Die Flüchtlinge müssen für alles herhalten
Seit rund einem Jahr beherrscht die „Flüchtlingskrise“ die Medienlandschaft. Einige Politiker nutzen sie für Hetzkampagnen oder zumindest für rigorose Diskussionen mit anderen Parteien. Doch welche Aspekte gehen hierbei verloren?
Mittlerweile wird vergessen, dass die Bevölkerung Österreichs zu einem guten Teil von Immigranten, also ehemaligen Flüchtlingen, abstammt. Unsere (Ur-)Großeltern wissen aus eigener Erfahrung, wie es im Krieg war und warum viele Menschen ihr Land verlassen haben und in ein anderes geflohen sind. Wenn Kriege und Tyrannei das Leben im eigenen Land nicht mehr lebenswert machen und sich Betroffene zu Hause verstecken müssen und um ihr Leben fürchten, bleibt oft nur ein Ausweg. Dies war im Zweiten Weltkrieg auch bei uns in Österreich der Fall.
Die EU und insbesondere Deutschland und Schweden gelten derzeit dabei als beliebtes Ziel für Asylsuchende. Die Anzahl der Flüchtlinge pro Tag, die im Sommer 2015 über die Grenze in Spielfeld und weiter nach Deutschland wollten, war enorm. Es ist somit verständlich, dass dies zu logistischen Problemen führen musste. Meiner Meinung nach hat hierbei die österreichische Politik komplett versagt. Wichtige Maßnahmen wurden nur langsam umgesetzt oder zu Tode diskutiert. Oft gab es zu wenig Busse für den Transport und viele Menschen versuchten, zu Fuß weiterzukommen anstatt auf einen geregelten Transport zu warten. Es wurde viel zu langsam gehandelt und ein Grenzzaun als „die Lösung“ für alle Probleme propagiert.
In den Medien wird im Zusammenhang mit der Asylkrise oft über Sachbeschädigung und Einbruch berichtet, oft sogar über Vergewaltigung1. Auch wenn dies keinesfalls zu tolerieren ist, sollte man sich darüber Gedanken machen, warum es zu solchen Situationen kommt. Und noch viel wichtiger ist es, zu hinterfragen, ob die Berichterstattung über diese Vorfälle auch wirklich objektiv und wahrheitsgemäß ist. Viel zu oft werden Taten überspitzt formuliert und aus einem kleinen Missverständnis wird eine sexuelle Belästigung. Im Fall der vermeintlichen Plünderungen im Oktober 2015 in Spielfeld / Südsteiermark, ist es nur schwer möglich, herauszufinden, ob diese nun tatsächlich stattgefunden haben oder nicht2. Dies geht mittlerweile sogar so weit, dass aufgrund schlechter Recherche Flüchtlinge für Verbrechen verantwortlich gemacht werden, die aber gebürtige Österreicher begangen haben.
Während die meisten Zeitungen noch seriös bleiben, geht es in den sozialen Medien und Foren zu wie im wilden Westen. Bilder von Müllkippen werden mit reißerischen Headlines versehen und als Hetze gegen Flüchtlinge genutzt. Besonders pikant ist hierbei der Fall der sexuellen Übergriffe in Köln im Dezember 2015. In den Medien wurde es so dargestellt, dass Massen von Asylanten Frauen sexuell belästigt hatten. In Wahrheit war diese Aktion ein Terroranschlag, der die europäischen Frauen „entwürdigen“ sollte.3
Zusammenfassend muss ich sagen, dass es äußerst wichtig ist, Medien und vor allem auch Meldungen in sozialen Netzwerken kritisch zu hinterfragen.
Peter Beck
- Vgl. http://www.kleinezeitung.at/s/steiermark/chronik/4855634/Fluchtlinge_15-Geruchte-auf-dem-Prufstand (27.03.2016) ↩︎
- Vgl. http://derstandard.at/2000024465822/Polizei-dementiert-Geruechte-zu-Pluenderungen-Von-diesen-Leuten-geht-keine (27.03.2016) ↩︎
- Vgl. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016–01/koeln-silvester-sexuelle-uebergriffe-raub-faq (27.03.2016) ↩︎