung. Erst im Rahmen meiner Suche eines neuen Kontos habe ich bunq getestet und damit bisher 2 Monate lang alltägliche Zahlungen vorgenommen

Bank of the free — aber ohne Smartphone geht nix.

bunq tritt mit der Mission an dir die Freiheit zu geben das zu tun was du möchtest. Die Freiheit gibt es aber nicht für lau. Denn zu dieser Freiheit gehört es auch, dass bunq kein Geld in intransparente Geschäfte investiert. Das klassische Bank-Modell taugt hier also nicht zum Geldverdienen. Man möchte den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Nicht das Geld. Dementsprechend gibt es auch kein voll funktionsfähiges Gratis-Konto. Diese Konten tragen sich bei anderen Banken schließlich dadurch, dass die Bank das Geld investiert und über die Investitionen ihren Schnitt macht. Um also alle Funktionen von bunq zu nutzen ist das Premium-Konto notwendig das mit 7,99 pro Monat zu buche schlägt. Man kann jeden Monat kündigen, bzw auf einen kostenfreien Basis-Account downgraden. Ein erneutes Upgrade ist ebenfalls jederzeit wieder möglich.

(und weil der kostenfreie Account bei bunq extrem eingeschränkt ist, gehe ich bei meiner weiteren Beschreibung immer vom Premium-Account aus.)

Um eine europäische Bankenlizenz zu bekommen darf man das Geld aber scheinbar auch nicht einfach nur aufbewahren, deshalb wird aktuell bei der EZB gelagert. Es ist aber geplant, dass der User selbst aus einigen Alternativen wählen kann. Dafür werden gerade Vorschläge der bunq-User gesammelt.

Kredite, oder ähnliche Angebote, gibt es dementsprechend natürlich nicht. Auch keinen Dispo. Konto überziehen ist hier also nicht.

Wenn man bunq in Betrieb nimmt endet die Freiheit plötzlich ziemlich schnell. Nämlich beim Benutzerinterface. bunq gibt es zur Zeit außschließlich als Smartphone-App.

Karten und Konten — echte Innovationen?

Bei bunq sind bis zu drei Karten inklusive. Dabei hat man die Wahl zwischen Maestro und Mastercard. Jeweils als Debit-Card. Bargeld abheben am Automaten ist bis zu 10 mal pro Monat kostenlos. Mir reicht das locker und mit Mastercard gibt es auch ausreichend Automaten die keine eigenen Gebühren erheben.

Soweit so gut. An dieser Stelle beginnt der FinTech-Spaß. Mit Funktionen bei denen ich wirklich dachte “das kann doch nicht möglich sein, sonst würde das jede Bank anbieten.”. Aber da hatte ich mich getäuscht.

Ihr kennt, das: Die Mastercard hat eine Nummer und hinten auf der Karte steht eine Prüfnummer. Beides wird gemeinsam mit der Laufzeit (steht ebenfalls auf der Karte) z.B. in Online-Shops abgefragt um Zahlungen zu tätigen. Jeder der die Karte in der Hand hat verfügt also über alle notwendigen Informationen um künftig damit zu bezahlen. Nicht bei bunq. Die Prüfnummer der Karte ist nur in der App einsehbar. Und dort kann man sogar einstellen, dass die Nummer alle 5 Minuten automatisch neu generiert wird.

Da ist es kaum noch erwähnenswert, dass das Kartenlimit natürlich in der App gesteuert werden kann. Man kann die Karte jederzeit deaktivieren und wieder aktivieren oder auch dauerhaft blockieren. Auslandszahlungen können nicht nur aktiviert oder deaktiviert sondern länderspezifisch gesteuert werden.

Und natürlich lassen sich auch die Pins der Karte in der App ändern. Die Pins? Mehrzahl? Die Karte lässt sich mit zwei unterschiedlichen Konten verknüpfen. Und für jedes Konto gibt es natürlich eine eigene Pin. Genial, jetzt bräuchte man nur noch zwei Konten oder?

Unterkonten, Gemeinschaftskonten, Sparkonten

Einmal bei bunq registriert hat jeder User die Möglichkeit nicht nur zwei sondern bis zu 25 Unterkonten einzurichten. Echte Konten mit echter IBAN.

Das ermöglicht verschiedenste Szenarien der Budgetierung. “Macht doch was ihr wollt” sagt die Bank of the free. Ein User hat mir zum Beispiel erzählt, dass er ein Konto nur für Internet-Zahlungen nutzt. Dort ist immer nur soviel Geld drauf wie er für diese Zahlungen benötigt. Im Betrugsfall ist dort also nichts zu holen.

Jedes der Konten kann auch als Gemeinschaftskonto mit anderen bunq-Usern genutzt werden. Zu zweit als Partner-Konto oder auch in der Gruppe z.B. im Urlaub. Der Zugriff kann jederzeit gewährt oder entzogen werden.

Auch Sparziele lassen sich definieren. Es wird dann für dieses Konto angezeigt wieviel Prozent des Ziels bereits erfüllt sind. Noch einfacher wird das mit einer automatischen Sparfunktion die jede Zahlung aufrundet und die Differenz auf das Sparkonto verschiebt. Das könnte so schön sein, wenn bunq nicht aktuell jede Zahlung aufrunden würde. Also auch die Zahlungen die von Gemeinschaftskonten abgehen.

Geld senden, Rechnungen teilen, Zahlungen freigeben

bunq bietet mit dem Dienst bunq.me so etwas ähnliches wie N26 mit Money-Beam. Allerdings fühlt sich das hier nicht ganz so flüssig an. Denn bunq hat hier keinen eigenen Dienst sondern nutzt “iDeal” und “SOFORT” als Mittler. “iDeal” ist für mich bisher, und ich vermute für alle deutschen Kunden, eher nutzlos da es nur niederländische Banken unterstützt. SOFORT ist der deutsche Dienst von der Firma Klarna. Funktioniert soweit ganz gut und der Vorteil besteht letztlich darin, dass man auch Kontakten Geld senden oder anfragen kann deren Bankverbindung man nicht kennt.

Eine weitere feine Funktion betrifft die Lastschriften. Geht nämlich eine Lastschrift ein, wird diese nicht automatisch gebucht. bunq fragt dich erst, und bittet um deine Genehmigung. Möchte man die Lastschriften eines bestimmten Kreditors grundsätzlich durchwinken kann man das über “immer genehmigen” mit nur einem Klick tun.

Always Together

Eine große Stärke von bunq ist die Community und der Spirit den bunq geschaffen hat. bunq möchte die Nutzer mit einbeziehen und hat deshalb mit “together” ein Userforum geschaffen das übers Web aufrufbar ist und auch direkt in die App integriert wurde. Dort werden neue Funktionen vorgestellt, User können Fragen stellen oder Ideen vorbringen. Mit einer einfachen “gefällt mir”-Funktion kann man Ideen bewerten. Insgesamt ist das Forum sehr gut moderiert und die Community auch untereinander ungemein lebendig, hilfsbereit und positiv gestimmt.

Man sollte aber der englischen Sprache mächtig sein. Aufgrund der internationalen User ist das die primäre Kommunikations-Sprache. Das gleiche gilt für den Support der über einen Chat in der App erreichbar ist. Die Erreichbarkeit des Supports wird bisher durchgehend positiv bewertet. Ich habe noch keine negative Stimme dazu gehört. In wenigen Minuten wird geantwortet und das durchaus auch am Wochenende. Wenn es gar nicht anders geht, gibt es auch deutschsprachigen Support. Und auch im Forum gibt es mal Antworten auf deutsch. Nur die Regel ist das eben nicht.

Einen Teil zum Spirit von bunq tragen auch die Major-Releases bei die in schöner Regelmäßigkeit in kleinen Veranstaltungen mit einer Keynote zelebriert werden. Ein bischen familiärer Apple-Style. ;) Hier sieht man das bunq vielmehr ein Tech-Unternehmen als eine klassische Bank ist.

Eine API

Apropos Tech-Unternehmen: bunq hat eine API um Entwicklern die Möglichkeit zu geben Anwendungen für bunq zu Erstellen. Erste Erfolge stellen sich ein. So gibt es z.B. eine Anwendung um bunq vom Desktop-PC aus zu verwenden, eine App um automatische Workflows zu erstellen (ähnlich IFTTT) befindet sich gerade in der Beta, genauso wie eine App zur Kategorisierung von Zahlungsein- und -ausgängen.

✅ keine intransparenten Investitionen
✅ aktiv gepflegte Community
✅ umfangreiche Sicherheitseinstellungen in der App
✅ bis zu 25 echte Unterkonten
✅ Gemeinschaftskonten
✅ ZeroFX & 10x/Monat kostenfrei weltweit Bargeld abheben
✅ Push-Notifications
✅ mehr Tech als Fin ;) 
✅ API 
✅ Apple-Pay & Tap&Pay für Android
✅ QR-Code- und Rechnung-Scanner
❌ keine Girocard (logisch) 
❌ in DE gibt es immer noch IBAN-Diskriminierung
❌ mit 7,99 pro Monat nicht günstig
❌ keine Google-Pay Unterstützung