Maulid an-Nabī — Geburtstag des Propheten Muhammad (saw)

Maulid an-Nabī (türkisch: Mevlid Kandili) ist ein muslimischer Gedenk- und Feiertag. Er bezeichnet die Nacht vom 11. auf den 12. Tag des islamischen Monats Rabīʿ al-awwal. Es wird angenommen, dass der Prophet des Islam, Muhammad (saw), in dieser Nacht geboren wurde.

Muslim*innen in aller Welt begehen diesen Geburtstag traditionell mit Feierlichkeiten und speziellen Programmen. In einigen Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung, wie Indonesien, ist dieser Tag sogar ein Staatsfeiertag. Auch in Deutschland wird der Maulid an-Nabī von Muslim*innen feierlich begangen und mit besonderen Veranstaltungen und Programmen begleitet. Dabei ist der Maulid an-Nabī allerdings kein “echter” Feiertag.

Die Prophetenmoschee (Masdschid an-Nabawi) in Medina (Saudi-Arabien).
Die Prophetenmoschee (Masdschid an-Nabawi) in Medina (Saudi-Arabien).
Die Prophetenmoschee (Masdschid an-Nabawi) in Medina (Saudi-Arabien).— Photo by Adli Wahid on Unsplash

Ursprung des Maulid an-Nabī

Wörtlich bedeutet Maulid in seinem arabischen Ursprung so viel wie Geburt, Geburtszeitpunkt und Geburtsort. Heute wird mit dem Begriff Maulid oft der Geburtstag des Propheten (saw) bezeichnet. Veranstaltungen zum Geburtstag des Propheten (saw), in diesem Zusammenhang geschriebene Werke (z. B. Gedichte) und das Geburtshaus des Propheten (saw), werden ebenfalls als Maulid bezeichnet. Außerdem werden verschiedenste Veranstaltungen wie zur Geburt, zum Tod und zu Hochzeiten in manchen Ländern als Maulid bezeichnet.

Erste Überlieferungen über Feiern anlässlich des Propheten (saw) finden sich erst im 11. Jahrhundert. Die Maulid-Tradition ist damit erst nach dem Tod des Propheten Muhammad (saw) entstanden. Es wird angenommen, dass die Dynastie der Fatimiden als erste die Tradition des Maulid an-Nabī starteten. Später wurde der Brauch auch von sunnitischen Herrschern und vom Volk übernommen und praktiziert.

Kritik am Maulid an-Nabī

Maulid-Veranstaltungen wurden, obwohl sie (ursprünglich) im Islam nicht vorhanden waren, als religiöse Elemente hinzugefügt. Aus diesem Grund sind Maulid-Veranstaltungen an sich eine Neuerung und rechtstheoretisch betrachtet, als Bidʿa zu bezeichnen. Den Maulid so zu begehen, als sei er eine religiöse Pflicht, ist nach herrschender Meinung der Gelehrten verboten (haram).

Allerdings bedeutet dies nicht, dass man den Maulid grundsätzlich nicht begehen darf. So gibt es unter den muslimischen Gelehrten diesbezüglich eine Meinungsverschiedenheit (ikhtilaf). Einige Gelehrte lehnen den Maulid kategorisch ab (oftmals sind diese Gelehrten dem salafistischen Spektrum zuzuordnen), während weitaus mehr Gelehrte der Ansicht sind, dass es nicht verboten sein kann, den Maulid an-Nabī zu begehen, solange alles im islamischen Rahmen bleibt.

Kommerzialisierung wird zunehmend zum Problem

Befürworter haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass man den Maulid zum Anlass nehmen kann, den Propheten (saw) besser kennenzulernen und auch die Liebe zum Propheten (saw) zu stärken (was laut Koran eine Pflicht für jeden Muslim ist [4:80; 3:31]). So lautet eine weitverbreitete und kolportierte Ansicht, dass Maulid-Feiern ein Anlass seien, um die Herzen miteinander zu verbinden.

Seit einiger Zeit gibt es allerdings auch vermehrt und verstärkte Versuche den Maulid an-Nabī zu kommerzialisieren. So werden anlässlich des Geburtstages immer mehr Produkte vertrieben, die im Zusammenhang mit dem Propheten (saw) stehen sollen. Verschiedene Geschäftemacher zelebrieren den Maulid als religiöses Event. Es gibt auch Medien, die den Maulid zum Anlass nehmen besondere Programme für Muslim*innen aufzusetzen. Manche Moscheen übertragen Maulid-Veranstaltungen mittlerweile sogar live in die ganze Welt. Diese Form der Kommerzialisierung wird jedoch abgelehnt und scharf kritisiert. Sie stört aus vielerlei Sicht den spirituellen Aspekt eines solchen Tages.

Bedeutung der Geburt des Propheten Muhammad (saw)

Die Geburt des Propheten (saw) hatte nach islamischer Lehre auch besondere Vorfälle zur Folge, die als „Wunder“ betrachtet werden. So sollen die Säulen im Bogen des Chosrau (Taqe-Kisra; Ktesiphon) gerissen, das Tausend Jahre brennende Feuer der Feueranbeter erlöscht sein. Ebenfalls wird berichtet, dass die Frauen, die bei der Geburt des Propheten (saw) dabei gewesen sind, Zeugen wunderlicher Dinge geworden sein sollen.

Es wird angenommen, dass die Zeichen bei der Geburt des Propheten (saw) so zu deuten sind, dass sie auf das bevorstehende Ende bestimmter Herrscher und Dynastien hingewiesen haben. Zugleich wird der Prophet Muhammed (saw) im Koran al-Karim als “Barmherzigkeit für alle Welten” [21:107] bezeichnet.

Wie wird der Maulid an-Nabī in Deutschland begangen?

Auch in Deutschland hat sich eine gewisse Tradition für den Maulid an-Nabī etabliert. Maulid bedeutet in vielen Moscheen in Deutschland, dass besonders zum Nachtgebet ein spezielles Programm durchgeführt wird. Muslim*innen nehmen sich für solche Veranstaltungen Zeit, um dabei zu sein. Der Hintergrund ist, dass der Maulid an-Nabī für viele auch ein willkommener Anlass ist, wieder in die Moschee zu gehen und alte Bekannte und Freunde zu treffen.

Bei den meisten Programmen wird aus dem Koran al-Karim rezitiert, es wird eine Predigt über den Propheten (saw) und seinen edlen Charakter gehalten, es gibt ihn preisende Gedichte, religiöse Gesänge (nasheed) und das Gebet wird in der Gemeinschaft verrichtet. In manchen Moscheen wird das Gebet Salât At-Tasbîh verrichtet, manche verrichten auch das Qiyam al lail (Nachtgebet) in der Gemeinschaft. Außerdem gibt es in manchen Moscheen auch Dhikr-Runden (Gedenken an Allah).

Muslimische Religionsgemeinschaften in Deutschland nehmen den Maulid an-Nabī außerdem zum Anlass, sich mit einem Grußwort öffentlich zu Wort zu melden und dabei auf das Vorbild des Propheten Muhammad (saw) hinzuweisen.

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