Kontrollverlust
Berlin quillt über vor Leben, die ganze Stadt fließt. Bei unserer ersten Begegnung hatte mich Maria gefragt, ob ich nicht Probleme hätte, mich und meine Orientierung hier nicht zu verlieren, nicht dahin zu treiben.
Es war ein interessanter Gedanke, weil ich das vorher nie so gesehen hatte.
Als ich darüber nachdachte, wurde mir klar, dass es wohl sehr verlockend ist, den Blick einfach in den Himmel auf die Wolken zu richten, nicht mehr stromaufwärts, -abwärts, oder zu den Ufern hin. Ankerpunkte nicht bewusst anzusteuern und zu nutzen, sondern hängenzubleiben. Leben einfach passieren zu lassen.
Ich habe das lange Zeit gar nicht getan. Ich sah es als Schwäche, als ungewollte Ablenkung von dem, was ich hinter jeder Flussbiegung vermutete. Das hat sich geändert und ich bin froh darüber.
Trotzdem: Das Eingeständnis, dass die vermutete Schwäche nicht grundsätzlich eine ist, verändert mich. Ein Prozess, der mir das Gefühl der Kontrolle entzieht. Nicht einfach zu akzeptieren.