change your habits, change your life

Ich glaube nicht an Zufälle.

Unser gesamtes Leben besteht aus Entscheidungen, die wir treffen, getroffen haben und treffen werden. Verhaltensforschern zufolge treffen wir etwa 20.000 Entscheidungen pro Tag!

Manche davon sind gut geplant, andere sind intuitiv. Putzt du dir morgens die Zähne, hast du eine Entscheidung getroffen. Trinkst du dein Kaffee ohne Milch, hast du eine Entscheidung getroffen. Ziehst du eine Hose oder einen Rock, ah schon wieder eine Entscheidung getroffen.

Alles was du machst ist ein Resultat deiner Entscheidungen.

Ohne Gewohnheiten wäre unser Gehirn überfordert.

Gewohnheiten bestimmen unser Leben-ob sie hilfreich sind oder schaden. Zwischen 30 und 50% unseres täglichen Handelns werden durch Gewohnheiten bestimmen unser Leben, ob wir wollen oder nicht.

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten. Hat sich ein Verhalten einmal eingeschliffen, ist es sehr schwer, es zu ändern, auch wenn wir uns das fest vornehmen. Trotzdem — oder gerade deshalb — können wir uns Gewohnheiten zunutze machen.

Ändere Deine Gewohnheiten, ändere Dein Leben.

Gewohnheiten navigieren uns durchs Leben und sparen uns viel Energie. Aber genau wegen des Energiesparens macht es uns so schwer, unser Verhalten zu ändern. Denn diese Steuerung liegt in einem Bereich des Gehirns, der nicht bewusst kontrolliert wird.

Gewohnheiten sind kleine Süchte. Wenn wir die Erfahrung machen, dass ein bestimmtes Verhalten zu einer Belohnung führt, wiederholen wir es möglichst oft.

Glücklich sein und sich frei fühlen sind eine Belohnung und Radfahren garantiert es 100%.

Ich möchte euch meine Geschichte erzählen und wie ich die Menschen überzeugt habe ihre Gewohnheiten zu ändern, damit sie etwas Gutes für sich selbst und für die Gesellschaft tun können.

Ich glaube in den Menschen und bin sicher, dass wir, die Frauen die Macht haben, die Gesellschaft zu ändern und unser Planet zu retten.

Ich möchte über meine Gewohnheiten sprechen, insbesondere über meine Wahl der Mobilität und Kommunikation.

Die Protagonisten sind ein Fahrrad und ein blog.

Diese beiden einfach aber auch ganz mächtige Gewohnheiten, haben mein Leben komplett geändert. Ich habe meine vielversprechende Karriere wegen Fahrrad verlassen und meinen Traumjob dank meinem Blog geschaffen.

Ich habe wundervolle Menschen getroffen, Dinge getan, die in den Geschichtsbüchern meines Landes geschrieben werden, und die Geschichte endet nicht hier.

Meine Geschichte

Ich wurde in einer großen Metropole mit über 4 Millionen Einwohnern geboren. Die Stadt wurde vor 8000 Jahren gegründet, Straßen waren die Treffpunkte für Menschen, für den Handel und für den kulturellen Austausch. Die Menschen bewegten sich zu Fuss oder mit Pferden. Dann kamen die Autos vor ungefähr 100 Jahren und besetzten alles, einschließlich unseres Lebens.

Die Invasion der Städte durch Autos beschäftigte mich nie, bis ich anfing zu radeln. Es hat alles in Heidenheim angefangen. Eine Bekannten von mir hat mir ein Fahrrad geschenkt.

Ich radelte in die uni, 800 meter weit von meiner Wohnung, um 1 minute länger zu schlafen.

Dann radelte ich zur Supermarkt weil ich mit dem Fahrrad mehr sachen tragen konnte und nicht jeden Tag einkaufen gehen musste. Eines Tages war es sehr heiss, ich radelte zur See.

Jedesmal dachte ich “ich kann doch nicht so weit weg mit dem Rad kommen”, und jedes mal habe ich gesehen dass man doch machen konnte.

Nach einem halbes Jahr, ich sagte: “Mit dem Fahrrad komme ich überall hin.”

Diese Erfahrung prägt mich bis heute.

Ich und mein Freund Paolo (es ist heute mein Mann), liebten reisen und wir sind durch viele Länder geradelt. In der Zeit lebten wir in Nürnberg.

Mit der Langsamkeit entdeckte ich viele schöne sachen. Mit jedem Pedalzug begann ich, die Straßen, meine Nachbarschaft, meine Stadt, die Länder, die ich bereiste zu verstehen und zu lieben. Ich entwickelte eine Bewusstsein unsere Natur gegenüber.

Ich will die Natur schützen weil ich sie jetzt kenne und mich in die verliebt habe.

Radfahren ist etwas einzigartiges. Ich kann nur mit meiner eigenen Stärke weitergehen. Wenn ich nicht kann, kann das Rad auch nicht mehr. Ich habe angefangen mein Körper besser zuzuhören, zu schützen und zu lieben.

Ich achtete auf was ich zu essen kaufte, wie ich kochte, wann ich esse. Ich fing an die etikette meiner kleider zu schauen, ich wollte wissen wo sie herkamen. Ich kaufte weniger Klamotten, weniger schuhe und meine Garderobe wurde leichter, auch mein leben.

Im 2011 habe ich und mein mann haben unsere Jobs verlassen. Haben alles außer unsere Bücher verkauft oder verschenkt; zwei Flugtickets nach Süd Amerika gekauft. Wir waren für ein halbes Jahr mit dem Fahrrad unterwegs.

Ende unserer Reise sind wir in die Türkei umgezogen. Er sprach kein Türkisch und ich müsste für uns viele Entscheidungen treffen. Meine Gewohnheiten halfen mir: ich haber eine Wohnung in der Fußgängerzone (wir hatten und wollten kein auto) gesucht und entschied mich für den ersten stock (unsere teure Fahrräder müssten jeden Tag hoch geschleppt werden). Ich habe mich nur bei den Jobs beworben wo ich zur Arbeit zu Fuss oder mit dem Fahrrad gehen konnte, ich kaufte alles in unsere Viertel.

Ich radelte jeden Tag in Izmir. Fahrrad gab mir die Möglichkeit in meiner Heimatstadt neue Sachen zu entdecken. Alles was schön war, habe ich fotografiert und im Facebook geteilt. Alles was nicht so schön war so wie Löcher auf der strasse, fehlende Verkehrszeichen für Radfahrer etc habe ich an die Gemeinde geschrieben.

Ich habe einen blog gestartet.

Jeden Tag schrieb ich ein post über Radfahren in der Stadt. Ich erzählte wie man sich anziehen sollte wenn man zur arbeit radelt, oder wie man ein Radtour fürs Wochenende plant, oder wie man sich den richtigen rad aussuchen kann. Dann schrieb ich über autofreies leben, warum wir von tante-emma-laden einkaufen sollen, wie man mit rad fahren viel geld spart und so weiter. Mein blog wurde von tausende Leute gelesen.

In Izmir gab es nicht so viel Radfahrer und es war schwierig die Gemeinde dazu zu bringen rad Infrastruktur zu bauen.

Ich brauchte mehr Leute auf dem rad. Mehr Menschen auf Fahrrädern würden uns die Macht geben, Druck auf die lokalen Behörden auszuüben.

In vielen auto orientierten Städten ist es schwierig, das Radfahren im Allgemeinen zu fördern, aber noch schwieriger, Frauen dazu zu ermutigen, die Freiheit des Radfahrens zu erleben.

Entmutigende Einstellungen mindern die Chancen von Frauen auf Arbeit, Bildung oder Gesundheit.
Mehr Radfahren bedeutet mehr Freunde und Bewegungsfreiheit / Reisen / Partizipation.
Wenn ich nur Frauen zum Radfahren überreden könnte, dann würde der Rest der Stadt das Gleiche tun.

Lass uns Frauen sein, lass uns einfach wir selbst sein.

Wie kann man Frauen zum Radfahren bringen, wo sie sich nicht sicher fühlen?

Gemeinsame Fahrradtour? Etwas super kurz und einfach. Ohne teure Fahrräder, Ausrüstung und Kleidung?

Meine Nachbarin Sema Gür, hatte eine tolle idee!

Im 2013 wurde Fancy Women Bike Ride geboren: No lycra and no performance.

Wir wollten mit Freizeitkleidung das Radfahren zu normalisieren.

Das erste Frauen-Event hat einen einladenden Raum für Frauen geschaffen. Der aufkommende soziale Konservatismus in der Türkei hatte negative Auswirkungen auf den öffentlichen Status und die Freiheit der Frauen.

Radfahren ist ein starker Weg für die Sichtbarkeit von Frauen im urbanen Raum. In den folgenden Jahren erkannten Frauen das Potenzial des Fahrradfahrens als Mittel, sich auszudrücken und zu befreien.

Das Event überwand den Unterschied wie Klasse, Religion, Ideologie. FWBR wurde eine Frauenbewegung und wurde zu einem gewaltfreien Protest.

Statt eines politischen Manifests haben wir gesagt, lächeln, und winken Sie zu Fremden.

Schwesternschaft und Solidarität zusammen mit Social-Media-hat uns geholfen in mehrere Städte das event zu organisieren.

Heute, nach dem 6. Jahr der Veranstaltung, arbeiten Frauen aus verschiedenen sozioökonomischen Schichten daran, das Bewusstsein für Fragen im Zusammenhang mit Frieden, Frauenrechten, Umwelt und Gesundheit zu schärfen.
Freiwillige organisieren kostenlose Trainings und Kurse und sie lehren Frauen radfahren. Sie organisieren, Festivals, Touren, für kinder und für die senioren.

Einige Frauen geben Inspiration Talks an den Universitäten, einige öffneten Fahrrad shops.

Mit dem Rad sind Frauen im Alltag unabhängig unterwegs. Mit dem Fancy Women Bike Ride machen die Teilnehmerinnen einander Mut, weiterhin durch die Städte zu radeln. Außerdem zeigen wir der Gesellschaft: Wir sind Frauen und wir sind viele.

Je mehr Frauen Fahrrad fahren, desto mehr Frauen werden zum Fahrradfahren ermutigt.

Warum tue ich das?

Fahrrad erweitert den Handlungsspielraum der Frauen und bietet ihnen mehr Freiheit im Alltag. Fancy Women Bike Ride ist auch eine Anforderung für mehr selbstbestimmte Mobilität von Frauen.

Zeit Online : Fahrrad Gleich Freiheit, von Andrea Reidl