Bitte mutiger, Microsoft!

Es war eher eine kleine Notiz letzte Woche: Die neuen Laptops von Microsoft kommen noch nicht mit dem neuen Stecker-Standard USB-C: Dieser sei noch nicht «bereit für die Masse». Das mag sogar stimmen, denn gleich aussehende, aber anders funktionierende Stecker können verwirren.

USB-C-Stecker. Stöpselt in alle Richtungen. By Wikideas1 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Trotzdem war Apple vor zwei Jahren weniger zimperlich, als sie das damals neue Macbook nur noch mit USB-C-Buchsen (das kleine sogar nur mit einer einzigen!) auslieferten. Man musste sündhaft teure Netzteile und viele Adapter nachkaufen, und der tolle Stolperschutz-Magnetstecker wurde zum Leidwesen vieler Fans geopfert.

Apple hat viel darin Übung, Dinge abzuschaffen: 1998 kam der erste Mac ohne Diskettenlaufwerk, stattdessen nur noch mit CD-, später DVD-Laufwerk. Das wiederum zehn Jahre später gekillt wurde und seitdem nur noch teures Zubehör ist. Und heute zittern alle iPhone-Besitzer, das neue iPhone könnte im Herbst auch auf USB-C setzen, und unsere über die Jahre gewachsene Kabelsammlung des aktuellen Lightning-Steckers plötzlich wertlos machen.

Mit solchen Kabeln schloss man vor 20 Jahren Scanner an. Image: Rainer Knäpper, Free Art License

Denn Adapter nerven, jeden Tag. Aber ich erinnere mich auch noch an die PC-Steinzeit, in der wir serielle, parallele, SCSI-Kabel etc. jonglieren mussten. Den neuen Standard USB-C kann man in alle Richtungen nutzen, also das Kabel wie die Stecker umdrehen – keine Frage, dass das die Zukunft ist, und in ein paar Jahren alle Geräte damit kommen werden. Dann wird sich niemand mehr aufregen, im Gegenteil.

Zugegeben: Vielleicht dauert es noch zehn Jahre. Aber einer muss immer anfangen mit dem Fortschritt. Also, Microsoft, nimm Deinen neuen Mut zusammen, und mach einfach auch mit.

(Auch erschienen am 16. Mai 2017 im «Blick am Abend».)