Die Tiere der heutigen Zoos sind nicht mehr von Beton und Eisen umschlossen, sondern von viel saftig grünen exotischen Pflanzen, Wassergräben und künstlichen Felsen (mal abgesehen vom Tiergarten Mönchengladbach, wo die öffentlichen Gelder wohl eher ins Fussballstadium fliessen und daher eher Animal Alcatraz benennt werden sollte). Ich gehe nicht mehr ins Affenhaus, sondern tauche in das abenteuerliche Pongoland ein. Das Licht ist leicht gedämmt, die Luft warm und feucht vermischt mit dem Duft von wilden Tieren und vor allem derer Ausscheidungen. Auf dem Tschungelpfad herrscht sowohl hinter als auch vor der Glasscheibe emsiges Treiben. Menschen drängen sich nach vorne, denn jeder will seine Vorfahren möglichst genau begaffen. Interessant auch die Kommentare:
Iiii, schau mal dem sein Arsch an (nein, es sind keine Hämorrhoide sondern die Sexualschwellung der Gesässregion)
Siehst du Maxli, die Affen essen auch grünes Gemüse.
Dann fliegen plötzlich Bananen, Tomaten, Kiwis und viele andere Früchte gezielt durch die Luft. Fütterungszeit. Das Treiben wir hektischer und lauter. Der Nachbars-Schimpanse ist unzufrieden, ein lautstarkes Brüllen und Klopfen folgen, welches sofort verstummt, sobald der Gute auch seine Ration Vitame bekommt.
Jung und alt, arm und reich… alle sind im Zoo
Ich erlaube mir an dieser Stelle einen kurzen Kommentar zu den sozialen Strukturen der Zoobesucher: Von 0-90 trifft man jeden an, ob arm oder reich, single, verheiratet oder frisch verliebt. Da sind randalierende Schulklassen, welche froh sind, dass sie nicht im Schulzimmer sitzen müssen, aber den ausgestellten Tieren kaum die nötige Aufmerksamkeit zeigen. Weiter beobachte ich erstaunliche viel Homo Sapiens Amore: Obs der Schicki-Micki Mann mit der geschleimten Gel-Frisur mit seiner blonden Tussi ist, oder der verträumte Student mit seiner Freundin, oder das junge Milchgesicht mit seiner viel reifer wirkenden ersten Freundin ist: Alle sind im Zoo, aber Augen für die Tiere haben sie nicht und verbringen mehr Zeit auf der Bank im Schatten mit Knutschen oder vor der Schachtel Pommes mit einer Curry Wurst.

Die einzigen, welche wirklich ins Pongoland eintauchen und mit Herz und Seele mitfiebern sind die Kinder und ihre Eltern, sowie die paar Nerds, welche mit grossen Kameras und überdimensionierten Objektiven herumlaufen. Das blinzelnde Krokodil und die züngelnde, schlängelnde Schlange sind Highlights und wenn die Seehunde dann noch Purzelbäume im Wasser machen, ist das Glück komplett.
Unklar bin ich mir bezüglich der zahlreichen alten Leute: Kommen die, um sich an grossen Kinderscharen zu erfreuen und dabei wieder ein Stück Jugend zu kosten oder sind es die vielen bunten Farben und Formen der unterschiedlichen Tiere, welche die alten Leute magisch in den Zoo ziehen?
Der Zoo als Vergnügunspark
Zahlreiche Kinderspielplätze laden zum Verweilen und Spielen ein. Wie soll das gutmütige Vaterherz da dem Wunsch nach einem kalten Eis widerstehen, welches zufälligerweise gerade neben dem Spielplatz verkauft wird. Dank den vielen Imbissbuden, Getränke- und Erfrischungsstände werde ich sicher nicht hungrig nach hause gehen und falls doch, dann wenigstens mit noch ein wenig Geld im Geldbeutel, denn besonders günstig sind diese Fressalien nun nicht gerade. Natürlich tuckert für einen kleinen Aufpreis irgendwo noch die kleine Eisenbahn durch den Zoo, die Ponys verlocken kleine angehende Prinzessinnen zu einen paar Runden als “Reiter Prinzessin” und der Souvenirladen liegt unübersehbar beim Zooausgang- und Eingang. Auch hier: Die Tiere brauchen Futter und der Zoodirektor den Audi.

Der Zoo, unser Freund und Helfer
Der westliche Flachland Gorilla haust im Pongoland. Das Ostafrikanisches Spitzmaulnashorn durchwandert zusammen mit der Strahlenschildkröte die Afrikanische Savenne. Alle drei haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind vom Aussterben bedroht und werden freundlicherweise mittels Zuchtprogramm am Leben gehalten.
In fast 60 weltweiten Zuchtprogrammen engagieren wir uns für den Artenschutz. Durch Auswilderungsprojekte mit Beteiligung des Zoo Leipzig sind zum Beispiel Uhu, Steinkauz, Przewalskipferd und Säbelantilope heute wieder in ihren ursprünglichen Lebensräumen zu finden. [Webseite, Zoo Leipzig]
In Zukunft werde ich daher kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn mich zwei Studenten, im Pandalook für eine Mitgliedschaft beim WWF anwerben wollen, denn ich besuche regelmässig den Zoo und unterstütze dadurch vom aussterben bedrohte Tierarten.
Eine Win Win Situation: Die Tiere dürfen freundlicherweise in die Archen, um die Flut an Wilderern und Umweltverpestungen zu überleben, die verliebten Paare haben ein einfaches Date, die Kinder ihren Spass, die Väter ihre Ruhe und der Zoodirektor seinen Audi. Akte geschlossen.
Geld, Geschäft und schöne Autos
Hand aufs Herz. Der Grund für einen Zoo ist nicht der Umweltschutz und die Arterhaltung, sondern das Geschäft und Unterhaltung. Ein Glück für jeden Zoodirektor mit Audi, dass dieses Geschäft noch ein moralisch verträgliches Nebenprodukt abwirft.
Sicher werden alle Zoos geschlossen, sobald die ganzen “Naturprobleme” gelöst sind. Dann gehts den Tierchen draussen in der Natur wieder gut, der Riff-Fisch muss sich nicht mehr um verschmutztes Wasser, sondern den nächst grösseren Fisch sorgen und der Löwe badet tagelang in der Sonne ohne einem Wilderer vor die Flinte zu kommen.
Anstatt in den Zoo gehen wir ins iMax und begaffen dort die Tiere. Sofern das iMax dann auch noch ein paar Liebessessel einbaut, sind auch die Romantiker zufrieden.
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