Wie sich unsere WhatsApp-Nachrichten veränderten, seit wir ein Kind haben.

Man kann WhatsApp-Streams exportieren. Aber was soll man damit machen? Speichern, archivieren und irgendwann in 20 Jahren nochmal lesen? Oder analysieren und mal sehen was Nachrichten so über uns verraten.

Philipp Stenglin

Ich habe mich für die zweite Idee entschieden. Inspiriert von dem Blog adashofdata.com habe ich den Nachrichten-Stream zwischen mir und meiner Frau analysiert. Verändern sich WhatsApp-Nachrichten wenn man ein Kind hat? Lässt sich aus den Nachrichten herauslesen ob und wie sich unser Leben verändert hat? Und kann man aus dem Nachrichten-Stream überhaupt auf Lebensgewohnheiten schließen?

Fangen wir an…

Wieviele Nachrichten schreiben wir eigentlich?

Für die Analyse habe ich die 180 Tage vor und nach der Geburt unserer Tochter miteinander verglichen.

Menge der Nachrichten

Keine Ahnung ob wir im Vergleich viele oder eher wenige Nachrichten austauschen. Wenn ich die beiden Zeiträume miteinander vergleiche ist die Anzahl der Nachrichten zwischen uns beiden gesunken. Moment mal, gesunken? Man würde doch vermuten, dass man viel mehr Nachrichten austauscht, wenn neue Lebensumstände eintreten. Wenn Events den Alltag prägen. Der deutliche Rückgang weißt auf ebenso deutliche Veränderungen im Kommunikationsverhalten hin.

Was könnte passiert sein? Nachrichten werden versendet, wenn man räumlich getrennt ist. Was liegt also näher, als der Gedanke, dass ich in Elternzeit direkt nach der Geburt unserer Tochter mehr Zeit zuhause verbracht habe. Insgesamt haben wir in Summe 36% weniger Nachrichten gesendet. Überschlagen würde das darauf hindeuten, dass ich etwa 9 Wochen zuhause war (36% von 180 Tagen). Das setzt aber voraus, dass unsere Nachrichtenfrequenz komplett identisch wäre.

Tatsächlich war ich mit Elternzeit und Resturlaub 8 Wochen zuhause. Verdammt nah dran! Die Aussage „Die Anzahl der Nachrichten zwischen uns ist gesunken“ steht jetzt jedenfalls in einem ganz neuen Licht.

Werfen wir eine Blick darauf wie sich die Nachrichten zwischen uns verteilen. Hier gibt es eine sichtbare Veränderung. Während ich vorher mit 265 Nachrichten vor Kathi mit 227 Nachrichten lag, hat sie jetzt einen klaren Vorsprung. Kathi liegt mit 167 (27% weniger) vor mir mit 148 (45% weniger) Nachrichten.

Wenn die Nachrichten im Schnitt um 36% nachgelassen haben und ich 8 Wochen in Elternzeit zuhause war, dann könnte man jetzt sogar sagen, dass die Anzahl der Nachrichten bei Kathi zugenommen haben. (Ich habe das aber nicht weiter verfolgt. Es erschien mir nicht spannend genug)

Meine Nachrichten haben hingegen deutlich stärker abgenommen als die gemeinsamen 36%. Es muss also auch über die Elternzeit hinaus eine Veränderung gegeben haben. 🤔

Ich interpretiere hier mal hinein, dass Kathi jetzt aktiv mehr Nachrichten versendet die keine unmittelbare Antwort erfordern und gehe der Sache auf den Grund.

Posts mit Bildern

Ein Indiz dafür liefert die deutliche Verändung beim Einsatz von Bildern in WhatsApp. Bisher hatte ich doppelt so viele Bilder verschickt wie Kathi. Auch weil ich, mit der besseren Smartphone-Kamera ausgestattet, immer wieder gemeinsame Bilder weitergeleitet habe. Seit unsere Tochter da ist, sieht das genau umgekehrt aus. Zum Glück. So werde ich auch tagsüber mit den Abenteuern der Kleinen versorgt. Ok, manchmal sind es auch einfach Coupons für den nächsten Einkauf. :D


Ich sehe was, was du nicht siehst

Ich hatte Anfangs die Frage gestellt, ob sich in den Nachrichten auch Anzeichen auf unserern Lebenswandel verstecken. Mit dem Bild, das sich in der nächsten Grafik zeigt, hatte ich so tatsächlich nicht gerechnet.

Zuerst wollte ich einfach sehen, wie sich die Nachrichten pro Uhrzeit verteilen. Um die Menge greifbar zu bekommen kam die Textlänge als Streugröße zum Einsatz. Beim zweiten Hinsehen ist mir dann ein interessantes Detail aufgefallen.

Bei den alten Nachrichten gab es einen Anstieg über den Tag bis 19:00 Uhr. Dann eine deutlich sichtbare Lücke bis etwa 21:00 Uhr. Es war mir in diesem Zeitraum offensichtlich kaum möglich Nachrichten zu senden. Unmittelbar vorher und danach hatte ich aber eine sehr hohe Frequenz. Ein fester Termin! — Außer Haus?!

Ja: Zu dieser Zeit war ich zweimal pro Woche auf dem Fußballplatz.

Bildet man aus den Versandzeitpunkten drei Cluster liegen diese bei ca. 12 Uhr, 17 Uhr und 21 Uhr. Diese Cluster sind aufgrund meines Lifestyles (Arbeit, Hobby) schlüssig und spiegeln die Zeitpunkte zu denen ein höheres Textaufkommen logisch erscheint, erschreckend gut wieder.


WortWahl

Unser beider Lieblingssmilie, 😘 , ist unverändert in den Top-10 der verwendeten Worte vertreten. Als einziger Emoji.

Bei Kathi steht heute das Wort “Wir” deutlich im Vordergrund. Zeitgleich hat sich das gleiche Wort in meinem Vokabular in die zweite Reihe verabschiedet. Das fand ich sehr auffallend.

Bei meinen Nachrichten nehmen Informationen über mich selbst heute einen größeren Anteil ein als früher. Dennoch, das „Wir“ ist nicht verschwunden.

Formulierungen rund um die Worte “ich bin” haben zusätzlich zu Zeitbezügen (“jetzt”, “gerade”, “heute”, “dann”, “gleich”, “Minuten”, “stunden”) stark zugenommen. Ich rede öfter darüber wie sich meine eigenen Pläne ändern, und informiere wann ich nach Hause komme, ob ich noch einkaufe und vieles mehr. Die Masse der Kommunikation scheint kurzfristiger ausgelegt.

(die Zeitbegriffe sind zum Teil in der Wordcloud als StopWords gefiltert)

Die letzten Worte

Erstaunlich was so eine kleine Textdatei doch alles her gibt.

Philipp Stenglin

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