Grenzerfahrung
Da ist diese Schwere, die Du mitbringst. Sie war schon da, als wir uns näher kennenlernten. Diese Ernsthaftigkeit mit der Welt, die mich faszinierte an Dir. Aber mehr und mehr gewann ich den Eindruck, dass sie einen zu großen Teil von Dir beeinflusst; Deinen Charakter.
Nun ist es eine Depression, eine kleine sagst Du (geworden, vielleicht in Andeutung schon gewesen). Du willst allein sein mit ihr, schreibst Du, dies sei gut so, aber zugleich wünschst Du dir einen Verbündeten.
Eine schwierige Kombination.
Als Du Ende vergangenen Jahres zu mir kamst, fragtest Du dich laut: Wer wird später für mich da sein? Ich hätte es sein können. Aber nicht so, wie es jetzt ist.
Da ist sie wieder, deine Grenze:
Guck mal, was hier bei mir alles los ist, aber komm nicht näher!
Dinge bleiben verborgen, von denen es mir wichtig wären zu wissen: Willst Du dich schützen davor, jemand wegen seines Wissens über Dich ausgeliefert zu sein? So wie früher, als Du dich entgegen Deiner Eltern durchgekämpft hast. Als Dich dein langjähriger Freund für eine andere verließ. Du hattest ihm doch alles Dir mögliche gegeben!
Ich spürte eine solche emotionale Schwere ebenso und dachte, wir könnten uns gegenseitig entlasten. Es hat nicht geklappt. Nun bin ich woanders, aber komme von Dir nicht los. Keine Verhandlungen mehr.
Ich möchte Leichtigkeit zwischen uns, so stelle ich mir das vor. Schon allein dass ich Dir dies schreibe ist eine Verhandlung. Die Realität zwischen uns sehe ich anders. Was auch immer diese Verkettung verursachte, die zu unserer Trennung führte.