Das Internet ist für alle

Die digitale Barrierefreiheit in der Mitte der Gesellschaft (reloaded)

(Dieser Artikel erschien ursprünglich auf dem Microsoft Politik Blog. Mit der Zusammenlegung des Microsoft Berlin Blogs ging der Artikel leider verloren. Da ich das Thema aber nach wie vor wichtig finde, erscheint der Artikel jetzt hier und wurde überarbeitet)


Die digitale Barrierefreiheit

Bei digitaler Barrierefreiheit geht es um Zugänglichkeit. Digitale Dokumente und Webseiten sollen möglichst allen Menschen auf möglicht vielen Geräten in möglichst allen Situationen zugänglich gemacht werden.

Hier soll nicht nur eine vermeintlich kleine Gruppe von Menschen mit Behinderung bedient werden, sondern WIR ALLE.

Dabei denke ich z.B. an Situationen, in denen die Nutzbarkeit des Smartphones eingschränkt ist. Sei es durch geringe Bandbreite, laute Umgebung oder ganz banal die volle U-Bahn und nur eine freie Hand.

Hier spielt also sowohl die Vielzahl der Geräte eine Rolle, als auch die verwendete Software und die besonderen Bedürfnisse der Nutzer.

Eine Webseite oder ein PDF soll also ohne große Umstellungen sowohl auf dem PC und Mac als auch mit dem Smartphone, auf dem Smart-TV, mit der Smartwatch und auf anderer zukünftig noch kommender Hardware funktionieren und einfach bedienbar und erlebbar sein.

Warum?

Wir sind es gewohnt, ständig zu kommunizieren
Unsere und die folgenden Generationen machen das meist digital, kaum jemand schreibt Briefe oder telefoniert mehr.

Wir wollen mit unseren Freunden und der Familie in Kontakt bleiben, sprechen uns mit Kollegen in Whatsapp-Gruppen ab und erledigen Kundenbriefings via Facebook-Messenger.

Egal wann und egal wo wir uns und die Gesprächspartner sich gerade befinden.
  • Emails können mit vielen Geräten verarbeitet werden.
  • Whatsapp kann ich bei langen Texten per Webseite steuern.
  • Fast jeder Messenger bietet mehrere Möglichkeiten um auf die Nachrichten zuzugreifen und sie zu bearbeiten.

Weil die Vielzahl der Messenger steigt und der Bedarf nach digitaler Kommunikation mit den Generationen wächst, wird es immer wichtiger, dass immer mehr Menschen in vielen Situationen kommunizieren können.

Auch wenn die Internetverbindung gerade schlecht ist oder im Alter zB die Sehkraft nachlässt.

Das Ganze stelle ich mir wie eine umgedrehte altersbedingte Pyramide vor.

Während meine Eltern und Großeltern noch kaum Bedarf an digitaler Kommunikation hatten, steigt dieser aber von Generation zu Generation.

Ich wünsche mir:

  • Dass immer mehr Entwickler und Firmen dies wahrnehmen.
  • Die digitale Barrierefreiheit nicht mehr nur als Nische gesehen wird.
  • Digitale Barrierefreiheit aus dieser derzeitigen Nische rausgeholt wird.
  • Digitale Barrierefreiheit noch viel aktueller und ernster genommen wird.

Selber machen anstatt zu warten

Eine Webseite wirklich komplett barrierefrei zu machen ist tatsächlich mit Aufwand und Kosten verbunden. Mit ein paar leicht umzusetzenden Punkten können Webseiten aber zumindest barrierearm gemacht werden.

  • Auf das 2-Sinne-Prinzip achten und Inhalte für mindestens 2 Sinne verfügbar machen.
  • Bilder mit Alt-text und Bildbeschreibung versehen. Das geht zB. in WordPress ganz einfach im WordPress Admin Menü.
  • Videos mit Untertiteln versehen. Youtube kann das bis zu einem gewissen Grad sogar automatisch.
  • Einfache Sprache verwenden und Texte gliedern.
  • Überschriften als Überschrift (H1…H2…H3…) definieren und nicht nur fett machen.
  • Überschriften hierarchisch ordnen. Wenige H1, mehr H2, noch mehr H3 etc
  • Aufzählungen wie diese hier mit Aufzählungszeichen anstatt mit -(Minus) umsetzen.
  • Inhalt und Design trennen. So kann z.B. mit einem Wechsel der CSS Daten der Kontrast erhöht werden, Die Schriftart vergrößert oder die Seite ohne Bilder geladen werden.
Übrigens: Wenn Webseiten und Texte für Screenreader optimiert sind, fällt es auch dem Google Roboter leichter die Seite zu verstehen.

Wir, der Stand der Dinge und die Filterblase

Im Netz leben wir alle in Filterblasen. Alles was außerhalb der Blase passiert, bekommen wir oft selten oder gar nicht mit.

Die Blase basteln wir uns jedoch selbst, in dem wir uns aussuchen wem wir folgen, welche News wir abonnieren und welche Freunde bei Facebook wir haben.

Ich folge z.B. bewusst auch Menschen die auf vielen Gebieten eine andere Meinung haben als ich, um meine Filterblase wenigstens ein bisschen zu erweitern.

Nun habe ich selbst eine Behinderung und bin dadurch und durch mein vergangenes Projekt #keinwiderspruch auch mit der Themenwelt der Behinderungen verbunden. Dies spiegelt sich letztendlich auch in meiner Filterblase wieder.

Das Thema der digitalen Barrierefreiheit taucht leider auch noch viel zu oft nur in dieser Behinderungs-Blase auf. 
Dabei ist es meiner Meinung nach ein Thema, das uns alle, egal ob behindert oder nicht, tangiert.

Wir sollten aber aufhören mit dem Egoismus „was geht’s mich an“ und dahingehen, dass wir an digitale Barrierefreiheit denken.

Nicht weil wir müssen, sondern einfach weil wirs können.

Vorgelesen

Diesen Beitrag habe ich auch vorgelesen.