Edward de Bono: Lateral Thinking

Beim Lesen von Carol Dwecks Buch Selbstbild bin ich auf den Klassiker „Lateral Thinking“ von Edward de Bono aufmerksam geworden. Bei der Lektüre wird einem sehr schnell klar, dass laterales Denken und ein dynamisches Selbstbild viele Gemeinsamkeiten haben. Ein dynamisches Selbstbild beruht auf der Fähigkeit stets Hinzuzulernen sowie der Erkenntnis, dass man durch kontinuierliche harte Arbeit vieles erreichen kann in seinem Leben und die Wege nicht bereits vorgezeichnet sind. Laterales Denken ermöglicht es einem festgefahrene Pfade zu hinterfragen und zu verlassen. Durch die Fähigkeit lateral zu denken, werden Alternativen generiert und unsere bestehenden Denkmuster auf die Probe gestellt.

Edward de Bono wurde 1933 geboren und hat Medizin und Psychologie studiert. Bis heute hat er über 80 Bücher veröffentlicht und gilt als eine der führenden Persönlichkeiten für kreatives Denken.

Das Buch „Lateral Thinking“ ist 260 Seiten lang und ist in 26 Kapitel eingeteilt, die 2 bis 35 Seiten lang sind. De Bono hat es als Übungsbuch konzipiert, dass man über Monate oder sogar Jahre durcharbeiten soll. Im ersten Teil beschreibt de Bono den Unterschied zwischen lateralem und vertikalen Denken und warum laterales Denken benötigt wird. Anschließend geht er auf die Techniken des lateralen Denkens ein und beschließt jedes Kapital mit entsprechenden Übungsvorschlägen. Das Üben des lateralen Denkens steht dem Autor über dem Verständnis des zugrunde liegenden Prozesses.

Mit dem Buch will de Bono aufzeigen, dass laterales Denken ein Grundbaustein unseres Denkens ist, dass man ebenso trainieren sollte wie das vorherrschende vertikale Denken.

Laterales und vertikales Denken schließen sich dabei nicht aus, sondern sind vielmehr zwei Seiten der gleichen Medaille. Es ist notwendig beide Denkarten zu nutzen, um das Beste aus den gesammelten Informationen zu machen. Das menschliche Gehirn sucht bei der Informationsverarbeitung stest nach bekannten Strukturen und Mustern, um die Dinge einzuordnen, zu bewerten und in einen bekannten Kontext zu stellen. Neue Informationen werden versucht mit den vorhandenen Mustern, dem vorhandenen Wissen in Einklang zu bringen. Die vorhandenen Muster werden dadurch bestätigt oder weiterentwickelt. Das laterale Denken hingegen ist notwendig, um die vorhandenen Denkmuster neu zu ordnen (insight) bzw. völlig neue Denkmuster anzuregen (creativity).

Laterales Denken ist kein Angriff auf das primär vorherrschende vertikale Denken, sondern eine Methode, um noch effektiver zu werden, indem der Kreativität Raum zur Entfaltung gegeben wird.

De Bono verdeutlicht, dass der Bedarf nach lateralem Denken durch die Art wie unser Verstand arbeitet entsteht. Zum einen ist unser Verstand äußerst effektiv bei der Informationsverarbeitung. Zum anderen bringt diese Fähigkeit gewisse Einschränkungen mit sich, da einmal gelernte Muster schwer zu durchbrechen sind und genau an diesem Punkt ist laterales Denken gefragt.

Der Sinn des lateralen Denken besteht darin die Mängel unseres Verstandes zu kompensieren, indem neue Denkmuster angeregt werden, Klischees hinterfragt werden und Informationen auf neue Art und Weise zusammengefügt werden.

Vertikales Denken selektiert Informationen; laterales Denken hingegen erzeugt Alternativen. Beim vertikalen Denken versucht man den besten Weg auszuwählen und beschreitet diesen anschließend. Durch laterales Denken versucht man möglichst viele unterschiedliche Wege zu finden, selbst wenn man glaubt, dass man den besten bereits gefunden hat. Vertikales Denken verläuft Schritt für Schritt in sequentieller Abfolge und jeder einzelne Schritt muss dabei richtig sein. Beim lateralen Denken hingegen sind Sprünge erlaubt und nicht jeder Schritt muss richtig sein. Der Unterschied besteht darin, dass der vertikale Denker weiß wonach er schaut, wobei der laterale Denken auch schaut, aber nicht weiß wonach bis er es gefunden hat.

Vertikales Denken ist analytisches Denken, bei dem man gewisse Wege ausschließen muss, um zum Ziel zu gelangen. Man entscheidet sich für die wahrscheinlichsten Lösungswege. Laterales Denken kennt keinen Ausschluss, es ist stets offen und stimulierend und erforscht auch die unwahrscheinlichsten Möglichkeiten.

zitat: „It may be necessary to be on the top of a mountain in order to find the best way up.“

Laterales und vertikales Denken ergänzen sich. Laterales Denken ist hilfreich bei der Erzeugung von Ideen und Lösungsansätzen, vertikales Denken bei der Entwicklung derer. Laterales Denken verbessert somit die Effektivität des vertikalen Denkens, in dem es mehr Auswahlmöglichkeiten schafft. Umgekehrt verbessert vertikales Denken, das laterale Denken, in dem es die Ideen sinnvoll nutzt.

Zitat: „Lateral thinking is like the reverse gear in a car. One would never try to drive along in the reverse gear the whole time. Om the other hand one needs to have it and know how to use it for manoeuvrability and to get out of a blind alley.“

Laterales Denken ist sowohl eine Denk-Einstellung, als auch eine Methode, um mit Informationen umzugehen. Starre Denk-Muster werden abgelehnt und die Dinge werden stets auf verschiedene Art und Weise zusammengebracht. Dabei werden vorhandene Denk-Muster nicht als falsch deklariert, denn laterales Denken ist niemals bewertend. Durch die Umordnung von Informationen werden neue Erkenntnisse erzeugt. Ziel ist es bessere und effektivere Denkmuster zu entwickeln.

Zwei fundamentale Aspekte des lateralen Denkens sind:
1. Bewusste Suche nach alternativen Wegen
2. Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass jede Annahme hinterfragt werden darf.

Laterales Denken erlaubt es einem auf dem Weg zur richtigen Antwort auch einmal falsch zu liegen. Als Prozess ist laterales Denken mit Veränderung und nicht mit dem Beweisen von Richtig und Falsch beschäftigt.

Immer richtig liegen zu wollen ist das größte Hindernis auf dem Weg zu neuen Ideen. Immer richtig liegen zu wollen birgt zudem die große Gefahr, dass man Angst hat Fehler zu machen (statisches Selbstbild).

Ein weitere Möglichkeit laterales Denken anzuwenden ist die Bewertung von Ideen auszusetzen, auch wenn diese offensichtlich falsch sind. Man zögert den Moment der Bewertung länger hinaus, um möglichst viel Nützliches aus einer Idee hinauszuziehen.
Man folgt der Idee und nicht der Richtung, die die Bewertung der Idee vorgibt.

Die Befreiung von starren Denk-Mustern und die Generierung von alternativen Mustern ist das Ziel des lateralen Denkens.

Nur wenn man sich des Systems bewusst wird, in dem man operiert, kann man eine alternative Sichtweise außerhalb diese Systems einnehmen und neue Ideen entwickeln.

Zitat:“In lateral thinking one is not looking for the right answer but for a different arrangement of information which will provoke a different way of looking at the situation.“

Die folgenden drei Wege fördern laterales Denken:
1. Bewusstsein über die Prinzipien des lateralen Denkens, den Bedarf an lateralem Denken sowie der Starrheit des vertikalen Denkens.
2. Die Anwendung von Techniken, die Veränderungen der Denk-Muster bewirken
3. Die bewusste Änderung der gegebenen Verhältnisse, um Veränderung zu stimulieren

Zudem können bewusst externe zufällige Impulse gesetzt werden (z.B. durch ein zufällig ausgewähltes Wort). Dabei kann der zufällige Impuls einen neuen Einstieg zu einem Problem hervorbringen. Das Einbringen eines externe zufälligen Impuls, kann hilfreich sein, die vorherrschenden Denk-Muster zu durchbrechen und eine Neuordnung zu bewirken.

Beim lateralen Denken werden Erkenntnisse umstrukturiert durch die Neuanordnung von Informationen. Umstrukturierung ist die Basis des lateralen Denkens.

Ein wichtiges Werkzeug um laterales Denken anzuwenden ist unsere Sprache. Nein bzw. die Negierung ist ein Mittel des vertikalen Denkens. De Bono führt deshalb das Wort PO im Gegensatz dazu ein, um das laterale Denken zu fördern und auszuüben. Das Wort soll darauf hinweisen, dass laterales Denken angewendet wird und ebenfalls helfen vorhandene Spannungen in einer Diskussion abzubauen. PO wird verwendet, um vorhandene Muster und Strukturen zu stören und den Weg für neue Ideen zu öffnen. Wenn man PO in einer Diskussion verwendet, will man dem Gegenüber nicht zum Ausdruck bringen, dass er falsch liegt. Im Gegenteil, der Gegenüber mag recht haben, aber man möchte die Dinge einfach noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Das wichtigste an PO ist, dass es nicht gegen irgendetwas gerichtet ist, sondern vielmehr ein Vorschlag für eine kooperativen Versuch eine Situation neu zu strukturieren bzw. andere Sichtweisen zuzulassen.

Laterales Denken ist immer auch der Versuch alternative Wege zu finden, Dinge auf unterschiedliche Art und Weise zusammenzufügen, ganz egal wie angemessen der vorhandene Weg erscheint.

Was habe ich gelernt

– laterales Denken ist kein Ersatz für das traditionelle logische (vertikale) Denken. Es ist eine notwendige Ergänzung, ohne die logisches Denken unvollständig wäre.
– man muss manchmal falsch liegen, um ein vorhandenes Denk-Muster zu hinterfragen und umzuformen, um am Ende richtig zu liegen.
– es ist hilfreich nicht alle Ideen sofort zu bewerten, sondern sich Zeit zu lassen, um möglichst viel mitzunehmen.
-laterales Denken ist besonders nützlich, um neue Ideen zu generieren und Probleme zu lösen.
– laterales Denken ist wichtig, um vorhandene Denkmuster zu hinterfragen und um sie an veränderte Umweltzustände anzupassen und somit noch nützlicher zu machen.

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