Als der Torsten der Moni die Mütze geklaut hat …

Der Tragödie erster Teil

Bevor ich zu Plan B schreite, muss ich mich mal etwas ins rechte Licht rücken. Es gibt da dunkle Seiten an mir, die muss ich mal unverklausuliert literarisch verwursten. Die Zeit ist wahrlich reif dafür.

Es ist etwas aus meiner Kindheit. Nein, nicht sowas. Also jetzt nichts für Hobby-Psychologinnen. Passt aber zu PLAN A. Ich war als Kind und junger Heranwachsender manchmal echt ein Arsch. Die Liste der Mädels, die ich pubertär und unbeholfen, grob und dumm, geärgert habe, ist echt lang. Ich war einer von der Sorte: was sich liebt das neckt sich. Ist das aber einseitig, dann gewinnt das Necken Oberhand. Und bleibt letztlich übrig. Aber dumme, kleine Jungen erkennen keinen Teufelskreis.

Naja — das war ja dann irgendwann anders. Ich bin ja jetzt kein dummer, pubertierender Doofmann mehr. (Auch wenn das immer noch einige ganz wenige Frauen behaupten). Da es aussichtslos wäre, ich aber der Dorfpoet mit dem verinnerlichten Sisyphos bin, versuche ich gar nicht erst, diese Liste abzuarbeiten.

Aber ein Statement muss ich abgeben. So pauschal. Es könnte als Erklärung dienen. Eigentlich wollte ich damit angeben, dass ich Simone de Beauvoir gelesen habe und weiß, welchen Schaden ich angerichtet habe. Aber damit habe ich bereits des Öfteren hier geprotzt. Nee, das ist kontraproduktiv.

Nicht, dass ich glaube, eine der Damen würde das hier lesen. Aber die Nachwelt muss wissen, was im Winter 1978 im Kindergarten in Troisdorf-Oberlar passiert ist, was ich bis heute für mich behalten habe und was meinem “Necken” einige Jahre später eine recht derbe Motivation mitgegeben hat.

Im Winter 1978, an irgend einem Tag, es hatte geschneit, da war unsere Kindergartengruppe draußen zum Schneemann bauen. Da hat Torsten der Moni die Mütze geklaut. Meiner Moni. Torsten wohnte im Nachbarhaus und heute würde man bei ihm ADHS diagnostizieren. Er konnte nicht ruhig sitzen, er war immer aktiv und zur Not ärgerte er seine Mitwelt.

Moni war meine Freundin. Eine Beziehung die tatsächlich nicht an mir, sondern an der unterschiedlichen Auswahl der dem Kindergarten nachfolgenden Grundschule durch die Eltern scheiterte.

Im Winter 1978 war es kalt. Moni frierte. Weil Torsten ihr grobmotorisch die Mütze geklaut hatte. Und Torsten rannte wie ein Depp über den kleinen Spielplatz des Kindergartens, seine Beute triumphierend schwenkend. Diese Tragödie wurde von keiner Kindergärtnerin beobachtet und verhindert.

Das eigentliche Drama aber spielte sich in mir ab. Ich glaubte später, ich hätte einen flehenden Blick der weinenden Moni gesehen. Ein stumme Aufforderung ihr zu helfen, ihr ihre Mütze wiederzuholen. Und was hab´ ich gemacht?

Nichts.

Gar nichts.

Ich war ein erbärmlicher Feigling. Das Gezeter und das Ungestüme von Torsten haben mich wohl gehemmt. Es war keine Angst, aber es war wohl das ultimative Neuland zum ersten Mal geforderter, unbändiger Männlichkeit — ein Terrain, auf dem ich mich erst sehr viel später, blind und zielsicher … OK, lassen wir das ;-)

Es hätte also einer gewissen Männlichkeit bedarft, dem Treiben von Torsten Einhalt zu gebieten. Aber ich habe es nicht getan.

So weit, so gut.

Das Unglaubliche, was danach geschah, etwas, dass ich noch nie zuvor erzählt habe, absolut Niemandem, das …

… erzähle ich im nächsten Posting ;-)