Winti wider WhatsApp

Winterthur verbietet etwas, das aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Die Nutzung von Whatsapp zu untersagen, ist wie das Auto auf Kurzstrecken zu verbieten.

WhatsApp gibts an Wintis Schulen nicht mehr. Haha.

Die Zentralschulpflege in Winterthur verbietet seinen Lehrer*innen die Nutzung von WhatsApp. Jürg Altwegg, Verantwortlicher Stadtrat, begründet den Entscheid mit dem Totschlagargument Datenschutz.

Dieses Verbot ist nicht nur illusorisch — WhatsApp ist auf 9 von 10 Smartphones installiert und zählt bei Jugendlichen zu den Top 3 der meistgenutzten Apps — sondern beweist auch, dass die Winterthurer Zentralschulpflege von moderner Kommunikation nullkommanull Ahnung hat. Es macht eher den Eindruck, als gehe die Behörde nach dem Motto «Kenne ich nicht, will ich nicht, also verbiete ich es» vor.

Fakt ist, dass es keine Rechtsgrundlage für ein WhatsApp-Verbot in der Schweiz gibt, auch nicht für unter 16-Jährige (denen Winterthurs Oberlehrer WhatsApp in Klassenchats schon letzten Sommer untersagt hatte). Zudem: Facebook, der Inhaber von WhatsApp, hat seinen Europahauptsitz in Irland — einem EU-Staat — und muss sich dementsprechend an die Europäische Datenschutzgrundverordnung halten; ein sehr strenges Gesetz, das die Bearbeitung von personenbezogenen Daten regelt.

Obwohl davon auszugehen ist, dass Facebook und WhatsApp, die Daten nutzen (oder missbrauchen), um bessere Werbung auszuspielen, nützt ein Verbot nichts, weil die matchentscheidenden Daten (Telefonnummern) bereits bei der erstmaligen Installation der App auf den Unternehmensservern Facebooks gelandet sind. Und bei regelmässiger Nutzung ausserhalb des Schulareals auch weiterhin Daten übermitteln.

Um Jürg Altweggs WhatsApp-Verbot in eine Sprache zu übersetzen, die er versteht: Das ist dasselbe, wie wenn die Eltern ihre Kinder bei einem Schulweg von unter 3 Kilometern nicht mehr mit dem Auto zur Schule bringen dürften. Ein sinnloses Unterfangen: So wie viele ihre Sprösslinge einfach eine Querstrasse weiter aussteigen liessen, würde WhatsApp weiter genutzt — einfach weil die App aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist.

Winti wider WhatsApp — Winti wider den Verstand. Besser wäre, moderne Kommunikationsformen in den Unterricht einzubauen und mit den Schüler*innen zu besprechen, welche Chancen und Risiken Chatplattformen bieten.