Schlechte Präsentationen: Ist dieses eine Tool schuld daran?

Die Präsentationen der Anderen sind schrecklich! Seid ehrlich, es geht euch auch so. Zeitverschwendung. Egozentrisch. Eine bessere Gute-Nacht-Geschichte. Wäre es nicht schön, wenn damit endlich Schluß wäre? Wenn Präsentationen immer spannend und unterhaltsam wären? Zum Glück gibt es einen ganz einfachen Weg alles besser zu machen. Schuld ist nämlich PowerPoint!

Jeder der Präsentationen halten muss/darf hat davon schon gehört: Wer heute noch Präsentationen mit PowerPoint hält, gehört zur Kaste der unkreativen, unflexiblen und egozentrischen Manager. PowerPoint? Das macht „man“ heute nicht mehr! Ist das so? Alle Präsentationen mit PowerPoint sind mies!

These 1: Viele Präsentationen sind mies.
These 2: Viele miese Präsentationen werden mit PowerPoint erstellt.
Schlussfolgerung: Alle Präsentationen mit PowerPoint sind mies.
Richtig oder Falsch?

Viele Präsentationen sind mies? — Richtig.

Leider gibt es immer wieder Vorträge die man lieber verpasst hätte. Es gibt sogar Menschen deren Beruf es ist Wissen zu vermitteln — die es aber einfach nicht schaffen.

Im Studium hatte ich eine Mathematik-Professorin deren Vorlesungen waren wortwörtlich Vorlesungen. Kaum Vorstellbar: Sie kam ins Plenum mit ihrem Script (das auch jeder Student vor sich liegen hatte). Kein Wort der Einleitung, kein Wort der Erklärung — Sie begann zu sprechen. Sie begann vorzulesen. Beinahe wörtlich betete sie den Prosa-Text aus dem Script herunter, drehte sich immer wieder zu einer Tafel um und schrieb Rechenbeispiele (die ebenfalls im Script standen) an die Tafel. Man gibt ihr eine zweite Chance, doch nachdem sich dieses Vorgehen als Regel herausgestellt hat wurden diese Vorlesungen nur noch selten von einer zweistelligen Publikumsmenge beglückt. Aber: Sie hat nie, kein einziges mal, PowerPoint benutzt!

Viele miese Präsentationen werden mit PowerPoint erstellt? — Richtig.

Ja klar. Wir kennen alle PowerPoint-Präsentationen bei denen man zurecht Stoßgebete gen Himmel schickt und laut schreien möchte: „Waaaarum?“ Warum setzt jemand einen Prosa-Text mit 2.000 Zeichen auf eine Folie? Warum wählt man weiße Schrift auf gelbem Hintergrund?

Jeder kennt auch Vorträge die als besseres Schlafmittel konzipiert werden. Keine Spannung. Keine Botschaft. Schlechte Zusammenhänge. Komplizierte Ausdrücke. Wären diese Vorträge alle besser ohne PowerPoint?

Alle Präsentationen mit PowerPoint sind mies? — Falsch.

Richtig wäre: Viele Präsentationen werden mit PowerPoint erstellt — auch miese Präsentationen. Die Diskussion um ein Tool als Ursache allen Übels ist genau die Denkweise die Präsentationen scheitern lässt. Zu oft nimmt man ein Werkzeug und haut damit zu, egal was man eigentlich bezwecken möchte.

Das Ziel steht über dem Tool

Wie möchtest du dein Publikum verändern? Soll der Zuhörer schlauer werden oder möchtest du ihn von einem Standpunkt überzeugen? Soll der Zuhörer gar zu deinem Fürsprecher werden oder zum handeln gebracht werden? Diese Frage solltest du klar beantworten können bevor du eine Präsentation aufbaust.

Egal was im Fokus steht — jede Präsentation sollte einer großen Idee folgen. Denn erst wenn das Ziel klar ist, kann man Inhalte zusammenstellen und diese harmonisch zueinander ausrichten. Benötigst du Fakten oder Geschichten? Welche Metaphern machen dein Anliegen verständlicher? Welche Bilder wecken die richtigen Emotionen und werfen die passenden Fragen auf?

Eine Präsentation ist kein Bericht

In dem Buch „resonate“ erklärt Nancy Duarte den speziellen Charakter einer Präsentation. Duarte platziert die Präsentation zwischen einem Bericht und einer Geschichte.

Es ist ein Dilemma, dass die aufgeklärte westliche Welt sich sehr stark an Berichten orientiert. Ich halte das für einen Hauptgrund warum so viele Präsentationen mies sind. Ein Bericht ist sachlich, informativ, ausführlich erklärend bis ins Detail und basiert im Idealfall stets auf Fakten. Der Wille alles wissenschaftlich zu beweisen zieht sich nicht nur durchs Business sondern auch durch die Bildung.

Aber das Motiv ist doch völlig nachvollziehbar? Ja — aber eine Präsentation ist kein Bericht. Man kann einer Präsentation einen Bericht folgen lassen, oder aus einem Bericht eine Präsentation erstellen. Aber die Präsentation unterscheidet sich vom Bericht wesentlich:

Eine Präsentation soll offenlegen, den Zuhörer erleuchten, Informationen vereinfachen, erklären und… jaaaaa verdammt… wir sehnen uns alle nach Interpretationen. Wir wollen einverstanden sein mit der Interpretation des Redners oder ihm widersprechen. Wir wollen unsere Motive und Werte befriedigen oder gegen falsche Werte ankämpfen. Aber, zum Teufel, wir wollen Resonanz!!!

Nur dann entsteht Spannung. Wenn du mich als Zuhörer erreichen willst, dann berühre mich. MAKE ME CARE!

Und deshalb, kann eine Präsentation kein Bericht sein.

Deshalb ist es stark mit dem Standard „PowerPoint“ zu brechen

Ich hatte Eingangs gefragt ob PowerPoint wirklich schuld an miesen Präsentationen sein kann. Ich sage „Nein“ Ich sage aber auch, dass zu oft zu schnell zum Tool PowerPoint gegriffen wird.

Spielen wir ein Assoziationsspiel: Geh zu einem beliebigen Menschen auf der Straße und bitte ihn so schnell wie möglich die ersten fünf Begriffe zu nennen die ihm oder ihr zum Thema „Präsentation“ einfallen. Mit großer Wahrscheinlichkeit nennen sehr viele Menschen den Begriff „PowerPoint“. Wir haben uns daran gewöhnt. Es ist vollkommen selbstverständlich geworden, dass wir Präsentationen in PowerPoint erstellen. Und viele Redner machen sich gar keine Gedanken mehr darüber wie sie die stärken des Tools einsetzen. An diesem Punkt kann PowerPoint einer Präsentation schaden und es kann ein probates Mittel sein wenn man sich überlegt „Wie würde ich ohne PowerPoint präsentieren?“

Genauso geht es den Zuhörern. Auch das Publikum hat sich an PowerPoint-Präsentationen gewöhnt. Wir erwarten sie. Da kann es tatsächlich schon zu einer Spannung führen, wenn das Publikum sich plötzlich mit der Situation auseinandersetzen muss, das es heute keine Folien zu sehen bekommt.

Doch, Hand aufs Herz, dieser Effekt verpufft sehr schnell wenn die Präsentation von Aufbau und Inhalt nicht überzeugen kann. Wird keine Idee verfolgt, keine Ressonanz erzeugt, dann macht es keinen Unterschied ob der Redner PowerPoint-Folien durch klickt, FlipCharts umblättert oder seinen Bericht singt…. obwohl, wenn er singt kann man je nach Talent vielleicht noch ein kulturelles Highlight genießen.

Ohne Vision hilft das beste Werkzeug nichts.

Es ist völlig egal, welches Tool man wählt. Eine schlechte Präsentation bleibt eine schlechte Präsentation UND eine gute Präsentation bleibt eine gute Präsentation. Auch mit PowerPoint.

So neu ist das jetzt nicht oder?

Im Grafikdesign hat sich „Photoshop“ zum Synonym für Bildbearbeitung gemausert. Es gibt viele andere Anwendungen. Je nach Anwendungszweck sind diese sogar besser geeignet. Und wenn Laien mit Photoshop arbeiten kommt nicht immer etwas großartiges heraus. Profis werden mit dem Tool aber stets tolle Ergebnisse liefern.

In der Fotografie gibt es ein Technik-Wettrüsten. Je größer das Objektiv und je mehr Marke auf der Spiegelreflex steht umso besser die Bilder? Es gibt Fotografen die mit einem Smartphone oder mit ganz einfachen Kameras fotografieren. Die Bilder sind trotzdem grandios, weil gute Fotografen wissen wie sie mit Licht, Bildaufbau und Motiv umgehen müssen. Wer sich mit der Idee des Motivs nicht beschäftigt, kann auch mit der tollsten DSLR-Kamera miese Bilder schießen.

Für alle die geile Präsentationen bauen möchten, die eine Idee verfolgen, ihr Publikum verführen und Resonanz erzeugen wollen ist PowerPoint also ein mächtiges Tool.

Deshalb ist PowerPoint mächtig!

Botschaften finden bekanntlich besonders gut Zugang wenn sie über mehrere Sinneskanäle gesendet werden. Präsentationssoftware beherrscht den visuellen und auditiven Sinneskanal besonders gut. Bilder und Videos können eingebunden werden. Folienwechsel und Animationen beleben die Inhalte und führen die Sinne der Empfänger. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt!

Spannung erzielen? Ja bitte: Visuelle Abbildungen und Effekte senden starke Reize. Animationen führen den Zuhörer Stück für Stück durch die Story. Informationshappen werden genau im richtigen Moment preis gegeben. Die Geschwindigkeit bestimmt der Redner.

Auditive Reize unterstreichen Botschaften. Leise Musik im Hintergrund, Vogelgezwitscher beim Plädoir für den Umweltschutz oder eine Sirene bei der Warnung vor Hindernissen. Gezielt eingesetzte Audio-Reize erhöhen die Aufmerksamkeit des Zuhörers.

Zudem sind alle Reize wichtige Anker um Botschaften zu speichern, zu verknüpfen und später wieder abzurufen. Inhalte und Informationen bleiben so viel stärker im Gedächtnis haften.

Dass es in der Welt dort draußen Redner gibt die ihre Folien mit nichts als Fließtext ausstatten… 
Dass du dann mehr mit dem Lesen von komplizierten Schachtelsätzen beschäftigt bist… 
Dass du so weder dem Inhalt noch den Gedanken folgen kannst…

…DAFÜR kann PowerPoint nichts! Schuld ist der Redner.

Du kannst das besser! Nutze die Macht von PowerPoint als Mittel zum Zweck — für deine große Idee. Verzichte auf PowerPoint gezielt an den Punkten wo du mit anderen Mitteln ein stärkeres Erlebnis schaffen kannst. Und natürlich kannst du das alles auch mit FlipCharts, Prezi, Keynote und vielen anderen Präsentationstechniken.