Das Tyler Durden Prinzip

Oder: Wie ein Film mich und mein Leben beeinflusst

Falls du den Film tatsächlich nicht kennst, solltest du ihn anschauen bevor du den Artikel liest. Es könnte sein das der ein oder andere Spoiler im Artikel auftaucht.

Die meisten die mich kennen wissen: Fight Club ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. 
Bestimmt 50 mal habe ich ihn gesehen und trotzdem entdecke ich fast jedesmal noch etwas neues in ihm.

Doch nicht nur das, es ist ein Film der mich immer wieder geprägt und beeinflusst hat und er tut es heute noch.

Der Film

In Fight Club geht es um den namenlosen Protagonisten, der mit seinem Leben unzufrieden ist. Sein Job langweilt ihn und die Tristesse seines bisherigen Lebens treiben ihn in die Schlaflosigkeit. 

Auf einem Flug für seinen Arbeitgeber lernt er Tyler Durden kennen. Die beiden werden Freunde und gründen, neben nächtlichen Fightclubs, das Projekt Chaos.

Tyler ist das das Gegenteil und, zumindest anfangs, Vorbild des Protagonisten. Er lebt in einem Haus, bei dem unklar ist ob er Besitzer oder Besetzer ist, macht was er will und lebt ein Leben mit eigenen Regeln.

Die Persönlichkeiten der beiden sind anfangs sehr verschieden, werden aber im Laufe des Films immer ähnlicher bis sie schließlich eins werden und der Protagonist merkt: Er selbst istTyler Durden.

Trotz seines Alters (Er kam 1999 in die Kinos) ist Fightlub Gesellschafts-, Medien- und Konsumkritik pur und hat nicht an Aktualität verloren.

Der Soundtrack zum Film kommt, bis auf sehr wenige Ausnahmen, von den Dust Brothers und wurde eigens für den Film komponiert und entwickelt. Dadurch kann man ihn ganz wunderbar anhören, auch ohne den Film.

Der Film, bzw das Buch auf dem der Film basiert, hat mich wegen seiner kritischen Auseinandersetzung mit Konsum, Arbeit, Leben etc beeinflusst. Die Kritik wird hauptsächlich durch Zitate von “Tyler Durden” geäußert, ein paar davon möchte ich gerne ausführen.

Tyler Durden

Tyler ist der (Anti)held des Films und Vorbild der Erzähler-Figur. Er lebt in einem herunterkommenen Haus, hat mehrere Jobs, lebt wie er will und hat ganz besondere Ansichten zum Thema Vorbilder, Besitz und zum Arbeitsleben.

Tyler Durden und Arbeit

„Wir arbeiten in Jobs die wir hassen um Geld zu verdienen nur um damit Scheisse kaufen die wir nicht brauchen“

Tyler beschäftigt sich also damit, wie wir arbeiten und macht sich darüber lustig, das wir der Arbeit zu viel Bedeutung geben.
Gerade in der heutigen Zeit, in der es für uns immer wichtiger wird, WAS und WIE wir arbeiten, sind seine Aussagen aktueller denn je.

Vor kurzem habe ich in einer Zeitschrift ein Interview mit einer Freiberuflerin gelesen, die sagte sinngemäß: “warum soll ich einen Job machen, in dem ich so viel Geld verdiene das ich mir einen Urlaub leisten kann, der mich von dem anstrengenden Job erholt? Da arbeite ich lieber weniger, bin entspannter und spare mir den Urlaub”.

Mir hat u.a. Tyler Durden 2010 geholfen, meinen sicheren Job freiwillig zu kündigen um mich selbstständig zu machen und eine Arbeit zu finden, die mich zufrieden und glücklich macht. 
Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

Tyler Durden und Besitz

“Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich”

Tyler beschäftigt sich mit uns als Gesellschaft und damit, welche Werte wir haben.

Vor einiger Zeit habe ich mit einem Bruder des Franziskaner Ordner ebenfalls darüber gesprochen. Dieser Bruder hat sich dazu entschlossen, sämtlichen Besitz abzugeben und dem Orden beizutreten. Ähnlich wie der Protagonist im Film war er unzufrieden und hat sein Leben geändert, in dem er dem Ordnen beitrat.

Mir hilft diese Sichtweise auch immer wieder, wenn ich mir Dinge (nicht) kaufe. Gegenüber meiner Vorliebe für Amazon und dem Drang, mir dauernd irgendwelchen Kram zu kaufen, steht eine gewisse andere Sichtweise auf Dinge und Konsum. Es fällt mir z.B. leicht mich von Dingen zu trennen. Ich neige nicht dazu, viel Besitz anzuhäufen und lebe, zumindest für unsere wohlstandsgesellschaftlichen Verhältnisse, recht genügsam.

Tyler Durden und Zufriedenheit

“Erst wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit alles zu tun”

Tyler beschäftigt sich mit Freiheit, Verpflichtung und damit, wie man zufrieden leben und seinen eigenen Weg finden kann.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Grundeinkommen und habe hier auch schon einige Diskussionen geführt. Meiner Meinung nach ist das Grundeinkommen ein guter Weg, um unsere Gesellschaft wieder ein Stück sozialer und freundlicher zu gestalten und somit auch ein Weg, Frei dabei zu sein was wir tun wollen.

Ich glaube fest daran, dass durch das Grundeinkommen soziale Jobs beliebter werden und wir uns wieder mehr trauen Dinge zu starten und zu initiieren. Also gerade Existenzgründer vermehrt davon profitieren.

Ich glaube, dass viele gute Ideen leider in denSchubladen liegen bleiben, aus Angst davor, nicht zu funktionieren und davor, dann “auf der Straße” zu landen.

Ich glaube, wenn für ein bedingungsloses Grundeinkommen gesorgt ist, brauchen wir keine Angst vor (Existenz)verlust zu haben und trauen uns mehr, Dinge anzupacken.

Was hat das jetzt nun wieder mit Freiheit zu tun?
Meiner Meinung nach ist genau DAS Freiheit. 
Wenn wir, unabhängig von Geldsorgen, gesellschaftlichem Druck oder Existenzangst, die Dinge tun können, die wir wirklich wollen.

Fazit

“Jungs, was würdet ihr gerne tun, bevor ihr sterbt?”

In einer Szene des Films stellt Tyler diese Frage an die Mitfahrer in seinem Auto, während er das Steuer loslässt und langsam in die Gegenfahrbahn rollt.

Immer wenn ich über den Verlauf meines bisherigen Lebens nachdenke und reflektiere, stelle ich mir diese Frage auch so ähnlich; Überlege mir dann, was ich in meinem Leben komplett anders machen würde oder sogar bereue, wenn ich jetzt auf dem “Totenbett” liegen würde.

Das hilft immer wieder bei der Reflektion.

Was würdest du gerne tun, bevor du stirbst?

Weiterführende Links

Auf meinem Blog habe ich einiges zum Thema Arbeit, Besitz, Gesellschaft und Grundeinkommen aufgeschrieben.

Vorgelesen

Diesen Beitrag habe ich auch vorgelesen.